https://www.faz.net/-gum-90hiw

Restaurierung in Rom : Neues Leben im Mausoleum

  • -Aktualisiert am

Nach Jahrzehnten des Verfalls will Rom die letzte Ruhestätte des römischen Kaisers Augustus restaurieren und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Bild: dpa

Das Grabmal des römischen Kaisers Augustus wird mit Hilfe eines Mäzens restauriert. Bis 2019 soll Rom ein besonders verrottetes Herzstück frisch renoviert zurück erhalten.

          5 Min.

          Endlich haben die Restaurierungsarbeiten begonnen. Bis 2019 soll Rom mit Hilfe des Mobilfunkbetreibers Tim ein besonders altes und besonders verrottetes Herzstück frisch renoviert zurück erhalten: das Mausoleum des Augustus.

          Mutmaßlich gibt es in der Ewigen Stadt keinen hässlicheren Platz mit größerer historischer Bedeutung als das Areal mit dem verkommenen Grabmal des großen Imperators. Hoch darüber erhebt sich parallel zum Tiber auf einem Podest das gläserne Haus über dem Friedensaltar des Kaisers. Etwas tiefer liegen zu den drei anderen Seiten streng modernistische Gebäude aus der Mussolini-Zeit, und noch einmal vier Meter darunter befindet sich der Eingang zum gut 2000 Jahre alten Grabmal: drei Ebenen eines Platzes, die durch nichts als Leere und Kontaktlosigkeit verbunden sind.

          Dabei müssten zumindest Friedensaltar und Grabmal eine Einheit bilden. Der vom Senat und Volk von Rom gestiftete Altar „L’Ara Pacis Augustae“ huldigte noch zu Lebzeiten jenem Kaiser, der der Bauherr des Grabhauses für sich selbst und seine Familie daneben war. Gaius Octavius Caesar Augustus, Großneffe und Adoptivsohn von Julius Caesar, galt als Wegbereiter des Römischen Weltreiches und kann auch als ein Gründungsvater Europas gesehen werden. Roms erster Imperator führte die durch den Bürgerkrieg zerfallende römische Republik in ein für Jahrhunderte aufblühendes Reich. So kam der Begriff vom „Augusteischen Frieden“ (Pax Augusta) oder der „Pax Romana“ in die Geschichte.

          „Schauen Sie sich an, wie unwürdig damit umgegangen wird“

          Für die römischen Bürger begannen tatsächlich mit Augustus zwei Jahrhunderte des Friedens. Weil aber schon knapp 40 Jahre nach seiner Machtübernahme die ersten Kriege zur Vergrößerung des Reichs an seinen Grenzen und so auch in Palästina begannen, setzten die frühen Christen dort gegen das zeitlich begrenzte Friedensreich des Augustus den himmlischen, „ewigen Frieden“ des Augustus-Zeitgenossen Jesus Christus. Für die Offenbarung des Johannes wurde Rom geradezu zur Stadt des Teufels, die zerstört werden müsse.

          Caesar Augustus prägte auch unsere Sprache. Aus dem Eigennamen Caesar wurden später die Titel „Kaiser“ und „Zar“; und weil jener Augustus im sechsten römischen Monat (14 nach Christus) starb, heißt bis heute dieser Monat August. „Aber schauen Sie sich an, wie unwürdig mit all dieser Bedeutung umgegangen wird“, sagt Elisabetta Carnabuci, die Archäologin, die die Arbeiten zur Rekonstruktion des Platzes im Herzen der römischen Altstadt auf dem Campo Marzio beaufsichtigt.

          „Nichts hält diesen Platz zusammen. Die beiden Kirchen am Rand wenden ihre Eingänge anderen Richtungen zu. Das Leben in den aus faschistischer Zeit stammenden Wohnhäusern, die Cafés und Restaurants verstecken sich hinter Galerien, während auf dem offenen Platz Busse und Taxis Krach machen. Nichts als ein großer Parkplatz. In der Mitte steht ein hoher Zaun, und das, was man dahinter vom Grabmal erkennen könnte, wird von dunklen Zypressen verdeckt.“

          Das Mausoleum wurde den Möwen überlassen

          Zumindest das Rom des 20. Jahrhunderts ging schlecht um mit dem kaiserlichen Erbe. „Duce“ Mussolini ließ zwar Archäologen graben, hoffte er doch auf bedeutende Funde. Doch im Endergebnis riss er nur die alten Gebäude des reich besiedelten Platzes mit dem Mausoleum ab; und damit auch das „Auditorium des Augustus“, das auf der Grabrotunde errichtet und 1907 von der Stadt gekauft worden war. Dabei hatte es sich um einen Konzertsaal mit bester Akustik gehandelt, in dem Arturo Toscanini Wagner dirigiert hatte. „Ich überlasse den Spitzhacken das Wort“, soll der „Duce“ 1934 gesagt haben – mit der Vorhersage, dass man zunächst wieder die Statue des Augustus auf das neu errichtete Grabmal errichten, dann aber durch eine Statue von ihm selbst ersetzen würde.

          Auch die Spanische Treppe in Rom ist mit Geldern eines Mäzens saniert worden.
          Auch die Spanische Treppe in Rom ist mit Geldern eines Mäzens saniert worden. : Bild: dpa

          Stattdessen kam der Krieg. Der „Duce“ fiel, die Spitzhacken wurden wieder eingesammelt und das entblößte Mausoleum den Möwen, Tauben und Katzen überlassen. Die drei konzentrischen Gänge hin zur Cella, in der womöglich einst der Kaiser bestattet worden war, sind verschwunden. Ein paar römische Marmorrelikte finden sich zwar, ein paar Quader, die die Urnen aufnahmen. Neulich fanden die Archäologen sogar eine Marmorbüste. Das Gesicht war wohl weiblich, aber für eine weitere Identifikation zu stark zerstört.

          Weitere Themen

          3000 Menschen bei Corona-Protesten in Dresden

          Corona-Liveblog : 3000 Menschen bei Corona-Protesten in Dresden

          Kurz kündigt für Österreich zweiten Lockdown an +++ Touristen müssen Hotels in Bayern verlassen +++ Schwere Ausschreitungen in Spanien +++ Johnson erwägt offenbar landesweiten Teil-Lockdown für Großbritannien +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Unbedrängt bis vor das Kölner Tor: Münchens Serge Gnabry hat es leicht.

          Fußball-Bundesliga : Der FC Bayern macht, was er will

          Auch ohne Starstürmer Robert Lewandowski ist der FC Bayern derzeit nicht aufzuhalten. In Köln gibt es die nächsten drei Punkte – auch weil dem Gegner teilweise haarsträubende Fehler unterlaufen.
          Biden-Unterstützerin bei einer Rally in der Kleinstadt Boca Raton, Florida

          Wählergruppe der Suburban Moms : Was Vorstadtmütter wirklich wollen

          Weiße Frauen der oberen Mittelschicht sind in Amerika eine umkämpfte Wählergruppe. Aber Donald Trumps Vorstellung einer Mutter aus der Vorstadt stammt aus den Fünfzigern – das könnte ihn diese wichtigen Stimmen kosten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.