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Rasputins Erbin : Die Wunderheilerin des Kremls ist gestorben

Die sowjetische Wunderheilerin Dschuna im Jahr 1989 Bild: Picture-Alliance

Sie legte nicht nur bei den Mächtigen in Russland die Hand auf: Dschuna, Wunderheilerin und Weissagerin, ist gestorben. Ihrem wichtigsten Patienten konnte sie nicht helfen.

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          Zu Dschunas Kunden sollen Leonid Breschnew, Eduard Schewardnadse und Boris Jelzin gehört haben. Ebenso der amerikanische Schauspieler Robert de Niro und der italienische Regisseur Federico Fellini. Sollen, denn um Dschunas Wirken ranken sich Mythen und Legenden. Wie es sich gehört für eine Wunderheilerin. Ihre größte Zeit hatte Dschuna, die am Montag im Alter von 65 Jahren in Moskau gestorben ist, als es mit der Sowjetunion zu Ende ging. Man hat die Frau, die eigentlich Jewgenija Dawitaschwili hieß, auch mit Rasputin verglichen, auf den die Familie des letzten Zaren baute.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          In Wendezeiten haben Wunderheiler Konjunktur. Und Dschuna war eine der größten unter ihnen. Sie wurde 1949 geboren, als Tochter eines Iraners und einer Kosakin im südrussischen Gebiet Krasnodar. Angeblich war schon ihre Urgroßmutter Heilerin. Dschuna ließ sich zur Krankenschwester ausbilden, um auch die Schulmedizin zu beherrschen. In Tiflis heiratete sie. Angeblich glaubte sie weniger an die Liebe zwischen Mann und Frau als an die Kraft der Energiefelder, die Heilung durch Handauflegen. 1980 zog sie mit ihrem kleinen Sohn nach Moskau, angeblich, um einen ranghohen Funktionär zu heilen. Nach einer anderen Version brachte sie der Geheimdienst zu Breschnew. Sie soll auch geweissagt haben, für 1986 etwa den Untergang eines Schiffes im Schwarzen Meer und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, für 1991 den Putsch und das Ende der Sowjetunion.

          In Moskau soll Dschuna nach der Trennung von ihrem Mann wieder geheiratet haben, den russischen Komponisten Igor Matwijenko. Er sagte nun, die Ehe habe einen Monat gehalten. Ende der achtziger Jahre sei das gewesen. Ständig seien damals die Limousinen der Staats- und Parteiführung bei Dschuna vorgefahren. Auch Künstler seien vorbeigekommen.

          Man habe Dschunas Diskretion sehr geschätzt. Nach dem Ende der Sowjetunion gründete Dschuna eine Akademie für Alternative Wissenschaften. Man sah sie häufig im Fernsehen, bis zum Tod ihres Sohnes nach einem Autounfall im Jahr 2001. Angeblich versuchte sie damals, den Schwerverletzten selbst zu heilen. Vergebens. Ein Bekannter schrieb nun, Dschuna sei eigentlich schon damals gestorben.

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