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Real Life Super Heroes : Platz da, Batman! So geht Superheld!

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„Life“: Der moderne Zorro, mit Hut, schwarzer Augenmaske, Weste und Krawatte wacht er über den Dächern der Stadt. Bild: Pierre-Elie de Pibrac

Sie verteilen Essen an Obdachlose und laufen Streife in ihren Nachbarschaften – in oft schrillen Kostümen und unerkannt, so wie ihre Vorbilder aus den Comics. Die „Real Life Super Heroes“ sehen sich als Weltverbesserer im echten Leben.

          Der kräftige Mann, der sich selbst „Crusader Prime“ nennt, steht auf einer windigen Avenue im Stadtzentrum von Chicago und überreicht einem Obdachlosen eine Plastiktüte. Darin sind eine kleine Flasche Wasser und Taschentücher, Cracker und weitere haltbare Lebensmittel.

          „Das ist keine hochwertige Nahrung“, sagt Prime, der zum kleinen schwarzen Schlapphut eine rote Maske mit schwarzem Kreuz und einen schwarzen Trenchcoat mit aufgebügeltem Kreuzritter-Emblem trägt. „Aber es hilft den Leuten, einen weiteren Tag zu überstehen.“ Schon geht er weiter, den nächsten Obdachlosen auf der anderen Straßenseite im Visier. Die nächste Plastiktüte schon in der Hand.

          Gewöhnungsbedürftige Namen und Kleidung tragen auch die Männer, die Prime auf seiner wohltätigen Mission begleiten: „Patch Work“, der sich für ein Kostüm aus Augenmaske, Jacket, Rüschenhemd und zerschlissenen Hosen entschieden hat; „The Wraith“, der eine grüne, skimaskenähnliche Spandex-Haube und einen beigen weiten Trenchcoat trägt; und „Empathy“, der aussieht wie ein weißer Ninja mit violett bemalter Maske. Dürfen wir vorstellen: „Real Life Super Heroes“ - Superhelden im echten Leben, so nennen sie sich.

          Gelebter Altruismus in engen Hosen

          Ob man schon sagen kann, die vier maskierten Kerls aus Chicago seien Teil einer Bewegung, ist noch ungewiss. Sicher ist, seit gut zehn Jahren tauchen vor allem in den Großstädten der Vereinigten Staaten, in New York, Atlanta, Miami und Cincinnati zum Beispiel, immer häufiger maskierte Gestalten auf, deren erklärtes Ziel es ist, die Welt ein klein wenig besser zu machen, ob sie nun Schlafsäcke und Rasierschaum an Bedürftige verteilen oder in ihrem Viertel Streife laufen, um mutmaßliche Verbrechen abzuschrecken. Es ist gelebter Altruismus, aber in engen Hosen.

          Zwar gab es vereinzelte Vorläufer des Phänomens in den siebziger und achtziger Jahren; zwar wurden auch in Australien, Finnland oder Italien, in Kanada oder Großbritannien hie und da kostümierte Aktivisten mit karitativem Ehrgeiz gesichtet. Schwerpunkt des Phänomens aber sind die Vereinigten Staaten der Ära nach dem 11. September.

          Hier, wo zivilgesellschaftliches Engagement ohnehin oft leisten muss, was in Deutschland selbstredend der Staat übernimmt, tummeln sich „Mr. Xtreme“, „Dark Guardian“ oder „Geist“ (ausweislich der Namen in der deutlichen Mehrheit offenbar Männer). Die Szene organisiert sich über das Internet; eine Sammelseite verzeichnet aktuell zwanzig Gruppen und 96 Kämpfer, davon neun „in training“.

          Aufmerksamkeit für die Obdachlosenhilfe

          Warum er sich verkleidet, um anderen zu helfen, fasst Crusader Prime, der „Hero“ aus Chicago, in einem Wort zusammen: „Aufmerksamkeit. Wenn jemand sieht, wie ich einem Obdachlosen an der Straßenecke einen Dollar gebe, ist das gleich wieder vergessen. Wenn jemand einen Typen mit einer bunten Maske auf dem Kopf sieht, der einem Obdachlosen hilft, dann erzählt man das wahrscheinlich noch Wochen später.“

          Die Gruppe aus Chicago trägt ihren Hauptzweck im Namen, sie bezeichnet sich selbst als das „Poverty Assistance Team of Chicago Heroes“, das Armenhilfe-Team der Helden von Chicago, kurz P.A.T.C.H. Die Gruppe ist klein und von wechselnder Besetzung. Zurzeit zählt sie gerade mal fünf Mitglieder. Und das, obwohl sie nicht so elitär ist wie die Helden-Teams in anderen amerikanischen Großstädten. In Chicago darf sich jeder anschließen, der Bedürftigen helfen will.

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