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Die nachchristliche Generation : Der Glaube hat seine Relevanz verloren

Haben sich die Menschen einmal von der Kirche abgewendet, kehren sie in der Regel auch nicht mehr zu ihr zurück. Bild: Sébastien Thibault

Die Zahl der Kirchenaustritte ist so hoch wie nie, und daran ist nicht nur der Missbrauchsskandal schuld: Gott und die Kirche sind nicht mehr wichtig. Denn Werte hat die Jugend auch so.

          6 Min.

          Lukas ist Atheist. Zumindest sagt er: „Heute glaube ich wahrscheinlich an keinen Gott mehr.“ Aber früher, als Kind, war es anders. Denn der 31-Jährige ist so gläubig aufgewachsen, dass er die Menschen in seiner ehemaligen freikirch­lichen Gemeinde „fast schon fundamentalistisch“ nennt.

          Sarah Obertreis
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Vielleicht war es ein kurzer Gruß aus der Vergangenheit, der Lukas erreichte, als er seine Kirchenaustrittsbescheinigung entgegennahm: „Ich dachte plötzlich: Oh, jetzt komme ich in die Hölle.“ Aber sein schlechtes Gewissen verflog so schnell, dass Lukas heute darüber lachen kann. Er weiß nicht mehr genau, wann es anfing, aber mit jedem Jahr, das er älter wurde, verlor er ein Stück seiner Religiosität. 2018 ist er ausgetreten – seine Ar­beitskollegen hatten sich schon gewundert, dass jemand in ihrem Team überhaupt noch in der Kirche war. 2020 war er das letzte Mal bei einem Gottesdienst: Seine Schwester heiratete. Daran erinnern, was der Pfarrer gesagt hat, kann er sich kaum noch. Warum auch? Predigten hatten für ihn schon längst ihre Bedeutung verloren.

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