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14,5 Millionen Schulden : Rumänien wird beim ESC disqualifiziert

Ovidiu Anton (dritter von links) hätte Rumänien beim ESC vertreten sollen. Bild: dpa

Weil Rumänien über Jahre Schulden bei der Europäischen Rundfunkunion angehäuft hat, wird das rumänische Fernsehen vom „Eurovision Song Contest“ ausgeschlossen. Der rumänische ESC-Kandidat wird nicht antreten.

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          Erstmals hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) einen Sender von allen gemeinsamen Projekten und Übertragungen ausgeschlossen, weil der Rundfunkveranstalter über Jahre seine Schulden nicht beglichen hat. Der Ausschluss betrifft die öffentlich-rechtliche Fernsehgesellschaft Rumäniens, Televiziunea Româna (TVR). Die Schulden des Senders bei der EBU sind seit 2007 auf 16 Millionen Schweizer Franken (rund 14,5 Millionen Euro) angewachsen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Rundfunkunion hatte dem Sender noch eine letzte Frist gesetzt, und TVR versuchte in den vergangenen Tagen, um wenigstens die Teilnahme am „Eurovision Song Contest“ (ESC) in gut zwei Wochen in Stockholm zu ermöglichen, eine Regierungsbürgschaft zu erwirken. Doch alle Versuche, die Angelegenheit gütlich zu lösen, seien gescheitert.

          Nachfragen und Fristsetzungen an die rumänische Regierung seien unbeantwortet geblieben, teilte die EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre am Freitag mit. Es sei bedauerlich, dass man zu dieser Aktion gezwungen sei. Aber die EBU sei eine Not-for-profit-Organisation, die 73 öffentlich-rechtliche Sender in 56 Ländern repräsentiere. „Die andauernde Überschuldung von TVR gefährdet die finanzielle Stabilität der EBU selbst.“ Ein rumänischer Regierungssprecher wird auf der NDR-Seite eurovision.de mit den Worten zitiert, es sei leider keine Lösung gefunden worden. Bukarest habe erst vor wenigen Tagen vom Ernst der Lage erfahren.

          Auch die EM-Übertragungsrechte sind betroffen

          Leidtragender ist zunächst der Sänger Ovidiu Anton, der sein Land in diesem Jahr beim ESC vertreten sollte. Vom Ausschluss betroffen sind aber auch die EBU-Übertragungsrechte für die Fußball-EM in Frankreich im Juni und die Olympischen Sommerspiele im August in Rio de Janeiro. Der 33 Jahre alte Ovidiu Anton aus Bukarest, der die Ballade „Moment Of Silence“ (Moment der Stille) singen wollte, zeigte sich am Freitagmittag von der Entscheidung tief getroffen.

          Auf seiner Facebook-Seite schrieb er, dass er nach Tagen der Ungewissheit nun die offizielle Bestätigung für seine Disqualifikation habe: Er sei ein ehrlicher Künstler, er habe fair den Vorentscheid in Rumänien gewonnen, habe die Jury und das Publikum überzeugt. Nun werde er auf so unfaire Weise aus dem Rennen geworfen. „Ich weiß nicht, wie ich meine Gefühle in freundliche Worte fassen soll, also lasse ich es lieber ganz.“ 

          ESC-Generaldirektor Jon Ola Sand zeigte Verständnis für den Künstler, es sei enttäuschend für ihn  „und auch für unsere Kollegen von TVR genauso wie für das rumänische Publikum und die Fans“. Für den Contest selbst werde diese Entscheidung aber keinerlei Folgen haben. Martin Österdahl vom schwedischen Sender SVT, Chefproduzent der drei ESC-Shows in Stockholm, nannte die Entscheidung unglücklich. Man habe sich auf die rumänische Delegation gefreut. „Nun ändern wir den Probenplan für das zweite Halbfinale, an dem Rumänien teilnehmen sollte.“

          Insgesamt nehmen in diesem Jahr 42 Länder am ESC teil. Zurückkehren zum Song Contest werden Bosnien-Hercegovina, Bulgarien, Kroatien und die Ukraine. Portugal hat seine Teilnahme abgesagt. Im vergangenen Jahr in Wien hatte es 40 Teilnehmer gegeben.

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