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Rückkehr aus Wuhan : 37 Stunden ohne Schlaf

Hofft, noch einmal nach Wuhan zurückkehren zu können: Ann-Sophie Muxfeldt Bild: Ann-Sophie Muxfeldt

Am Samstagnachmittag sind zahlreiche in Wuhan lebende Deutsche in Frankfurt gelandet, darunter die Rostocker Studentin Ann-Sophie Muxfeldt. Am Telefon und per Chat haben wir sie auf dem Weg nach Deutschland begleitet.

          3 Min.

          Ann-Sophie Muxfeldt kommt aus Rostock und studiert seit September an der Universität in Wuhan Informatik. Wir erreichen die 22-Jährige am Donnerstag zunächst per Whatsapp, dem Tag, an dem sie definitiv weiß, dass eine Bundeswehrmaschine nach Wuhan kommt, um die Deutschen aus der Region auszufliegen. Es muss jetzt schnell gehen, denn alle müssen ihren Transport zum Flughafen selbst organisieren, in einer Stadt also, in der kaum noch ein Fahrzeug fährt.

          Tim Niendorf

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die letzte Woche hatte sie sich nur noch auf dem Gelände des Campus bewegt. Die Busfahrt zum Flughafen zeigt ihr, was sonst in der Stadt los ist. „Erst dadurch habe ich das Ausmaß dieser Quarantäne begriffen. Es ist eine Riesenstadt, und nirgends fuhr irgendetwas, nirgends war irgendwer draußen. Das war schon ein seltsames Gefühl“, erzählt sie später am Telefon. Vor dem Flughafen muss der Bus eine Absperrung passieren. Durchfahrt bekommt nur, wer eine offizielle Erlaubnis hat. Sie und vier andere Studenten können Schreiben der deutschen Botschaft vorweisen, den Transport hatte die Universität organisiert. Der Flughafen ist leerer als sonst, „nicht komplett ausgestorben, aber es sind deutlich weniger Menschen unterwegs“.

          Weitere Geschichten darüber, wie das Coronavirus den Alltag in China und anderen Ländern bestimmt, lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – am Sonntag am Kiosk sowie im E-Paper.

          Nervös ist Ann-Sophie Muxfeldt nicht, abgespannt schon. „Es ist ja auch eine Ausnahmesituation. Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck, es fühlten sich alle noch recht sicher. Panik gab es nicht. Ich selbst halte das Risiko, das vom Virus ausgeht, immer noch für gering, nach alldem, was Virologen so sagen“, sagt sie.

          Leere Straßen in Wuhan: Zumindest der Verkehr war auf dem Weg zum Flughafen kein Problem.

          Mit den anderen Deutschen, die nach und nach eintreffen und von denen viele Probleme hatten, eine Mitfahrgelegenheit zu finden, verfolgt sie die deutschen Nachrichten. Sonst gibt es noch keine weiteren Informationen. „Wir hatten nur die Anweisung bekommen, um 20 Uhr am Flughafen zu sein.“ Man rechnet mit einer Untersuchung, aber keiner weiß, wann die sein wird. Erst mal heißt es: Warten. Der Check-in soll um 2 Uhr Ortszeit sein. Daraus wird nichts. Um 4.03 Uhr Ortszeit schreibt Muxfeldt eine Nachricht: „Jetzt ist Check-in.“ Um 7.43 Uhr: „Jetzt dauert es nicht mehr lange.“ 9.09 Uhr: „Wir fliegen jetzt los.“ Sie macht vor dem Boarding noch ein letztes Foto von dem Transportflugzeug der Bundeswehr. Danach keines mehr. Fotografieren an Bord ist verboten.

          Zum Tanken in Helsinki: „Sind alle sehr müde“

          Wir kommunizieren jetzt nur noch per Whatsapp. 12.16 Uhr deutscher Zeit schickt sie die Nachricht: „Sind grad in Helsinki gelandet.“

          „Wie lange habt ihr nun Aufenthalt?“

          „Wurde nicht gesagt. Nur dass wir tanken und die Crew austauschen.“

          „Sind alle mitgekommen?“

          „Es wollten letztendlich doch nicht alle mit, die auf der Liste standen. Ich glaube es waren am Ende 126. Und die, die wollten durften auch alle.“

          „Aber ihr seid jetzt noch alle an Bord oder könnt ihr kurz raus?“

          „Nee, genau, wir sind alle an Bord.“

          „Wie ist denn so die Stimmung?“

          „Also ganz ok würde ich sagen aber sehr ruhig. Sind halt alle sehr müde.“

          „Du musst ja auch mindestens 24 Stunden wach gewesen sein?“

          „Ja, bin gestern um 7 aufgestanden also das merkt man schon.“

          „Und im Flugzeug dann Schlaf nachgeholt?“

          „Ich kann im Flugzeug nicht so gut schlafen. Man bleibt eben doch immer halb wach. Außerdem mussten wir auch in regelmäßigen Abständen immer irgendwas tun, z.B. Maske wechseln oder Formulare ausfüllen, also hätte man eh nicht durchschlafen können.“

          „Oha, dann sind es ja quasi jetzt 37 Stunden ohne wirklichen Schlaf?“

          „Genau.“

          „In Germersheim werdet ihr dann lange ausschlafen?“

          „Das glaube ich auch!“

          Zurück in Deutschland

          Um 14.28 Uhr meldet die Luftwaffe auf Twitter: „Die letzte Teilstrecke einer langen Reise hat begonnen!“. Zwei Stunden und neun Minuten später setzt das Fahrwerk der „Kurt Schumacher“ auf einer Landebahn des Frankfurter Flughafens auf. Muxfeldt meldet sich bereits nach wenigen Minuten auf die Frage, ob sie gut angekommen ist. „Ja, sind wir“, schreibt sie, und dass sie davon ausgeht, die kommenden 24 Stunden für eine Untersuchung in einer Turnhalle des Flughafens zu verbringen. Dort wurden Feldbetten für die Rückkehrer aufgebaut. „Genau weiß ich es nicht. Wir lesen das alles auch nur in den Medien.“ Laut den Informationen unserer Kollegin vor Ort sind für den Aufenthalt in der ehemaligen Turnhalle jedoch nur vier Stunden angesetzt. Muxfeldt reagiert erleichtert: „Das wäre ja wunderbar!“

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