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Rechtliche Hilfe für Eltern : Nur nicht die Augen verschließen

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Ihr Sohn fragte sie plötzlich: „Mama, wann bist du tot?“ - Runge mit Sprössling in ihrer Kanzlei Bild: Matthias Lüdecke

Die Anwältin und Bloggerin Sandra Runge hilft verunsicherten Müttern und Vätern, wenn es um Gesetze und Bürokratie geht. Wer etwa hat das Sorgerecht, wenn Eltern etwas passiert?

          Mutterschutz, Sorgerecht, Elternzeit, Kindergeld - es ist ein ganzer Stapel an Papierkram, den Eltern mit der Geburt eines Kindes abzuarbeiten haben und der sie oft fast in die Verzweiflung treibt. Sind diese Hürden der Anfangszeit erst mal geschafft, wird es zwar etwas ruhiger, doch es bleiben noch genug rechtliche Fragen übrig. Ab wann ist mein Kind geschäftsfähig? Wann hafte ich dafür, wenn mein Kind etwas kaputtmacht? Wie viel Unterhalt steht Vater oder Mutter und dem Kind zu, wenn die Eltern sich trennen? Und wie sorge ich für den Fall vor, dass mir und meinem Partner etwas passiert?

          All diese Fragen überfordern viele Eltern und dürften mit ein Grund für den Erfolg von Sandra Runge sein. Die Rechtsanwältin ist Mutter von zwei Söhnen und schreibt seit einigen Jahren den Blog „smart-mama.de“. Es ist nicht einer der üblichen Mütter-Blogs, in denen es um Babys Schlaf, Erziehungsmethoden oder lustige Erlebnisse mit den Kindern geht. Runge teilt vielmehr ihre Fachkenntnisse zu rechtlichen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Familie. Auf ihrem Blog steht Runge als Ansprechpartnerin zur Verfügung, tauscht sich mit ihren Lesern aus und hilft, wenn das Budget klein und die Not groß ist, auch ehrenamtlich weiter.

          An einem regnerischen Vormittag steht sie in ihrem Berliner Büro und lächelt. Gemeinsam mit ihrem Mann und anderen Eltern hat Runge mit dem Projekt „Coworking Toddler“ einen Ort geschaffen, an dem sich das mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ohne schlechtes Gewissen umsetzen lässt. Die Eltern können hier konzentriert arbeiten, während ihre Kleinkinder nur eine Tür weiter von staatlich anerkannten Erziehern versorgt werden. Für eine Stillpause muss man nur kurz aufstehen und nach nebenan gehen. In einem Gemeinschaftsraum können Eltern und Kinder zusammen zu Mittag essen.

          „Das geht, wir müssen nur herausfinden, wie“

          Dass auch einer willensstarken Anwältin wie Runge die Mehrfachbelastung von Beruf und Familie einiges abverlangt, wird für einen Augenblick sichtbar, als wir uns in dem schön eingerichteten Besprechungsraum niederlassen. „Ich brauche erst mal einen starken Kaffee“, sagt Runge und seufzt. „Der Kleine ist in der letzten Zeit nachts wieder oft wach.“

          Dass Runge für die Verbesserung der Situation von Eltern leidenschaftlich kämpft, die über ihre eigene Situation hinausgeht, wird an ihrem Engagement für „Coworking Toddler“ deutlich. Der Genehmigungsprozess und die Immobiliensuche zogen sich hin. Runge und ihr Mann blieben trotzdem bei der Stange, auch als ihr erstes Kind eigentlich schon zu alt für das Projekt war, und kämpften sich durch Behördentermine und Genehmigungen, bis die Kita wirklich eröffnet werden konnte. „Das war schon eine harte Zeit, und wir waren oft am Verzweifeln. Einer im Team muss dann immer der Optimist sein, der sagt: Doch, das geht, wir müssen nur rausfinden, wie.“

          Ihr Engagement in Sachen Elternrechte verdankt Sandra Runge einem Schock, der ihren eigenen Lebenslauf erschütterte. Am ersten Tag nach dem Ende ihrer Elternzeit, als sie wieder mit der Arbeit in der Rechtsabteilung eines Unternehmens anfangen wollte, drückten ihr die Chefs ohne Vorwarnung die Kündigung in die Hand. Noch immer sind ihr Verletzung, Empörung und Wut anzumerken, wenn sie davon erzählt: „Ich hatte extra meine Mutter anreisen lassen, dass sie die Eingewöhnung in der Kita übernimmt, und dann stand ich zum Mittagessen wieder zu Hause und musste sagen: Mama, ich bin den Job los.“

          Zuerst Anwältin für Arbeitsrecht

          Als Anwältin für Arbeitsrecht war ihr leider auch sofort klar: Das ist rechtens. Unmittelbar mit dem Ende der Elternzeit erlischt der Sonderkündigungsschutz. Für „betriebliche Gründe“, die den Wegfall ihrer Stelle rechtfertigen, hatte der Arbeitgeber auch gesorgt. Mit Hilfe einer Klage erreichte sie zumindest, dass ihr eine Abfindung gezahlt wurde; ohne Job stand sie trotzdem da. „Letztlich war es wahrscheinlich besser so“, sagt sie heute. Alle ihre Projekte, wie „Coworking Toddler“ oder der Blog, wären ohne diesen Schock ja gar nicht passiert.

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