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Royaler Nachwuchs : Zeit, erwachsen zu werden

Endlich kann Königin Elisabeth in den Urlaub. George Alexander Louis ist da. Bild: Marth Mumford und Ada Grey

Mit der Geburt von George Alexander Louis ist das britische Königshaus beliebter denn je. Das wäre kein schlechter Zeitpunkt für eine Anpassung an moderne Verhältnisse.

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          Wenn Vorfreude die größte Freude ist, klang diese Woche ziemlich traurig aus. Fast jeden Abend wurde royaler Vollzug gemeldet: Am Montag endete die aufmerksam verfolgte Schwangerschaft der Herzogin von Cambridge mit der Geburt eines Thronfolgers, am Dienstag endete das Warten auf das erste Foto des Thronfolgers mit dem Foto des Thronfolgers, am Mittwoch endete das Warten auf den Namen des Thronfolgers mit dem Namen des Thronfolgers (George Alexander Louis).

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Am Donnerstag und Freitag ging den Royal-Junkies dann der Stoff aus. Zum späten Zeitungs-Star wurde die Londoner Taxifahrerin Tracy Mitchell, die Herrn und Frau Middleton, die Eltern der Mutter, in den Kensington-Palace bringen durfte, kein Trinkgeld erhielt und trotzdem ihr Glück kaum fassen konnte: „Die Großeltern unseres künftigen Königs - besser wird es nicht mehr!“

          Tage des modernen Krippenspiels

          Selbst ausgebuffte Königshausreporter beugten sich in diesen Tagen des modernen Krippenspiels der Absurdität ihrer Aufgabe. Nach mehr als zwölf Stunden vor der Eingangstür des „St. Mary’s Hospital“ in Paddington, in denen nicht mehr zu sehen war als die Eingangstür des „St. Mary’s Hospital“ und in denen kein einziger Königshausreporter zu finden war, der noch nicht von anderen Königshausreportern nach der Eingangstür des „St. Mary’s Hospitals“ in Paddington befragt worden war, wollte der Funkhausmoderator der BBC von seinem Mann vor Ort wissen, was es Neues gebe. Da nahm der Königshausreporter allen staatsbehördlichen Mut zusammen, lächelte halb verlegen, halb verächtlich und sagte: „Nichts.“

          Dass die Geburt eines Thronfolgers in einer Monarchie - sei sie noch so repräsentativ - einen besonderen Moment markiert, zeigt schon die eindrucksvolle Liste der Gratulanten, die vom iranischen Außenminister bis zu den Separatisten der Schottischen Nationalpartei reichten. Aber die öffentliche Aufmerksamkeit, die sich über Wochen, ja Monate auf nichtigste Details erstreckte, ging selbst einigen Briten zu weit.

          Die Presse habe länger in den Wehen gelegen als die Mutter, schrieb der linksliberale „Guardian“, der sich traditionell über die Windsors und den Königspomp belustigt. Kurz vor „dem Termin“ hatten Redakteure der Zeitung darauf gewettet, dass zumindest ihr „Guardian“ über die königliche Entbindung ohne „Live-Ticker“ berichten würde. Seit Ende der Woche müssen sie Wettschulden begleichen.

          Beim Royalismus immer noch Weltspitze

          Die schöne englische Kultur, für große Dinge eher kleine Worte zu finden, scheint wie außer Kraft gesetzt, wenn das Königshaus ins Spiel kommt. Am Tag nach der Entbindung füllten die acht überregionalen Tageszeitungen mehr als siebzig Seiten mit Sonderberichten. Alte Freundinnen von Prinzessin Diana, der verstorbenen Mutter Prinz Williams, wurden aufgespürt und befragt, wie sie wohl als Großmutter gewesen wäre. Redakteure stiegen in die Archive und erinnerten daran, wie sich Prinz Philip, der Ehemann der Queen, die Stunden vertrieben hatte, bevor sein Sohn Charles auf die Welt kam (er spielte angeblich Squash).

          Mit der gefeierten Geburt des Dritten auf der Thronfolgeliste sehen nun viele das Königshaus auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit. Noch vor 16 Jahren war es im Ansehen des Volkes derart gesunken, dass die Monarchie als Staatsform zu wanken schien. Der Umgang der königlichen Familie mit dem Tod Dianas, die in den achtziger und neunziger Jahren zu einer Volksheldin geworden war, markierte den wohl tiefsten Punkt. Mit einer Fernsehansprache gelang es Königin Elisabeth schließlich, eine Brücke über den Graben zu bauen.

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