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Nach Rassismusvorwürfen : Xavier Naidoo muss DSDS-Jury verlassen

  • Aktualisiert am

Xavier Naidoo äußert sich zum viralen Video (Archivbild aus dem April 2019) Bild: dpa

In den sozialen Netzwerken geht ein Video von Xavier Naidoo um. Rechte Kanäle feiern das, andere kritisieren den Sänger wegen Rassismus. Nun hat der Sender RTL Konsequenzen gezogen.

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          Der Sänger Xavier Naidoo ist nicht mehr Jury-Mitglied in der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“. Das bestätigte ein Sprecher des Fernsehsenders am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

          Bevor der Sender die Entscheidung bekanntgab, hatte der Sänger die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. Er reagierte damit auf eine Debatte um ein Video. Naidoo schrieb am Mittwoch bei Facebook, seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Zu den Hintergründen und der Entstehung des Videos äußerte er sich aber nicht, nur dass es sich bei dem Kurz-Clip um „eine Aufnahme mit Texten aus dem Jahr 2018“ handle.

          Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm völlig fremd, auch wenn er sich zuweilen emotional künstlerisch äußere, hieß es über Naidoo in einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite vom Mittwoch. „Ich setze mich seit Jahren aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein. Liebe und Respekt sind der einzige Weg für ein gesellschaftliches Miteinander“, wurde der Sänger dort zitiert.

          Der Fernsehsender RTL hatte Naidoo am Mittwochmorgen aufgefordert, sich zu einem viralen Video zu erklären. In dem Posting, das RTL am Mittwoch über Twitter verbreitete, heißt es: „1. Wir distanzieren uns von jeglicher Form von Rassismus 2. Auch wir sind irritiert von dem aufgetauchten Video 3. Wir erwarten klare Antworten von Xavier #Naidoo“.

          Das Video sorgte für großes Aufsehen. Xavier Naidoo war darin mit großer Sonnenbrille, Cappy und orangefarbenem Hoodie zusehen. Er sang eine Strophe, in der er unter anderem Flüchtlinge als „Wölfe“ bezeichnete. In dem fraglichen Videoausschnitt heißt es unter anderem: „Ich hab’ fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt, dann muss ich harte Worte wählen. Denn keiner darf meine Leute quälen.“ In den Kommentarspalten warfen zahlreiche Nutzer Naidoo Rassismus vor und erinnerten daran, dass Naidoo in den vergangenen Jahren immer wieder durch verschwörungstheoretische Aussagen auffiel. Diese Aussagen wiederholen sich auch unter dem Facebook-Post.

          Wer das Video wann ins Netz stellte, ist unklar. Über Youtube verbreiteten es vor allem Kanäle, die sich selbst als „Patrioten“ bezeichnen oder in der Vergangenheit bereits rechte Inhalte teilten. Eine Bitte um Stellungnahme gegenüber der F.A.Z. ließ das Management von Xavier Naidoo am Mittwoch zunächst unbeantwortet.

          In seiner Stellungnahme schrieb Naidoo: „Auch meine Familie kam als Gast nach Deutschland und hat sich natürlich an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten.“ Diese Selbstverständlichkeit solle für alle gelten – auch, wenn nur ein sehr kleiner Teil dies missverstanden habe. Was oder wen genau er damit meint, präzisierte der Sänger nicht, sondern schrieb weiter: „Aber gerade dieser kleine Teil belastet alle anderen, die hierdurch in „Sippenhaft“ genommen und durch eine erschreckende Zunahme an Gewaltakten in Gefahr gebracht werden.“

          RTL genügte diese Erklärung offenkundig nicht: „Er bleibt dem Sender viele Antworten schuldig, zudem sind weitere Videos aufgetaucht, die in eine ähnliche Richtung gehen“, hieß es in einer Stellungnahme des Senders. „Wir sind Verfechter der Meinungsfreiheit. Dazu gehört aber auch, dass wir jede Form von Rassismus und Extremismus entschieden ablehnen“, wurde Geschäftsführer Jörg Graf zitiert. Die aufgetauchten Videos hätten RTL „massiv irritiert“. Naidoo saß bis jetzt mit Dieter Bohlen in der Jury der aktuellen DSDS-Staffel. An diesem Samstag geht die Show in die Live-Phase – ohne den Sänger aus Mannheim.

          Der Sänger stand schon in der Vergangenheit mehrfach wegen Äußerungen in der Kritik. Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach er in Berlin bei einer Demonstration sogenannter Reichsbürger, die die staatliche Ordnung in Deutschland ablehnen. Naidoo betonte später, dass er mit den Reichsbürgern nichts zu tun habe.

          Im Jahr darauf nominierte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) den Sänger für den Eurovision Song Contest (ESC). Nach heftiger Kritik zog der Sender die Entscheidung zurück. Naidoo hatte sich gegen die Kritik gewehrt: „Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander“, wurde er damals vom NDR zitiert.

          Im Lied „Marionetten“ der Söhne Mannheims (2017), das Naidoo geschrieben hatte, werden unter anderem Volksvertreter als „Volks-in-die-Fresse-Treter“ bezeichnet. Ihm wurde vorgeworfen, rechtspopulistische Töne anzuschlagen. Naidoo rechtfertigte den Text als „zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen“.

          Im selben Jahr untersagte ein Gericht es einer Referentin einer Stiftung gegen Rechtsextremismus, den Sänger als Antisemiten zu bezeichnen. 2019 bestätigte das Oberlandesgericht Nürnberg das Urteil. Die Frau habe sich nur auf Liedtexte Naidoos bezogen und keine Fakten für diesen Eindruck vorlegen können. Der Sänger habe immer wieder zu Vorwürfen geäußert, dass seine Texte falsch interpretiert würden.

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