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Sido im Gespräch : „Denk dran, Junge, du bist auf Bewährung!“

  • -Aktualisiert am

Richtig nervig. Frag nicht, was ich für ein Auto vor der Tür habe und das nicht fahren darf.

Was für eins?

Sage ich nicht. Aber wenn ich morgens aufwache und mal Zeit habe, kommt mir nicht in meinen Kopf: Mach mal den Führerschein. Das fällt mir immer nur ein, wenn andere mich darauf aufmerksam machen. Klar, mit 18 hat man den Gedanken an den Führerschein, aber damals hatte ich keine Kohle.

Angeblich hatten Sie manchmal auch nichts zu essen.

Als Kind im Osten ging’s mir super, in dem Alter nimmt man die Unfreiheit noch nicht wahr. Dann ist meine Familie in den Westen geflüchtet, und dort war eben nicht mehr alles gleich. Wir haben im Asylantenheim gelebt. Du hast ’ne komische Jogginghose an, und andere Leute tragen einen schönen Mantel. Als ich siebzehn war, hat meine Mutter ihren ersten Job verloren. Wir mussten in eine kleinere Wohnung ziehen, und dann habe ich gesagt: Okay, mach du mit meiner Schwester weiter, ich ziehe aus. Und ab dem Zeitpunkt hatte ich keine Kohle, manchmal nichts zu essen und habe dann Dinger gedreht.

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Wären Sie ohne Hip-Hop dauerhaft im kriminellen Milieu gelandet?

Könnte gut sein. Meine ersten Tracks habe ich jedenfalls nur gemacht, um Startkapital für eine kriminelle Karriere zu haben.

Sie haben damals Handys in der U-Bahn geklaut, um Ihre Drogensucht zu finanzieren. Als Rapper sind solche Anekdoten Balsam fürs Image.

Nee. Es tut der Sache bestimmt keinen Abbruch, ist aber trotzdem doof.

Bringt aber Street Credibility.

Auf die habe ich schon immer geschissen. Wenn mir die wichtig gewesen wäre, hätte ich nie Songs fürs Radio machen oder im Wok die Bobbahn runterfahren dürfen. Aber ich mache einfach, worauf ich Bock habe; schon immer.

So auch im Juni, als auf Ihrem Twitter-Account zu lesen war, dass Sie keine Lust haben, Ihr Profilbild mit Regenbogenfarben zu hinterlegen – eine beliebte Geste, um Solidarität mit Homosexuellen zu demonstrieren. Wie erleben Sie die Diskussion über das Thema?

Viel zu aufgebauscht. Da mischen sich auch Leute ein, die damit überhaupt nichts zu tun haben. Facebook gibt sowieso zu vielen Menschen ein Recht, unbedacht Dinge zu sagen. Das ist ein Problem.

Mit unbedachten Äußerungen haben Sie Erfahrung. Es gibt einige Prominente, die Sie beleidigt haben. Fortsetzung folgt?

Ich fühle mich gerade gar nicht danach, kann aber nicht ausschließen, dass ich mal wieder jemanden öffentlich beleidige. Wenn ich jemanden beleidigt habe, hatte das aber immer einen Auslöser und war nie grundlos.

Einmal traf es den Rockstar Marilyn Manson, mit dem Sie in einer Castingshow aneinandergeraten sind.

Ich glaube, der wurde instruiert, was gegen mich zu sagen. Wahrscheinlich haben die dem gesagt: Sido ist der Typ, der immer alle auseinandernimmt in der Sendung: Biete dem mal bisschen Paroli. Danach habe ich mich normal mit Manson unterhalten: cooler, normaler Mensch.

Einem bekannten Moderator haben Sie im österreichischen Fernsehen einen Schlag verpasst – vor laufender Kamera. Die Reaktionen darauf waren erstaunlich.

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