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Sexuelle Übergriffe : Den Saft abdrehen

Ist gerade erst aus Afrika zurückgekommen: Rick Perry, Energieminister der Vereinigten Staaten Bild: AFP

Amerikas Energieminister Rick Perry glaubt, dass sexuelle Übergriffe durch fossile Brennstoffe verhindert werden können. War es in Hollywood also bisher zappenduster?

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          Reisen bildet, heißt es ja so schön. Das denkt offenbar auch Rick Perry, und als Energieminister der Vereinigten Staaten will er seine Bevölkerung natürlich daran teilhaben lassen, was er auf seinen Reisen so lernt. Zumal ein Mann wie Perry nicht einfach nur Länder besucht. „Ich bin grade erst aus Afrika zurückgekommen“, sagte er am Donnerstag bei einer Veranstaltung, in der es um Energiepolitik ging. „Lasst mich eine Sache klar stellen: In Afrika sterben Menschen, weil es nicht genug Energie gibt.“ Ein junges Mädchen habe ihm in einem Dorf „in Afrika“ erklärt, sie müsse im Lichte eines Feuers lesen und dabei entstünden giftige Gase, „die Menschen umbringen“. 

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Das Schöne am Dasein als Politiker ist, dass man das Gelernte auch gleich mit seiner eigenen Agenda verknüpfen kann, wenn beides zufällig zusammen passt. Was man also machen kann, um Leben in Afrika zu retten? „Wir brauchen fossile Brennstoffe, um Energie in diese Dörfer in Afrika zu bringen“, sagte Rick Perry.

          Weil Menschenleben in Afrika die Menschen im Westen nicht allzu sehr interessieren, versuchte es Perry mit einem Trick: Er verknüpfte die Energie-Frage mit einem Thema, das Amerikaner gerade sehr interessiert: „Es geht auch um sexuelle Übergriffe. Wenn das Licht an ist, wird das Licht der Gerechtigkeit auf solche Taten scheinen.“ Fossile Brennstoffe könnten eine große Rolle dabei spielen, sexuelle Übergriffe zu verhindern, argumentierte Perry.

          Spätestens da offenbarte sich, dass Reisen nicht nur bilden, sondern auch dazu führen können, in der Heimat den Anschluss zu verlieren. In den Vereinigten Staaten machen immerhin seit Wochen Skandale ohne Ende Schlagzeilen, die in der Summe eines zeigen: In Hollywood gehörten sexuelle Übergriffe bisher zum Tagesgeschäft.

          Den Schutz der Dunkelheit hatten Männer wie Harvey Weinstein, Brett Ratner und Kevin Spacey jedenfalls nicht nötig. Glaubt man den Anschuldigungen gegen sie, reichte ihnen ihre Macht als Deckmantel aus. „Kevin hatte wenig bis gar keine Skrupel, seinen Status und seine Position auszunutzen“, sagte gerade erst ein ehemaliger Produktionsassistent von „House of Cards“. Er berichtete von einer Autofahrt mit Kevin Spacey, bei der dieser ihm an die Hose gefasst und ihn später bedrängt habe. Man kann davon ausgehen, dass das Auto mit fossilen Brennstoffen angetrieben wurde.

          Es hilft natürlich trotzdem, wenn ein Licht darauf geworfen wird, was mächtige Männer in ihren Hotelzimmern, Büros oder im „Locker room“ so machen. Die Redensart darf man in diesem Fall aber nicht zu wörtlich nehmen. Sonst könnte man auch sagen: Was wirklich hilft, ist den Stecker zu ziehen. So wie bei „House of Cards“, wo die Produktion wegen der Vorwürfe gegen Spacey erst mal unterbrochen wurde.

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