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Richard Dreyfuss im Gespräch : „Wir haben angefangen, den Schwanz einzuziehen“

  • -Aktualisiert am

Bekannt für sein Selbstbewusstsein und Filme wie „Der weiße Hai“: Richard Dreyfuss Bild: Picture-Alliance

Hollywood-Legende Richard Dreyfuss meldet sich zurück – mit der Hauptrolle in dem Drama „Astronaut“. Im Interview spricht er über sein Ticket zum Mond, sein Selbstbewusstsein, die amerikanische Demokratie und Donald Trump.

          7 Min.

          Man übertreibt nicht, wenn man Richard Dreyfuss als Hollywood-Legende bezeichnet. Der New Yorker, der am 29. Oktober 73 Jahre alt wird, stand schon als Teenager für Fernsehproduktionen vor der Kamera, versuchte sich am Theater und feierte 1973 mit „American Graffiti“ von George Lucas den Durchbruch. Es folgten die beiden Spielberg-Blockbuster „Der weiße Hai“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, ein Oscar für „Der Untermieter“ und in den Achtziger Jahren erst einmal der Drogenentzug. Ganz zurückgezogen hatte sich der Vater dreier erwachsener Kinder nie, auch wenn die Rollen in den letzten Jahren kleiner und seltener wurden. Nun meldet er sich mit der Hauptrolle in dem rührenden kanadischen Drama „Astronaut“ (ab 15. Oktober im Kino) zurück, das Anlass für ein Videotelefonat mit ihm ist.

          Seine Ehefrau Svetlana, mit der er seit bald 15 Jahren verheiratet ist, stellt die Verbindung her. Dreyfuss sitzt – mit Kopfhörer und Cap – in seinem Arbeitszimmer, im Hintergrund steht neben dem Drucker das Hochzeitsfoto. Vor dem Fenster ist der Gärtner mit einem Laubbläser aktiv, doch davon lässt er sich nur anfangs ablenken. Ein konzentrierter Gesprächspartner ist er allerdings ohnehin nicht, eher der Typ gut gelaunte Plaudertasche, mit der man in Windeseile von einem Thema aufs nächste kommt.

          Mr. Dreyfuss, in Ihrem neuen Film „Astronaut“ träumen Sie vom Flug ins All, in Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ haben Sie es damals am Ende sogar ins Ufo geschafft. Aber auch in echt hatten Sie mal Weltraum-Ambitionen, nicht wahr?

          Sagen wir es mal so: Ich hatte schon meine Reservierung für ein Ticket zum Mond!

          Tatsächlich?

          Aber ja doch. Noch am gleichen Tag als die NASA 1969 auf dem Mond landete, konnte man bei der Fluggesellschaft Pan Am Tickets zum Mond reservieren. Sie sicherten zu, dass die einlösbar wären sobald kommerzielle Flüge zum Mond möglich seien. So hatten sie es ja schon in den Dreißigern mit Transatlantik-Flügen gemacht: Da gab es auch bereits Jahre vorher Reservierungen, die dann später tatsächlich in Tickets umgewandelt wurden. Jedenfalls hatte ich für den Mondflug die Reservierungsnummer 86, und mein Freund Albert Brooks, der Komiker, sogar die 11. Steven Spielberg selbst wäre in den Achtziger Jahren vermutlich der erste Zivilist im All gewesen, wenn ich mich richtig erinnere. Dann allerdings ereignete sich die Challenger-Katastrophe und seine Pläne wurden natürlich auf Eis gelegt, genau wie wenig später die von Pan Am.

          Aber war die Reservierung dieses Tickets für Sie ein Gag oder Ausdruck einer ehrlichen Faszination fürs Weltall?

          Ich würde sagen, dass diese Faszination eigentlich untrennbar zur menschlichen Natur gehört. Die ist fest in uns verankert und immer schon Bestandteil unserer Geschichte. Wir haben in dieser Hinsicht stets versucht, den nächsten Schritt zu gehen und uns weiter ins Unbekannte vorzuwagen. Und das nicht nur mit Blick auf die Wissenschaft. Erst als es dann ein paar technische Probleme bei der bemannten Raumfahrt gab, machten wir etwas, was uns Menschen sonst eigentlich ganz unähnlich ist.

          Nämlich?

          Wir haben angefangen, den Schwanz einzuziehen. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte haben wir plötzlich versucht zu unterdrücken, was sonst immer selbstverständlich war, nämlich unsere Neugier und unseren Forscherdrang. Wir haben uns einfach von der Raumfahrt abgewandt und uns bemüht, die Leute mit anderen Dingen abzulenken. Was vermutlich die falsche Entscheidung war, wenn ich höre, wie viele NASA-Mitarbeiter danach in Therapie mussten, weil ihnen ihr Lebensinhalt weggebrochen war. Aber langsam kommt die Sache ja wieder zurück. Auch wenn natürlich Flüge zum Mars technisch so viel schwieriger sind als alles andere, was wir je unternommen haben. Das wird einige politische Revolutionen und einen Schritt nach vorne in der Menschheitsentwicklung brauchen, bevor das Wirklichkeit wird.

          Ihr Kollege Tom Cruise will ja immerhin demnächst im All einen Film drehen.

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