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Ärger um Jubiläum : Rosinenbomber in der Schwebe

Bild: dpa

Kurz vor dem Jubiläum am Pfingstmontag wird in Berlin noch um die Feiern zur Luftbrücke gerungen. Der Plan, über der Hauptstadt noch einmal Süßigkeiten abzuwerfen, ist an der Berliner Bürokratie schon gescheitert.

          „Wir werden über Berlin fliegen.“ Dessen ist sich Thomas Keller sicher. Wie oft, wann genau und auf welcher Route, das weiß der Vorsitzende des Fördervereins Luftbrücke allerdings noch nicht. Dem Verein bleibt für die finale Planung der Festwoche zum 70. Jubiläum der Berliner Luftbrücke wenig Zeit, am Pfingstmontag soll es losgehen. Auch nach dreijährigen Vorbereitungen ist noch vieles in der Schwebe.

          Dabei stand am Anfang ein einfacher Gedanke, eine „Schnapsidee“, wie Keller sie einmal genannt hat: Wie wäre es, wenn 70 Jahre nachdem der letzte „Rosinenbomber“ am Himmel über Berlin zu sehen war, dort wieder DC-3-Maschinen fliegen und auf dem Tempelhofer Feld landen würden? So wie damals die Crews der Alliierten könnten die Piloten dann Süßigkeiten abwerfen. Im Juni 2016 kamen er und seine ehemaligen Kameraden Peter Braun und Jörg Siebert auf die Idee – nach einem gemeinsamen Fallschirmsprung in der Normandie, während eines Fallschirmjägertreffens zum 72. Jubiläum des D-Day, beim Whiskey.

          Der Förderverein der drei Initiatoren fand Sponsoren, konnte den Bundespräsidenten als Schirmherrn und den ehemaligen Air-Force-Piloten Gail Halvorsen als Ehren-Schirmherrn gewinnen. Der mittlerweile 98 Jahre alte Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes war wohl der erste Pilot, der damals Kaugummis, Schokolade und andere Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen befestigte und abwarf. Viele weitere Piloten griffen die Aktion auf. Die Flugzeuge, die den Westsektor Berlins vom Juni 1948 bis zum Mai 1949 von Flughäfen im Besatzungsgebiet der Alliierten aus versorgten, bekamen so den Spitznamen „Rosinenbomber“.

          Rettung aus der Luft: Transportflugzeug der amerikanischen Luftwaffe 1948 über Berlin

          Mehr als 30 Piloten haben laut Keller schon zugesagt, mit ihren Flugzeugen, alle vom Typ Douglas DC-3, die Luftbrücke noch einmal nachzustellen: aus England, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark, Frankreich, Ungarn, den Vereinigten Staaten und der Schweiz. Ursprünglich war geplant, am Samstag kommender Woche von Faßberg in Niedersachsen aus nach Berlin zu fliegen, am Tempelhofer Feld Süßigkeiten abzuwerfen und dort auch zu landen. Es wäre Aufgabe der Stadt gewesen, sagt Keller, für ein zugehöriges Fest zu sorgen. Doch schon für die Abwürfe hätte man einen Teil des Gebiets absperren müssen, um Verletzungen auszuschließen, für die Landungen sowieso. Vergangene Woche stand dann endgültig fest: Das ist mit dem Tempelhof-Gesetz nicht vereinbar.

          „Wir haben das geprüft – keine Chance“, sagt ein Sprecher der Berliner Senatsverwaltung. „Der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld sieht vor, dass das Wiesenfeld mit Start- und Landebahn für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben muss.“ Das Jubiläum der Luftbrücke sei zudem schon am 12. Mai am Platz der Luftbrücke vor dem ehemaligen Flughafen Tempelhof „angemessen gefeiert“ worden. Keller sieht das anders: Anlass sei da nur der Jahrestag der Auflösung der Berliner Blockade gewesen.

          Anstelle des Fests auf dem Tempelhofer Feld sollte deshalb eines auf dem Flugplatz in Schönhagen bei Trebbin stattfinden. Bei Starts und Landungen der historischen Flugzeuge sollten Schüler dort eine „Luftbrücke zum Anfassen“ erleben. „Die Luftbrücke war auch damals eine Sache der Jugend: In den Fliegern haben junge Kerls um die 25 Jahre gesessen, ausgeladen wurden die Maschinen von Sechzehnjährigen aus Berlin“, sagt Keller. „Das war ja keine Sache von alten weißen Männern, auch wenn man heute diesen Eindruck bekommen könnte.“ Doch auch daraus wurde nichts. Man habe Versicherungsprobleme nicht lösen können, heißt es. Laut der Flugplatzgesellschaft und der Stadtverwaltung Trebbin wurden die Anträge des Fördervereins nicht fristgerecht oder unvollständig eingereicht.

          Die „Rosinenbomber“ werden Berlin nach Stationen in Wiesbaden, Jagel und Faßberg am kommenden Wochenende also nur überfliegen. Um die Wunschroute über das Brandenburger Tor und das Tempelhofer Feld nehmen zu können, brauchen die Piloten aber noch eine Genehmigung – wegen der Regierungsgebäude ist ein Flugbeschränkungsgebiet betroffen. Laut Keller wurden dafür alle erforderlichen Anträge gestellt. Von Seiten des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung hieß es bis zuletzt, dass man die Anträge noch prüfe. „In jedem Fall werden wir am Tempelhofer Feld entlang fliegen“, sagt Keller. Und womöglich auch übers Brandenburger Tor. „Wir hoffen noch auf eine positive Entscheidung für dieses historische Ereignis.“

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