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Restaurierung in Rom : Neues Leben im Mausoleum

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Nach Jahrzehnten des Verfalls will Rom die letzte Ruhestätte des römischen Kaisers Augustus restaurieren und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Bild: dpa

Das Grabmal des römischen Kaisers Augustus wird mit Hilfe eines Mäzens restauriert. Bis 2019 soll Rom ein besonders verrottetes Herzstück frisch renoviert zurück erhalten.

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          Endlich haben die Restaurierungsarbeiten begonnen. Bis 2019 soll Rom mit Hilfe des Mobilfunkbetreibers Tim ein besonders altes und besonders verrottetes Herzstück frisch renoviert zurück erhalten: das Mausoleum des Augustus.

          Mutmaßlich gibt es in der Ewigen Stadt keinen hässlicheren Platz mit größerer historischer Bedeutung als das Areal mit dem verkommenen Grabmal des großen Imperators. Hoch darüber erhebt sich parallel zum Tiber auf einem Podest das gläserne Haus über dem Friedensaltar des Kaisers. Etwas tiefer liegen zu den drei anderen Seiten streng modernistische Gebäude aus der Mussolini-Zeit, und noch einmal vier Meter darunter befindet sich der Eingang zum gut 2000 Jahre alten Grabmal: drei Ebenen eines Platzes, die durch nichts als Leere und Kontaktlosigkeit verbunden sind.

          Dabei müssten zumindest Friedensaltar und Grabmal eine Einheit bilden. Der vom Senat und Volk von Rom gestiftete Altar „L’Ara Pacis Augustae“ huldigte noch zu Lebzeiten jenem Kaiser, der der Bauherr des Grabhauses für sich selbst und seine Familie daneben war. Gaius Octavius Caesar Augustus, Großneffe und Adoptivsohn von Julius Caesar, galt als Wegbereiter des Römischen Weltreiches und kann auch als ein Gründungsvater Europas gesehen werden. Roms erster Imperator führte die durch den Bürgerkrieg zerfallende römische Republik in ein für Jahrhunderte aufblühendes Reich. So kam der Begriff vom „Augusteischen Frieden“ (Pax Augusta) oder der „Pax Romana“ in die Geschichte.

          „Schauen Sie sich an, wie unwürdig damit umgegangen wird“

          Für die römischen Bürger begannen tatsächlich mit Augustus zwei Jahrhunderte des Friedens. Weil aber schon knapp 40 Jahre nach seiner Machtübernahme die ersten Kriege zur Vergrößerung des Reichs an seinen Grenzen und so auch in Palästina begannen, setzten die frühen Christen dort gegen das zeitlich begrenzte Friedensreich des Augustus den himmlischen, „ewigen Frieden“ des Augustus-Zeitgenossen Jesus Christus. Für die Offenbarung des Johannes wurde Rom geradezu zur Stadt des Teufels, die zerstört werden müsse.

          Caesar Augustus prägte auch unsere Sprache. Aus dem Eigennamen Caesar wurden später die Titel „Kaiser“ und „Zar“; und weil jener Augustus im sechsten römischen Monat (14 nach Christus) starb, heißt bis heute dieser Monat August. „Aber schauen Sie sich an, wie unwürdig mit all dieser Bedeutung umgegangen wird“, sagt Elisabetta Carnabuci, die Archäologin, die die Arbeiten zur Rekonstruktion des Platzes im Herzen der römischen Altstadt auf dem Campo Marzio beaufsichtigt.

          „Nichts hält diesen Platz zusammen. Die beiden Kirchen am Rand wenden ihre Eingänge anderen Richtungen zu. Das Leben in den aus faschistischer Zeit stammenden Wohnhäusern, die Cafés und Restaurants verstecken sich hinter Galerien, während auf dem offenen Platz Busse und Taxis Krach machen. Nichts als ein großer Parkplatz. In der Mitte steht ein hoher Zaun, und das, was man dahinter vom Grabmal erkennen könnte, wird von dunklen Zypressen verdeckt.“

          Das Mausoleum wurde den Möwen überlassen

          Zumindest das Rom des 20. Jahrhunderts ging schlecht um mit dem kaiserlichen Erbe. „Duce“ Mussolini ließ zwar Archäologen graben, hoffte er doch auf bedeutende Funde. Doch im Endergebnis riss er nur die alten Gebäude des reich besiedelten Platzes mit dem Mausoleum ab; und damit auch das „Auditorium des Augustus“, das auf der Grabrotunde errichtet und 1907 von der Stadt gekauft worden war. Dabei hatte es sich um einen Konzertsaal mit bester Akustik gehandelt, in dem Arturo Toscanini Wagner dirigiert hatte. „Ich überlasse den Spitzhacken das Wort“, soll der „Duce“ 1934 gesagt haben – mit der Vorhersage, dass man zunächst wieder die Statue des Augustus auf das neu errichtete Grabmal errichten, dann aber durch eine Statue von ihm selbst ersetzen würde.

