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Beatles-Drummer Ringo Starr : Der größte Glückspilzkopf der Popgeschichte

Und weil die neue Platte eines Ex-Beatles noch immer als Ereignis gilt, ist Ringo gerade überall: auf dem Cover des „Rolling Stone“, in den Talkshows von Conan O’Brien und Ellen DeGeneres. Nur in Europa ist er leider nicht, so dass man als Journalist höchstens mit ihm telefonieren kann. Doch auch das gestaltet sich schwierig, denn der Andrang hat Ringos PR-Abteilung so überrascht, dass sich das ohnehin auf fünfzehn Minuten begrenzte Telefonat nun mehrere Journalisten teilen sollen: In einer Konferenzschaltung konferieren jetzt gleich Jean-Paul aus Holland, Stefan aus Schweden, Ringo aus Liverpool und ich. Fünf Minuten Ringo für jeden.

Einerseits ist Ringo bekanntlich nicht am schlechtesten, wenn er zu viert ist, andererseits ist die Konstellation nicht eben vielversprechend: Was, wenn die anderen lahme Fragen stellen? Und wenn Starr einen Gutteil der knappen Zeit mit seiner Lieblingsformel „Peace and love“ füllt? Beatles-Fragen schätzt er nicht mehr so, er ist es leid, dass die Vergangenheit ihn einfach nicht loslässt. Dabei nimmt er sie selbst gern in den Klammergriff: Der Song „Postcards from Paradise“ besteht aus einer Aneinanderreihung von Beatles-Titeln. So, nun wird Ringo zugeschaltet. „Can you hear me?“ Yes, we can.

„Ich stand immer für peace and love“

Es beginnt so wie befürchtet: Jean-Paul liest Ringo erst mal die Namen von Musikern vor, mit denen der beim Album zusammengearbeitet hat, und Stefan fragt nach der Genese des Postkarten-Songs, die im Pressematerial zur Platte ausführlich dargelegt wird, was aber vielleicht nicht nach Schweden gelangt ist. Womöglich jedoch sind die beiden ebenso entsetzt über meine Fragen: Mein Gott, ewig die alten Beatles-Kamellen! Sorry, Kollegen. Es ist nämlich so, dass selbst die schärfsten Kritiker seines Schlagzeugspiels Ringos Beitrag zum Gesamtpaket Beatles für essentiell halten: Seine Bodenständigkeit, sein kindlich-unschuldiger Humor, der den beißenden Witz John Lennons ausglich, all das habe die Band zusammen- und am Leben gehalten.

Wenn also jemand sagt, Ringo, Ihre Persönlichkeit sei wichtiger für die Band gewesen als Ihre musikalischen Fähigkeiten - ist das für Sie schmeichelhaft oder beleidigend? „Es beleidigt mich nicht, denn ich weiß, dass ich wegen meiner musikalischen Fähigkeiten in der Band war. Aber meine Persönlichkeit, was wir vorher nicht wussten, passte genau hinein. Ich stand immer für peace and love, damals schon.“ Und was ist mit dem Suchtcharakter, den er sich mal bescheinigt hat, wonach ist er heute süchtig? „Lange waren es Drogen und Alkohol, das ist es nicht mehr. Ich war immer abhängig vom Trommeln. Ich bin mehr auf Tournee als früher. Ich bin auf eine Art danach süchtig, immer mehr Musik zu spielen und zu schreiben.“

Und so spielt er weiter. Während Paul McCartney noch heute vorn dabei sein will und neben Rihanna und Kanye West auf der Gitarre schrammelt, lehnt sich Ringo entspannt zurück und jammt mit alten Freunden. Neu erfinden sollen sich andere, der alte Ringo ist gut genug. Die einzige lebende Legende, mit der man gern in der Kneipe ein Bier trinken würde - oder, da er ja nicht trinkt, eine Runde joggen gehen. Wenn man freilich sieht, wie Starr auf einem für den „Rolling Stone“ gedrehten Video am Strand entlangwetzt, dann ahnt man, dass einen dieser 74 Jahre alte Mann locker abhängen würde. Ringo Starr, der zwischen seinen Häusern in Surrey, Monte Carlo und Los Angeles pendelt, scheint die Zeit seines Lebens zu haben.

Und es kommt noch besser: Am 18. April wird er in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen. Als Beatles-Mitglied war er da längst, anders als seine Bandkollegen aber noch nicht als Solokünstler. McCartney war es, der feststellte, dass man den guten alten Ringo vergessen hatte, und sich für ihn einsetzte. With a little help from his friends, mal wieder. Paul habe einfach einen Abend ausgehen wollen, hat Ringo mehrfach gesagt, bei uns am Telefon verzichtet er auf den Scherz. Und sagt stattdessen: „Es ist eine Ehre. Es wird eine große Nacht.“ Wovon man ausgehen kann. Peace and love, Ringo.

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