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Rauchender Mieter : Erkundung des Lüftverhaltens

  • -Aktualisiert am

Vielleicht der bekannteste Raucher nach Helmut Schmidt: Friedhelm Adolfs Bild: dpa

Friedhelm Adolfs steht wieder vor Gericht. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht für rechtens erklärt, dass dem starken Raucher nach 40 Jahren der Mietvertrag gekündigt wurde. Doch er ging in Berufung.

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          Friedhelm Adolfs steht vor Saal 120 des Düsseldorfer Landgerichts und lächelt professionell in die Fernsehkameras. Der 75 Jahre alte Rentner ist, wie sein Anwalt Martin Lauppe-Assmann einmal formulierte, der „zweitbekannteste Raucher nach Helmut Schmidt“. Das ist nur ein bisschen übertrieben, denn seit vergangenem Sommer wird Adolfs von manchen Sendern und Zeitungen in schöner Regelmäßigkeit als Opfer fanatischer Nichtraucher oder als Justizopfer präsentiert.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Ende Juli hatte das Amtsgericht Düsseldorf Adolfs’ Vermieterin recht gegeben: Die ältere Dame hatte den Mietvertrag mit Adolfs gekündigt – nach 40 Jahren. Der „Schutz der körperlichen Unversehrtheit“ der anderen Mieter habe Vorrang vor „der allgemeinen Handlungsfreiheit“ des rauchenden Rentners, urteilte das Gericht. Ein Boulevardblatt titelte: „Mieter gekündigt – nur weil er Raucher ist!“ Aber ganz so einfach war die Sache auch wieder nicht.

          Es ging ums das Lüftverhalten

          Das Amtsgericht hatte nämlich ausdrücklich bekräftigt, dass das Rauchen in den eigenen vier Wänden erlaubt ist. Zudem stritten Adolfs und seine Vermieterin gar nicht über diese Grundsatzfrage. Es ging vielmehr darum, ob Adolfs den Flur des Mietshauses mit Rauch verpestet hat, weil er seit dem Tod seiner Frau nicht mehr über die Fenster der Wohnung, sondern über den Hausflur lüftet. Diese Darstellung der Vermieterseite wertete das Amtsgericht als zwischen den Parteien unstreitig, weil Adolfs’ damalige Rechtsanwältin ein Missgeschick passiert war: Sie hatte es verpasst, der Klägerseite rechtzeitig zu widersprechen.

          Adolfs, für den Unterstützer mittlerweile im Internet Spenden sammelten, ging in Berufung. Und zunächst schienen seine Aussichten gut, doch in der Wohnung bleiben zu dürfen. Das Landgericht stellte in einer mündlichen Berufungsverhandlung im Januar fest, dass die Kündigung wohl aus formalen Gründen unwirksam sei. „Zwischen Abmahnung und Kündigung verging mehr als ein Jahr“, sagte der Vorsitzende Richter. Im März sollte ein Urteil fallen. Doch die Vermieterin ließ nicht locker und präsentierte einen neuen Zeugen. Das Gericht trat noch einmal in die Beweisaufnahme ein.

          „Ich rauche etwas weniger“

          Es geht nicht nur darum, ob Adolfs rechtskonform abgemahnt wurde, sondern auch darum, ob sich „Änderungen in seinem Lüftverhalten“ feststellen lassen, wie der Richter formuliert. Und deshalb sitzt am Donnerstag nun Manfred Bonn im Zeugenstand. Bonn ist ein stattlicher Herr von 71 Jahren mit einer etwas aus der Zeit gefallenen Fönfrisur. Seit mehr als 30 Jahren ist Bonn als Makler für Adolfs’ Vermieterin tätig. Mehrmals suchte Bonn im Auftrag der Vermieterin Adolfs auf, um ihn abzumahnen. „,Mensch, mach doch keinen Ärger’, habe ich ihm gesagt“, berichtet Bonn. Auch mit der Kündigung habe er gedroht.

          Bei einem Besuch in der Wohnung will Bonn fünf Aschenbecher mit ausgedrückten Kippen gesehen haben. Bei einem zweiten Besuch habe er die Situation unverändert vorgefunden. Adolfs sagt, er habe nur zwei und nicht fünf Aschenbecher. Und geändert habe er auch etwas. Das Fenster sei jetzt immer gekippt. „Und ich rauche etwas weniger.“ Bonn habe ihn mehrfach abgemahnt, das stimme. Von Kündigung aber sei nie die Rede gewesen.

          Nach einem kurzen Geplänkel der Anwälte der beiden Parteien legt das Gericht schließlich den 26. Juni als Verkündungstermin fest. Dann steht Adolfs wieder vor Saal 120 im Scheinwerferlicht. Adolfs wirkt jetzt doch ein bisschen müde: „Es ist gut, dass es endlich mal ein Ende gibt.“ Im Hintergrund rollt ein Raucher-Aktivist ein Transparent aus. „Freie Wahl für freie Bürger!“ heißt es darauf.

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