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Rückzug von Harry und Meghan : Flucht oder Vertreibung?

Auch das sind aber nur Spekulationen. Eine Hofberichterstatterin erinnerte am Montag daran, dass sich Harrys Abschied schon lange angekündigt hatte. Der Prinz habe sich schon vor seiner Hochzeit darüber beklagt, in einem „goldenen Käfig“ zu leben. Als sich Prinz Philip, sein Großvater, aus Altersgründen zurückzog und den populären Enkel bat, einen Teil seiner Verpflichtungen zu übernehmen, habe Harry noch einmal die Pflicht vor die Kür gestellt. Aber das Verlangen, eigene Wege zu gehen, sei durch Meghan noch verstärkt worden.

Keine öffentlichen Gelder mehr für Harry und Meghan

Philip, heißt es, zeige besonders wenig Verständnis für den Eskapismus seines Enkels. Aber auch William sei tief enttäuscht von seinem Bruder. Einem Freund soll William gesagt haben: „Ich habe mein ganzes Leben lang den Arm um meinen Bruder gelegt, und ich kann das nicht mehr tun – wir sind jetzt getrennte Einheiten.“ Mit Wonne stürzte sich die Presse auf das angespannte Verhältnis der Brüder. Darauf meinten sie am Montag reagieren zu müssen. Ein Sprecher warnte die Journalisten in Harrys und Williams Namen vor scharfen Formulierungen und führte sogar das seelische Wohlbefinden der Prinzen ins Feld. „Für Brüder, die sich so sehr den Themen rund um die psychische Gesundheit widmen, ist der Gebrauch schürender Sprache ein Angriff und potentiell gesundheitsschädlich“, hieß es in einer Erklärung.

Oberstes Anliegen der Queen dürfte es sein, einen offenen Bruch in der Familie zu verhindern. Sie soll darauf gedrängt haben, den Familiengipfel möglichst schnell einzuberufen und eine einvernehmliche Klärung herbeizuführen. Die Besetzung der Runde weist auf die Fragilität der Lage hin. Der Queen gelang es, die wichtigsten Mitglieder der „Firma“ zu versammeln – William und Harry fuhren nach Norfolk, und Charles beeilte sich, rechtzeitig aus dem Oman abzureisen, wo er einer Trauerfeier beigewohnt hatte. Nicht anwesend war die Person, die für viele die Hauptrolle in diesem Drama besetzt: die Herzogin von Sussex. Sie hält sich im kanadischen Vancouver auf, von wo sie telefonisch zugeschaltet worden sein soll. Absenz als Botschaft: Entscheidet, was ihr wollt – ein Zurück gibt es nicht mehr.

Vermutlich ging es beim Familienrat vor allem um praktische Fragen, die allerdings vielfältig aufgeladen sind. Harry und Meghan wollen ihr Leben fortan zwischen Großbritannien und Nordamerika aufteilen und die Hälfte des Jahres zunächst in Kanada verbringen, später – nach der Amtszeit Donald Trumps, wie es heißt – in Los Angeles. Das wirft vor allem finanzielle Fragen auf. Dürfen die Sussexes für einen Halbzeitjob noch öffentliche Gelder beanspruchen? Unklar ist auch, wie sich die Rollen als Semi-Royals und unabhängige Privatmenschen sauber voneinander trennen lassen. Gemeinsam sollen die Sussexes über ein Vermögen von umgerechnet etwa 40 Millionen Euro verfügen – aus Harrys Erbe und Meghans Filmgagen.

Für andere wäre ein solcher Betrag gleichbedeutend mit dem Ziel finanzieller Unabhängigkeit. Harry und Meghan wollen sich aber nicht zur Ruhe setzen und auch nicht nur im Wohltätigkeitssektor aktiv bleiben. Zumindest die Herzogin scheint an der Fortsetzung ihrer Filmkarriere zu arbeiten. Am Wochenende tauchte ein Mitschnitt auf, der Harry als Agenten seiner Frau zeigte. Auf einem Empfang pries er dem etwas verlegenen Chef des Disney-Konzerns die Herzogin als Synchronstimme an: „Sie hat wirklich Interesse daran!“ In Verhandlungen soll sich Meghan auch mit dem Apple-Konzern befinden.

Am Abend gab es dann endlich Futter für die Hofberichterstatter: Die Königin bezeichnete das Treffen in einer Mitteilung als „sehr konstruktiv“. Ihre Familie und sie selbst unterstützten den Wunsch von Harry und Meghan, ein „neues Leben als junge Familie zu beginnen“. Es werde „eine Periode des Übergangs geben, in dem der Herzog und die Herzogin von Sussex ihre Zeit in Kanada und Großbritannien verbringen“. In den nächsten Tagen werde man weitere Entscheidungen treffen. Harry und Meghan hätten klargestellt, dass sie in ihrem neuen Leben nicht auf öffentliche Gelder angewiesen sein wollen.

Anmerkung der Redaktion

In einer früheren Version des Artikels hieß es, Prinz Charles sei zum Krisengespräch mit der Queen aus Saudi-Arabien angereist. Das war falsch. Der Prinz reiste aus dem Oman an. Wir haben den Fehler im Text korrigiert.

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