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Royale Hochzeit in Luxemburg : Das „Gudden Owend“ kam gut rüber

Das großherzogliche Paar auf dem Standesamt Bild: AFP

Luxemburg strahlt, als Erbgroßherzog Guillaume die belgische Gräfin Stéphanie de Lannoy heiratet. Der Staat feiert ausgiebig – und das frisch vermählte Paar denkt schon über Kinder nach.

          Eines steht schon fest, noch ehe sich Braut und Bräutigam an diesem sonnigen Oktobernachmittag im Luxemburger Rathaus standesamtlich das Ja-Wort gegeben haben: Zumindest sprachlich wird das frisch vermählte Paar wohl stets prächtig miteinander auskommen. Französisch, Englisch und Deutsch beherrschen der 30 Jahre alte künftige Großherzog Guillaume und seine zwei Jahre jüngere Ehefrau Gräfin Stéphanie de Lannoy längst mühelos. Das ist aber nicht alles. Zehn Tage vor der Trauung stand das Paar dem einheimischen Sender RTL und damit dem Fernsehpublikum, sehr entspannt wirkend, Rede und Antwort.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Dabei zeigte sich die in Flandern geborene und in Wallonien aufgewachsene Belgierin gewillt, auch jene sprachliche Hürde zu nehmen, die auch gewiefte Linguisten meist nur mit Mühe überwinden. Ihre ersten zwei Worte kamen auf Luxemburgisch und waren bestens zu verstehen: „Gudden Owend“. Nicht nur in Luxemburg, sondern überall dort, wo Wohl und Wehe des Hochadels die Gemüter bewegt, wurde der „Hochzeit des Jahres“ entgegengefiebert. Die Hauptpersonen, der Prinz und seine - seit vergangenem April - Verlobte schienen sich von dem Rummel um das Geschehen im Großherzogtum nicht anstecken zu lassen.

          Freud und Leid werden nah beieinander liegen

          Der Prinz, der seit dem Amtsantritt seines Vaters Henri im Dezember 2000 als Staatsoberhaupt offiziell den Titel „Erbgroßherzog“ trägt, hat auch als Angehöriger der kleinen luxemburgischen Armee - derzeit im Rang eines Oberstleutnants - gelernt, in kritischen Situationen Ruhe zu bewahren. Auch auf diplomatischen Parkett zeigt sich der dunkelhaarige, vollbärtige Prinz, dessen Mutter Großherzogin Maria Teresa aus Kuba stammt, bislang sehr gewandt. Bis in die Golfregion und nach China haben ihn Handelsmissionen geführt, bei denen er sich nicht zuletzt darum bemüht, den Gastgebern den Finanzplatz Luxemburg schmackhaft zu machen.

          Kennengelernt hat sich das Paar in Deutschland. In Berlin hat Stéphanie, jüngstes von acht Kindern in einem uraltem flämischen Adel entstammenden Elternhaus, ihre Abschlussarbeit als Germanistin verfasst. Thema war der Einfluss der deutschen auf die russische Literatur. Erst fünf Jahre später, so verriet sie jetzt, seien Prinz Guillaume und sie ein Paar geworden. Zumindest einer größeren Öffentlichkeit war dies lange verborgen geblieben. Nicht in das eine halbe Autostunde vom Stadtzentrum gelegene Schloss Berg, wo das Gros der großherzoglichen Familie lebt, will das Paar ziehen. Wohin genau in Luxemburg, verriet es bislang nicht.

          Doch die belgische Braut lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch künftig unter Leute gehen und sich durchaus im Supermarkt um die Ecke sehen lassen will. Ganz so heiter, wie die Feierlichkeiten am Freitag mit der standesamtlichen Trauung begonnen haben, werden sie sich an diesem Samstag bei der kirchlichen Hochzeit in der Kathedrale der Hauptstadt nicht fortsetzen. Zu Beginn des Gottesdienstes soll mit einer Schweigeminute der Ende August nach einem Schlaganfall im Alter von 70 Jahren verstorbenen Mutter der Braut, Alix, gedacht werden. An ihrer linken Hand wird Stéphanie den Verlobungsring ihrer Mutter tragen. Freud und Leid werden an diesem Samstag nah beieinander liegen.

          Im Fernsehinterview wirkte die Prinzessin für ihr Alter von 28 Jahren abgeklärt, als sie sagte: „Eine Hochzeit, das ist die Fortsetzung des Lebens.“ Eine Woche nach dem Tod der Mutter sei eine Nichte zur Welt gekommen. Naheliegend ist es daher, dass nicht nur im Großherzogtum über möglichen Nachwuchs des Paars spekuliert wird. Dabei lohnt durchaus auch ein Blick in die Vergangenheit: Als Prinz Guillaume am 11. November 1981 zur Welt kam, waren seine Eltern, der heutige Großherzog Henri und dessen Frau Maria Teresa, fast auf den Tag genau neun Monate verheiratet. Das heimische Fernsehpublikum weihte Prinz Guillaume schon in die Familienplanung ein: „Wir wollen auch in die Richtung gehen.

          Wie viele Kinder wir in der Zukunft haben werden, dass kann man nicht wissen.“ Auch acht, fragte die Fernsehmoderatorin nach. „Wer weiß“, antwortete der Prinz schmunzelnd. Seine Braut hinzufügte: „Das ist doch ein bisschen viel.“ Glaubt man den Ergebnissen einer kürzlich im Auftrag des Fernsehsenders RTL und der Zeitung „Luxemburger Wort“ vorgenommenen Umfrage, dann haben die Bürger des Großherzogtums ein etwas gespaltenes Verhältnis zur Monarchie. So finden 70 Prozent der Befragten die Monarchie „grundsätzlich gut für Luxemburg“. 60 Prozent fühlen sich jedoch der großherzoglichen Familie nicht besonders verbunden. 29 Prozent der Bürger ziehen der Monarchie eine republikanische Staatsform vor.

          Die Staatskasse spendiert 350.000 Euro für die Feierlichkeiten

          Und sogar 62 Prozent der Befragten finden, der großherzogliche Hof komme die Bürger des Landes zu teuer stehen - dabei stehen die Einwohner des Landes keineswegs in dem Ruf, Geizkragen zu sein. Vorsorglich hatte die luxemburgische Regierung schon darauf verwiesen, dass aus der Staatskasse lediglich 350.000 Euro in die Feierlichkeiten fließen sollten. Einen etwas geringeren Beitrag steuert die Stadt Luxemburg bei. Schließlich soll es am Samstagabend in der Hauptstadt nicht nur ein grandioses Feuerwerk, sondern auch Konzerte der belgischen Sänger Selah und Sue und der einheimischen Band Funky P. geben.

          Die großherzogliche Familie kommt für die „persönlich Eingeladenen“ auf, während die übrigen ausländischen Gäste, von der niederländischen Königin Beatrix bis zum japanischen Kronprinzen Naruhito, selbst die Kosten für Anreise und Unterkunft übernehmen sollen. „Letztlich wird ein Großteil der Unkosten, insbesondere alle private Ausgaben, durch das großherzogliche Haus getragen“, lautete die beruhigende Botschaft aus der Regierungszentrale.

          Der Prinz, schon ganz zukünftiger Großherzog, reagierte gelassen, geradezu staatsmännisch: „Unsere Hochzeit wird direkt ins Ausland übertragen, mit internationalen Auswirkungen. Es geht also auch um das Ansehen des Landes. Und all dies hat einen Preis.“

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