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Rückzug von Harry und Meghan : Nicht die erste Kriegserklärung an die Queen

In der aktuellen dritten Staffel der Netflix-Serie „The Crown“ setzt Prinz Philip seiner Frau, die mit ihrer Rolle als Königin hadert, eine durchaus schlüssige Theorie auseinander. Die Folge heißt „Margaretologie“ und handelt von den ungleichen Schwestern Elisabeth und Margaret, die eine stets würdevoll und pflichtbewusst, die andere extrovertiert und übermütig. Prinzessin Margaret war 1965 in den Vereinigten Staaten und im Auftrag der Königin im Weißen Haus, wo sie mit viel Alkohol und schlüpfrigen Witzen Präsident Lyndon B. Johnson um den kleinen Finger wickelte, zumindest wird es so in der ihr gewidmeten Folge von „The Crown“ dargestellt.

Die Theorie zum Hause Windsor, die angeblich vom einstigen Privatsekretär der Königin, Sir Alan Lascelles, stammt, lautet folgendermaßen: In jeder Generation gibt es die schillernden und die langweiligen Windsors. „Dein Vater ...“, setzt Philip in der nämlichen Szene an, und Elisabeth unterbricht ihn: „Ein Heiliger!“ – „... aber langweilig“, fügt Philip hinzu. „Genau wie dein Großvater.“ – „Georg V.?“ – „Todlangweilig“, sagt Philip. Und so gehe es fort bis Königin Viktoria und sogar noch weiter zurück: „Eine ununterbrochene Linie voller sturer, schwülstiger Tristheit.“ – „Die in mir gipfelt“, sagt Elisabeth.

Die Pflichtbewussten kommen auf den Thron

Folgt man der Theorie, dann kamen die verlässlich pflichtbewussten Windsors auf den Thron, auch wenn sie nur die Zweitgeborenen waren wie im Fall von Elisabeths Vater, Georg VI. Die schillernden Individualisten jedoch, sein älterer Bruder, der abgedankte König Eduard VIII. oder auch Elisabeths Schwester Margaret, sind zu Recht nicht König geblieben oder Königin geworden, weil sie gefährlich waren. Gefährlich für die Familie und die Monarchie.

Prinz Charles war sicher nicht immer ein Ausbund an Langeweile. Doch er hat sich über die Jahre in eine Rolle eingefunden, die ihm vorgegeben wurde, während sein Bruder Andrew gerade erst die „Lascelles’sche Theorie“ bekräftigt hat. Andrew, der sich mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eingelassen hatte, soll eine Minderjährige missbraucht haben. Als der Skandal im November den Palast erreichte, entband die Königin ihren angeblichen Lieblingssohn von allen öffentlichen Aufgaben.

Auch Harry, er soll Elisabeths Lieblingsenkel sein, hat der königlichen Familie schon Ärger eingebracht, etwa als er 2005 als Zwanzigjähriger zu einer Kostümparty eine Nazi-Uniform samt Hakenkreuz trug. Doch der Zweitgeborene hatte sich gefangen und war mit Projekten wie den Invictus Games, einer paralympischen Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten, zu einem geschätzten Mitglied des Königshauses geworden. Dennoch blieb er nur die Nummer zwei hinter seinem Bruder William. Genauso wie Harrys Frau Meghan, die sich womöglich mehr von ihrem Leben als Prinzessin, was sie nicht einmal ist, erhofft hatte. Schnell musste sie feststellen, dass ihre Schwägerin Kate als künftige Königin immer vor ihr stehen würde.

So brachten sich der Herzog und die Herzogin von Sussex zunehmend selbst in eine vertrackte Lage. Je mehr sie versuchten, für sich eine neue fortschrittliche Rolle innerhalb der Königsfamilie zu finden, desto mehr manövrierten sie sich ins Abseits.

In dieser Woche überspannten sie dann den Bogen: Der Megxit via Instagram werde von der Familie als „Kriegserklärung“ betrachtet, heißt es. Offenbar preschte das Herzogspaar mit der Ankündigung, sich unabhängiger vom Königshaus machen zu wollen, überstürzt vor, weil ein Boulevardblatt Wind von den Plänen bekommen hatte. Abgesprochen zumindest mit dem Vater Charles war, mit der Bekanntgabe zu warten, bis die Modalitäten für die künftige Position der beiden und ihre Aufgaben mit der Königin geklärt seien.

Elisabeth II. hat das letzte Wort, und sie will offenbar, auch wenn sie sehr verärgert sein soll, keinen endgültigen Bruch herbeiführen. Sie hat wohl ein Familientreffen einberufen, bei dem es um die Zukunft von Prinz Harry und Meghan gehen soll. Das Krisentreffen soll laut übereinstimmenden Medienberichten am Montag auf ihrem Anwesen in Sandringham in Norfolk stattfinden. Und die Dreiundneunzigjährige denkt schon an die Zukunft: Elisabeth will Entscheidungen treffen, die für die nächste Generation Gültigkeit haben, das heißt für die jüngeren Kinder des künftigen Thronfolgers. Auch Prinzessin Charlotte und Prinz Louis werden Pflichten für das Haus Windsor wahrnehmen müssen. Davon geht die Königin aus, für die die Zukunft der Monarchie an erster Stelle steht. Das könnten Harry und Meghan schon bald zu spüren bekommen.

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