https://www.faz.net/-gum-9854w

Werbung auf Snapchat : „Furchtbar, dass irgendjemand glaubt, das sei lustig“

  • Aktualisiert am

Die Gewalt zwischen Chris Brown und Rihanna hatte 2009 hohe Wellen geschlagen. (Archivfoto) Bild: AFP

2009 schlägt R'n'B-Star Chris Brown seine Freundin Rihanna krankenhausreif. Neun Jahre später sorgt eine Werbeanzeige bei Snapchat für Empörung im Netz und Verärgerung bei der Sängerin.

          1 Min.

          Nur wenige Tage, nachdem ein rassistisches GIF auf Snapchat für Wirbel gesorgt hatte, bricht wieder ein Shitstorm über die Plattform herein. Das Handyspiel „Would you rather“ hat eine Anzeige geschaltet, in dem sich der Nutzer zwischen einer Ohrfeige für Popstar Rihanna und einem Faustschlag für Chris Brown entscheiden muss.

          Das Makabere daran: Der Grammy-Gewinner hat die Sängerin, mit der er damals in einer Beziehung war, 2009 verprügelt und musste sich dafür vor Gericht verantworten. Dieser prominente Fall von häuslicher Gewalt hatte hohe Wellen geschlagen und schockierte nicht nur eingefleischte Fans. Bilder von Rihannas von blauen Flecken und Platzwunden gezeichneten Gesicht gingen um die Welt. Das einstige Traumpaar des R'n'B trennte sich, Chris Brown wurde zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

          In Zeiten von #Metoo und der steigenden gesellschaftlichen Sensibilität für Themen wie sexuelle Gewalt an Frauen erreicht Snapchat nun ein massives Echo aus Empörung und Unverständnis. Wie konnte die Plattform so eine Anzeige genehmigen? Rihanna selbst zeigt sich auf ihrem Instagram-Account verärgert. Ihr ginge es dabei nicht nur um ihre persönliche Geschichte: „Ihr habt all die Frauen, Kinder und Männer, die in der Vergangenheit Opfer häuslicher Gewalt wurden und es vielleicht immer noch sind, enttäuscht. Schande über euch!“

          Prominente Unterstützung bekommt die Sängerin von Aktivistin Brittany Packnett und Bill Clintons Tochter Chelsea. Die schreibt auf Twitter: „Furchtbar, dass irgendjemand glaubt, das sei lustig. Furchtbar, dass irgendjemand denken könnte, das sei angemessen.“

          Snapchat entschuldigte sich für den Vorfall. In einer Stellungnahme gegenüber BBC hieß es: „Die Anzeige wurde überprüft und irrtümlich genehmigt, obwohl sie gegen unsere Werberichtlinien verstößt. Wir haben die Werbung letzte Wochenende entfernt, als wir davon erfuhren. Es tut uns leid, dass das passiert ist.“

          Ein Beigeschmack bleibt, tausende Nutzer rufen im Netz zum Boykott der App auf. Ein weiterer Rückschlag, nachdem schon der Börsenkurs des Messengers im vergangenen Monat abgestürzt war. Reality-Star Kylie Jenner hatte in einem Tweet angekündigt, die App nach einem Update nicht mehr nutzen zu wollen. Der Kurs fiel zeitweise um fast acht Prozent in den Keller. Snapchats moralische Talfahrt geht indes weiter. 

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Das Coronavirus ist noch nicht besiegt. Alle Welt blickt mit Sorge auf die erstmals in Indien sequenzierte Delta-Variante. Wie sich die Infektionszahlen im In- und Ausland entwickeln – unsere Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Armin Laschet nach der Präsidiumssitzung der CDU am Montag in Berlin

          Laschet in Not : Warten auf die Wende

          Die launige Stimmungsdemokratie tut Laschet nicht den Gefallen einer „Wende“ durch die Medien. Auf die konnte sich die CDU noch nie verlassen. Aber das war und ist nicht die Schwäche der Union, sondern ihre Stärke.
          Frank Plasberg wollte anhand von Leitfragen die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen.

          TV-Kritik Hart aber fair : Die Nato wird wohl nicht aufgelöst

          Frank Plasberg hat sich kurz vor der Wahl etwas Besonderes ausgedacht. Mit Leitfragen will er die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Doch am Ende entgleitet es ins Aberwitzige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.