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Romi von Bülow : Seit 58 Jahren Frau Loriot

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Moooment. Schon kreist das Gespräch um ihn, den abwesenden Herrn und Meister. Um von sich selbst zu erzählen, muss Romi von Bülow an unser Thema erinnert werden. Noch einmal von vorn: Wie fing alles an? Erstaunlich, dass die beiden einander überhaupt kennengelernt haben, damals in Hamburg. Sie, die auf den Philippinen geborene Studentin der Hamburger Modeschule, und er, der Kriegsheimkehrer, der Malerei und Graphik studierte. Von gesellschaftlicher Konvention waren in der Nachkriegszeit höchstens Spurenelemente übrig. Rose-Marie Schlumbom, genannt Romi, musste sich tummeln: Für ihre zweimal ausgebombte Familie war vom hanseatischen Wohlstand nicht viel geblieben.

„1948 versuchte ich, in einem Hamburger Zeichentrickstudio ein paar Mark zu verdienen“, erinnert sie sich. „Leider konkurrierte ich dort mit einem Kunststudenten. Diese unerfreuliche Situation hielt ich nicht lange aus.“ Wäre da nicht der Faschingsball der Kunsthochschule am Lerchenfeld gewesen, wäre dazu nicht der plötzlich doch recht interessierte Vicco erschienen, der sie mit der U-Bahn nach Hause brachte, wäre in ihr nicht die Ahnung aufgestiegen: Der ist es! Wer weiß . . . Unter normalen Umständen hätte sich Romi ruck, zuck als Gemahlin eines hanseatischen Kaufmannssohns wiedergefunden, und das Lächeln, mit dem sie diesen ausgeschlagenen Lebensweg quittiert, spricht Bände. So aber kam es zur Ehe mit dem komischen Vogel Loriot, der wahrscheinlich nicht immer nur komisch war. „Gerade jetzt, zum sechzigsten Jahrestag der Bundesrepublik, denke ich viel darüber nach, dass wir Kriegskinder sind. Alles wurde zusammengewürfelt, nichts blieb, wie es war. Eher selten hätten preußische Offiziere Hamburger Kaufmannstöchter geheiratet, und nie wäre mein Mann Karikaturist geworden.“

Das Geheimnis einer langen Ehe

„Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen“ - dieses Loriot-Bonmot ist zum geflügelten Wort geworden. Eine Pointe nennt sie es mit leicht dahingeworfener Geste, wenngleich „manchmal“ etwas dran sei. 58 Jahre halten die beiden es schon miteinander aus. Das Geheimnis einer langen Ehe besteht angeblich darin, sich nicht scheiden zu lassen. Darüber muss die ungeduldige Neunundsiebzigjährige lachen. Sie selbst habe mal „Phantasielosigkeit“ als Begründung der Duldsamkeit angeführt - „und das zitiert mein Mann immer gern“. Womöglich hat sie darunter etwas anderes verstanden als er. Die beiden als Musterknabe und Heimchen am Herd zu charakterisieren täte jedem Einzelnen von ihnen jedenfalls bitter unrecht.

Der Ernährer der Familie war immerhin zumeist Heimarbeiter, allein das ist eine gefährliche Versuchsanordnung für die Ehe. Anfangs hatte es noch Charme, wenn der Schweizer Verleger Daniel Keel bei ihnen erschien und mit seinem Autor/Zeichner, auf dem Boden liegend, die Seiten der berühmten Breviere zusammenklebte. Später dann brachten Fernseh-Reihen Erfolg, „Telekabinett“, „Cartoon“ und „Loriot I bis VI“ - beim Südwestfunk und bei Radio Bremen entstanden, auch sie aus Not geboren. Ursprünglich sollte Loriot nur die Sketche schreiben - vom Spielen war keine Rede. Bis sich herausstellte, dass für Profi-Akteure kein Geld da war. „Dann machen Sie es doch selbst.“ Humor ist schön, ließe sich Karl Valentins Aperçu abwandeln, macht aber viel Arbeit.

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