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Rückzug von Meghan und Harry : Ein Schlag für das Königreich

Im Mai 2019 präsentieren Herzogin Meghan und Prinz Harry ihren Sohn Archie der Queen und dem Rest der Welt. Bild: dpa

Die britische Königin scheint „not amused“ von der Nachricht, dass sich Harry und Meghan von der „Firma“ lösen wollen. Das Paar hat den „Megxit“ offenbar seit Monaten heimlich vorbereitet. Für die Königsfamilie ist das ein schwerer Verlust.

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          Elisabeth II. wusste angeblich schon vor ein paar Tagen Bescheid. Auch Vater Prinz Charles, dem Thronfolger, und Bruder William, der Nummer drei nach der Königin, soll Harry von seinen Plänen berichtet haben. Und dennoch sei nun von einem „Vertrauensbruch“ die Rede – hinter den Palastmauern, wohl gemerkt, die noch immer recht undurchschaubar sind. Dementsprechend klingt aber auch die kurze Stellungnahme aus dem Buckingham-Palast: Die Diskussionen um den Herzog und die Herzogin von Sussex hätten gerade erst begonnen. „Wir verstehen ihr Bedürfnis, sich neu zu orientieren“, heißt es weiter. Doch es seien komplizierte Angelegenheiten, die über einen längeren Zeitraum geklärt werden müssten.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Königin scheint „not amused“ von dem offenbar heimlich seit Monaten vorbereiteten „Megxit“. Das Wort beschreibt die Ankündigung von Harry und Meghan, sich vom Königshaus und zugleich auch vom Königreich loszulösen – zumindest mehrere Monate im Jahr. Das kündigten die beiden am Mittwoch nicht ganz überraschend auf ihrem Instagram-Konto an. Die beiden wollen eine „fortschrittliche und neue Rolle“ innerhalb „dieser Institution“ finden. Demnach wollen sie nicht mehr in der ersten Reihe der Repräsentanten der königlichen Familie stehen, sondern sich auch finanziell unabhängig machen. Zugleich wollen sie „Ihre Majestät, die Königin“ weiterhin unterstützen – und zwar voll und ganz. Allerdings, und das ist ein Widerspruch, möchten sie künftig einen Teil ihrer Zeit in Nordamerika, der Heimat von Meghan, verbringen.

          Prinz Harry und Meghan Markle sitzen 2017 auf der Tribüne bei den „Invictus Games“ in Toronto – es ist ihr erster gemeinsamer Auftritt als Paar in der Öffentlichkeit. Bilderstrecke

          Am Mittwochabend ging eine Website online, die vor zehn Monaten im Hintergrund eingerichtet und seither, vor allem in den vergangenen sechs Wochen, die der Herzog und die Herzogin von Sussex mit ihrem Sohn Archie vor allem in Kanada verbracht haben, vorbereitet wurde. Sie trägt die Handschrift von Harry und Meghan, auch wenn viele in der Herzogin allein die Schuldige des vermeintlichen Zerwürfnisses mit dem Königshaus sehen wollen. Auf ihr erklären die beiden auch, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Und auch dass sie künftig auf die fünf Prozent ihres Einkommens verzichten wollen, die sie bisher als „senior members of the Royal Family“ bekommen haben.

          Die Königin bekommt aus dem sogenannten Kronbesitz, einer milliardenschweren Immobiliengesellschaft mit Besitztümern im ganzen Königreich, darunter die halbe Regent Street in London und die Pferderennbahn in Ascot, einen bestimmten Anteil ausbezahlt, der genau festgelegt ist. Damit und auch aus dem privaten Vermögen der Königin werden nicht nur die Paläste mitsamt den Bediensteten unterhalten, von der Apanage Ihrer Majestät in Höhe von gut 82 Millionen Pfund (rund 97 Millionen Euro) werden auch die Kosten der öffentlichen Verpflichtungen der Königsfamilie bezahlt. Harry und Meghans Anteil machte bisher fünf Prozent ihres Einkommens aus. Darauf verzichten sie nun, um eigenes Geld verdienen zu können, das war ihnen bisher wegen ihres Anteils aus dem „Sovereign Grant“ nicht möglich, und auch um sich unabhängiger vom Einfluss des Palastes auf ihr Leben zu machen.

          Die restlichen 95 Prozent ihres Einkommens stammten bisher aus dem Herzogtum von Cornwall seines Vaters. Ob sie weiterhin davon profitieren werden, hat allein Prinz Charles zu entscheiden. Er wird es wohl auch davon abhängig machen, ob Meghan Markle zum Beispiel wieder eine Hollywood-Karriere anstrebt. Davon ist bislang keine Rede. Was genau ihnen aber vorschwebt, bleibt offen. Allerdings haben die beiden zusammen auch ein geschätztes Privatvermögen in Höhe von 34 Millionen Pfund, das Geld stammt unter anderem aus dem Erbe von Harrys Mutter, Prinzessin Diana, und aus dem, was Meghan als Schauspielerin verdient hat.

          Unzufrieden mit Rolle als „Nummer zwei“

          Für die Königsfamilie ist der Schritt der beiden dennoch ein schwerer Verlust. Harry stand zuletzt in der Beliebtheitsskala auf Platz zwei hinter seiner Großmutter, der Königin, noch vor William und Kate und weit vor seinem Vater Charles, der noch hinter seinem Vater, dem Ruheständler Prinz Philip, und seiner Schwester Anne auf Platz sieben rangiert, gefolgt von Meghan. Und auch für das Königreich ist der Megxit vor dem Brexit ein Schlag. Immerhin kurbelt die Strahlkraft der Windsors die Tourismuswirtschaft an, geschätzte zwei Milliarden Euro bringt die „Firma“, wie Prinz Philip, Elisabeths Mann, die Windsors einmal nannte, Großbritannien ein.

          Doch der inzwischen 35 Jahre alte Harry war schon vor seiner Hochzeit mit der drei Jahre älteren Amerikanerin Meghan Markle unzufrieden mit seiner Rolle als der ewigen „Nummer zwei“. Das Leben des älteren Bruders ist vorherbestimmt, William konnte sich früh, wenn auch oft zähneknirschend, darauf einstellen, einmal Thronfolger zu sein. Harry hingegen hatte die undankbare Rolle eines Ersatzkandidaten, der im Fall der Fälle für seinen Bruder einzuspringen hat. So durfte er auch nicht als Offizier seine Pflicht tun, die er als Soldat wie alle anderen seiner Kameraden an vorderster Front in Afghanistan nur zu gerne getan hätte.

          Inzwischen haben William und Kate drei Kinder, Harry steht nur noch an sechster Stelle in der Thronfolge. Insofern kann die Königin beruhigt in die Zukunft schauen, auch wenn sie sicher der „Verlust“ ihres Lieblingsenkels schmerzen wird. Für sie aber zählt nur der Fortbestand der Monarchie. Und dafür wird das Herzogspaar im Grunde nicht gebraucht. So ist Archie, der Sohn von Harry und Meghan, auch kein Prinz. Der Titel steht ihm als Sohn des Zweitgeborenen des Thronfolgers nicht zu.

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