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Katja Nicks Nachlass : Rückwärts von Raab bis Ribbentrop

  • -Aktualisiert am

Katja Nick mit Wim Thoelke in der Fernsehshow „Drei mal Neun“ Bild: Käthe Denicke

Katja Nick hatte ein Talent, das ihr einen aufregenden Lebensweg bescherte: Sie konnte rückwärts sprechen. Ihr Nachlass geht eigene Wege.

          Zu den letzten Überbleibseln geht es die Treppe hoch, einmal um die Ecke. „Das Tonband von Käthe Denicke ist schon an einen Sammler gegangen“, sagt Frau Roßdeutscher, „aber im Schaukasten sind noch ein paar Sachen von ihr.“ Tatsächlich liegen noch ein paar Jugendbilder von ihr darin, eine Ehrenurkunde des Bereichsverbands Gedächtnistraining und die Bescheinigung über ihren Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Daneben steht eine Schaufensterpuppe mit ihrem roten Perlon-Bühnenkostüm, gerahmt dahinter hängen ein Plakat des Hamburger Hansa-Theaters mit ihr und Fotos, darunter das Bild, das sie mit Talkmaster David Letterman („Late Night“) in New York zeigt, aufgenommen 1986 nach dem Auftritt in seiner Show.

          In Brandenburg steht die europaweit größte Sammlung zur Zirkusgeschichte

          An einem Rahmen klebt die Todesanzeige: 12. März 2006. Frau Roßdeutscher weiß nicht, wer David Letterman ist, sie hat andere Sorgen. Seit fast einem Jahr ist das „Internationale Artisten-Museum“ bankrott. 1990 hatte ihr Vater, der Varieté-Enthusiast Roland Weise, im brandenburgischen Landstädtchen Klosterfelde seine „europaweit größte Sammlung zur Zirkusgeschichte“ in ein brachial umgebautes märkisches Büdnerhäuschen gestopft; Zehntausende Plakate, Programmhefte, Fotografien, Fachzeitschriften, Originalkostüme von Clown Popow, einen präparierten Eisbär und eine Winchester von Buffalo Bill.

          Zu DDR-Zeiten galt Weise, hauptberuflich Journalist, als eminenter Artistik-Experte, so dass er 1972 als wohl erster DDR-Bürger nach Monaco reisen durfte, um dort René Croesi, den monegassischen Zirkus-Festivalchef, zu beraten. Weise starb im Juni 2013. Beim anschließenden Kassensturz stellte sich heraus, dass sein Museum überschuldet war.

          Ein Restpostenlager in Endzeitstimmung

          Seitdem lebt die Tochter Roßdeutscher in einer Art Restpostenlager in Endzeitstimmung. Alles steht zum Verkauf: der Eisbär, die Krokodilshaut, Plakate von „Paul Kaiser-Rekas Ein-Mann-Kapelle“, „Hochseilakrobat Herbert Bohse“, DDR-Show-Legende Peppi Zahl und Wolfgang Hartseils Schwedter Mäusezirkus. Fotos, die Ministerpräsident Matthias Platzeck gutgelaunt beim Museumsbesuch zeigen, hängen an schon halbleeren Wänden. Zwischen Packen angelehnter Plakatpappen, Umzugskartons und alten Computermonitoren warten Clownsfahrräder, Zauberkostüme und der Originaldress der Jongleuse Ruth Ellek-Müller auf Interessenten.

          „Wir bemühen uns, die Nachlässe geschlossen an Sammler abzugeben“, sagt Roßdeutscher. Vorerst hält sie ihre Änderungsschneiderei über Wasser. „Aber wir müssen uns das teilen, hier im Ort gibt es fünf.“ Frau Denicke kannte sie nicht allzu gut: „Aber ihr Buch ,Durch Rückwärts vorwärts‘ steht unten noch kistenweise.“ Die eingeschweißten Bücher sind ein Ausläufer mehr von Käthe Denickes verstreutem Nachlass, das darin erzählte Leben vermutlich die ungewöhnlichste Akquise des ganzen Artisteninventars: Ausbrüche einer Sekretärin der Berliner Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, die als „Katja Nick“ in die Flitterwelt von Show- und Fernsehunterhaltung eintauchte. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Rückwärtssprechen.

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