          Auch die Spanische Treppe in Rom ist mit Geldern eines Mäzens saniert worden.
          Auch die Spanische Treppe in Rom ist mit Geldern eines Mäzens saniert worden. : Bild: dpa

          Stattdessen kam der Krieg. Der „Duce“ fiel, die Spitzhacken wurden wieder eingesammelt und das entblößte Mausoleum den Möwen, Tauben und Katzen überlassen. Die drei konzentrischen Gänge hin zur Cella, in der womöglich einst der Kaiser bestattet worden war, sind verschwunden. Ein paar römische Marmorrelikte finden sich zwar, ein paar Quader, die die Urnen aufnahmen. Neulich fanden die Archäologen sogar eine Marmorbüste. Das Gesicht war wohl weiblich, aber für eine weitere Identifikation zu stark zerstört.

          Mussolini hinterließ ein paar Marmorplatten, die an Familienangehörige des Kaisers erinnern. Mühsam graben sich Arbeiter durch das Geröll und suchen weiter nach irgendetwas, was mit dem Kaiser zu tun haben könnte – bisher vergeblich.

          Der zweitgrößte Grabbau nach den Pyramiden

          Das Augustus-Mausoleum ist noch aus einem weiteren Grund von Bedeutung: Es gilt als der zweitgrößte Grabbau nach den ägyptischen Pyramiden von Gizeh und erhielt von seinem Erbauer seinen Namen, um an das gut 300 Jahre ältere Mausoleum von Halikarnassos anzuknüpfen, das Grabhaus des Satrapenkönigs Maussolos im heute türkischen Ort Bodrum, das von seinen Zeitgenossen als eines der sieben Weltwunder gefeiert wurde. Daran wollte Augustus anknüpfen. Sein Mausoleum war mit seinen einst 45 Metern höher und mit 89 Metern Durchmesser größer als die bald 200 Jahre jüngere Rotunde, in der die sterblichen Überreste von Kaiser Hadrian bestattet wurden.

          Weil Hadrians Bau aber beim Vatikan am anderen Ufer des Tiber lag, geriet er nie aus dem Blick der Bischöfe von Rom. Die Päpste machten daraus ihre Wehrburg, die heute als Engelsburg jeder kennt, und die seit den beiden als grausam und lüstern geltenden Borgia-Päpsten vor 500 Jahren die Phantasie der Rom-Besucher beflügelt.

          „Dabei ist die Engelsburg nur eine kleine Kopie jener Grabanlage, die Augustus für sich und seinen Clan der Julier errichtete“, sagt Elisabetta Carnabuci. In einem Umzug, der dem Triumphzug nach großen Siegen angepasst war, überführte der Senat die Urne des mit 77 Jahren gestorbenen Imperators in das Mausoleum, mit dessen Bau Augustus schon mit Mitte dreißig, im Jahr 29 vor Christus, begonnen hatte. Damals hatte er nach der Seeschlacht bei Actium gerade seinen Herausforderer Mark Antonius besiegt, Ägypten erobert und die Reichtümer von Königin Kleopatra VII. übernommen. So war der charismatische Augustus auch pekuniär in der Lage, seine Karriere zu finanzieren und mit seinem Grabmal Rom zu schmücken.

          Der Platz um das Mausoleum erscheint leer

          Im Übrigen gab es zu seinen Lebzeiten neben dem Friedensaltar nur noch auf dem Campo Marzio eine Sonnenuhr mit einem ägyptischen Obelisken als Zeiger und den Tempel für alle Götter: das Pantheon. Auf dem Marsfeld mussten die Soldaten ihre Waffen zurücklassen, bevor sie weiter zum Forum Romanum durften. Hier fanden regelmäßig die Wahlen für die Ädilen und Senatoren statt.

          Heute ist Roms Altstadt auf dem Campo Marzio eng besiedelt. Nur der Platz um das kaiserliche Mausoleum erscheint leer. So stehen die Architekten nun vor der schweren Aufgabe, aus der Öde dieses Platzes ein neues Ensemble zu schaffen und dabei den Altar „L’Ara Pacis Augustae“ genauso einzubeziehen wie die Bauten des „Duce“, wiewohl alle drei Elemente auf verschiedenen Höhen liegen.

          Und was macht man mit den wenigen Überresten des Mausoleums, das im Mittelalter von der Familie Colonna als Festung ausgebaut, vom Musiktheater befestigt und von den Faschisten mit Beton eingefroren wurde? „Die sollen nur zaghaft mit der Geschichte umgehen“, beschwört die Archäologin Carnabuci die Stadtplaner.

          Endlich wieder eine Zierde für Rom?

          Wieder einmal – nach Tod’s für das Kolosseum, Bulgari für die Spanische Treppe und Fendi für einige Brunnen – hilft ein Mäzen der Pleite-Stadt: Tim ist mit sechs Millionen Euro größter Geldgeber für die Instandsetzung des Mausoleums und des Platzes. Schon flossen zwei weitere Millionen von Tim in die Neugestaltung der Umzäunung, die mit dreidimensionalen Darstellungen und dreifarbigen Ausleuchtungen in der Nacht die Geschichte dieses Platzes erzählt.

          Kaiser Augustus fand nach eigenem Bekunden bei seiner Machtübernahme ein Rom aus Ziegelsteinen vor, das er bei seinem Lebensende in eine Marmorstadt verwandelt hatte – reich und wohltuend für das Auge. Vielleicht wird ja auch der Platz seines Mausoleums 2019 endlich wieder eine Zierde für Rom sein.

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