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Rückzug von Harry und Meghan : Nicht die erste Kriegserklärung an die Queen

In jeder Generation gibt es die schillernden und die langweiligen Windsors: Elisabeth, Prinz Andrew, Meghan und Harry im Jahr 2018 Bild: AP

Harry und Meghan haben sich gegen die königliche Familie gestellt. Ein weiterer Tiefschlag für die Windsors, aber auch bezeichnend für dieses Haus. Die Folgen ihrer Entscheidung könnten Harry und Meghan bald zu spüren bekommen.

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          Prinz Harry ist beliebt. Er war es zumindest, bevor er und seine Frau Meghan diese Woche über Instagram bekanntgaben, sich unabhängiger von der königlichen Familie machen zu wollen. Glaubt man den Vor-Megxit-Umfragen, war Harry beliebter als sein Bruder William, der künftige Thronfolger, und auch als dessen fast makellose Frau Kate. Harrys Vater Charles, der wahrscheinlich künftige König, hatte ebenfalls keinerlei Chancen gegen seinen Zweitgeborenen. Nur die Königin konnte 2019 mehr Sympathiepunkte auf sich verbuchen als der Rest der Windsors. Elisabeth II. wird für ihre Arbeitsmoral, ihre Würde, Hingabe und den unermüdlichen Einsatz für die Nation geschätzt. Harry mögen seine Landsleute, weil er liebenswert, humorvoll, selbstbewusst und für jeden Spaß zu haben ist. Doch um Beliebtheit allein geht es selbst in Zeiten der vermeintlich sozialen Medien nicht.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die junge Prinzessin Elisabeth wurde vor allem von zwei Frauen geprägt: ihrer Mutter Elisabeth und ihrer Großmutter, Maria von Teck. Maria von Teck war eigentlich mit dem britischen Thronfolger Albert Victor verlobt, als dieser 1892 plötzlich starb. Auf Wunsch von Königin Viktoria heiratete sie daraufhin den Zweitgeborenen, den späteren Georg V., mit dem sie sechs Kinder hatte, unter ihnen den Vater der heutigen Monarchin, Georg VI. Seine Mutter, Königin Mary, erlebte noch den Tod ihres Sohns und die Thronbesteigung ihrer Enkelin Elisabeth im Jahr 1952. Wie ihre Großmutter hat auch die heutigen Queen eine tiefe Abneigung gegen jedwede Person, die dem Königshaus schaden und damit den Fortbestand der Monarchie gefährden könnte.

          Prinz Harry und Meghan Markle sitzen 2017 auf der Tribüne bei den „Invictus Games“ in Toronto – es ist ihr erster gemeinsamer Auftritt als Paar in der Öffentlichkeit. Bilderstrecke

          Ein schwerer Schlag für Königin Mary war es daher, dass ausgerechnet ein Mitglied der eigenen Familie dem Hause Windsor den größtmöglichen Schaden zufügte: der älteste Sohn von Königin Mary, der lieber auf den Thron verzichtete als auf die „Liebe meines Lebens“, die schon einmal geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson. Damals war es undenkbar, dass so eine Frau an der Seite des Königs Königin wäre. Eduard VIII., der nach seiner Abdankung als Herzog von Windsor seine Heimat für immer verlassen musste, war zeitlebens Persona non grata. Auf Verständnis konnte er damals nicht hoffen, seine Beweggründe für den Verzicht auf den Thron waren ein Verrat an allem, was für seine Mutter und auch für seine Nichte sakrosankt werden sollte.

          An ihrem 21. Geburtstag, am 21. April 1947, versprach Elisabeth, ihr ganzes Leben in den Dienst ihres Volkes und ihrer Familie zu stellen. Seither ist viel Zeit vergangen. Drei ihrer vier Kinder sind inzwischen geschieden, Thronfolger Charles ist in zweiter Ehe mit der ebenfalls geschiedenen Camilla Shand verheiratet. Auch Elisabeths Enkel haben bisher alle bürgerlich geheiratet. Das Königshaus hat sich gewandelt und mit ihm Elisabeth. Die Königin hat allerdings ihr Versprechen von 1947 eingehalten, trotz aller Katastrophen, die sie und ihre Familie über die Jahre heimgesucht haben.

          Das Jahr 1997

          Ihr schlimmstes Jahr war dabei nicht etwa das von ihr selbst als Annus horribilis bezeichnete Jahr 1992, als die Ehen ihrer drei Kinder, Prinz Charles, Prinzessin Anne und Prinz Andrew, in die Brüche gingen und Schloss Windsor in Flammen stand. Das schlimmere Jahr für die Windsors war das Jahr 1997, als der Unfalltod von Prinzessin Diana, der geschiedenen Frau von Thronfolger Charles, und das vermeintlich herzlose Verhalten der Königin in den Tagen danach die Monarchie in ihren Grundfesten erschütterte – und das so stark wie zuletzt 1936, als Eduard VIII. abdankte.

          Es folgten schwere Jahre, in denen die Königin sich durchaus bemühte, die Zuneigung ihrer Untertanen zurückzugewinnen. Am 30. April 2002 stand sie anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums vor beiden Kammern ihres Parlaments und sagte: „Change is a constant.“ – Das einzig Beständige ist der Wandel. Nur wer das akzeptiere, wer bereit sei, sich auf den Wandel einzulassen, der habe auch eine Zukunft, so die Königin. Mit Marketing-Profis ging sie daran, die eigentlich „starke Marke“, die das Haus Windsor darstellt, zu überarbeiten. Mit Konsequenzen: Ältere Familienmitglieder mussten Platz für jüngere machen, vor allem für William und Harry, in denen manche „die letzte Hoffnung für die Zukunft der Monarchie“ sahen.

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