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Roberto Blanco wird 80 : ¡Feliz cumpleaños, mi amigo Roberto!

  • -Aktualisiert am

Eine Schlagerlegende wird 80: Roberto Blanco Bild: dpa

Unterhaltungskünstler, Schauspieler und vor allem Schlagerstar: Der deutsche Entertainer Roberto Blanco wird 80. Sein Freund und Kollege Ralph Siegel schaut zurück auf Blancos bewegtes Leben. Ein Gastbeitrag.

          Wenn ich Revue passieren lasse, wie ich Roberto kennenlernte und was dieser junge Künstler damals schon für einen Eindruck auf mich machte, dann befinde ich mich im Jahr 1969 bei den „Deutschen Schlagerfestspielen“ in Baden-Baden. Damals belegte er mit dem von Jack White produzierten Titel „Heute so, morgen so“ mal ganz nebenbei bravourös den ersten Platz. Das war eigentlich der Durchbruch in seiner Gesangskarriere, obwohl er ja schon einige Jahre in Deutschland erfolgreich aktiv war.

          Der Gastautor: Ralph Siegel, Musiker, Schlagerkomponist und Musikproduzent, arbeitet seit Jahrzehnten mit Roberto Blanco zusammen.

          Als Sohn eines kubanischen Varieté-Künstlers sowie einer kubanischen Tänzerin und Sängerin kam er in Tunis auf die Welt. In Beirut und Madrid wuchs er auf. In Madrid begann er auch, Medizin zu studieren. Es zog ihn aber doch mehr ins Showbusiness als an Tupfer und Skalpell, und so kam er schon 1956 nach Deutschland. Die deutschen Nachkriegs-Filmemacher nahmen ihn sofort in ihre Arme. Schon ein Jahr später spielte er seine erste Rolle in „Der Stern von Afrika“, in den sechziger Jahren in „Bühne frei für Marika“, „Alle Menschen werden Brüder“ und „Drei Männer im Schnee“.

          Die einmalige Josephine Baker entdeckte ihn, und der Karriere stand nichts mehr im Wege. Es war eine Schlagerkarriere wie aus dem Bilderbuch. 1971 sang er die deutsche Version des Welthits „Amarillo“ („Ich komm zurück nach Amarillo“), und es ging weiter.

          Wir verstanden uns auf Anhieb

          Wir trafen uns irgendwann im Frühjahr 1972 im „Trader Vic’s“ im Bayerischen Hof in München. Seine Plattenfirma meinte, ich sollte doch ein paar Titel mit ihm produzieren. Wir verstanden uns auf Anhieb. „Der Puppenspieler von Mexiko“, ein Titel, bei dem ich noch den deutschen Text schrieb, war Resultat dieser beginnenden Zusammenarbeit und Freundschaft. Es war ein Super-Hit, der einen Nachfolger brauchte. Ich fragte meinen Freund Christian Bruhn, ob er als Komponist und Günter Loose als Textdichter nicht eine Idee hätten. Ja, hatten sie. Und ich produzierte mit meinem neuen Amigo „Ein bisschen Spaß muss sein“. Volltreffer!

          Wie schön kann es sein, wenn der Erfolg so richtig ungeahnte Auswirkungen hat. Wir haben noch viele Produktionen gemeinsam gemacht: „Wer trinkt schon gern den Wein allein“, „Der Clap Clap Song“, auch einige Grand-Prix-Versuche. Aber „Ein bisschen spar’n muss sein“ (wie das Lied später in der Sixt-Werbung hieß) wurde der Song seines Lebens. Roberto avancierte zum Super-Entertainer und gab erfolgreiche Konzerte auf unzähligen Veranstaltungen. Er überzeugte nicht nur die Schlagerwelt, sondern mit seinen hinreißenden Auftritten auch viele Jazz- und Pop-Fans. Seine kubanischen Songs waren genauso mitreißend wie alles, was er anfing. Die Showbranche liebte ihn, das deutsche Fernsehen erst recht.

          Die „Roberto Blanco Show“ im Dezember 1976 hatte eine Einschaltquote von 49 Prozent. Roberto übertraf alle Erwartungen. Es folgten „Noten für zwei“, „Ein Abend mit Roberto“, „Musik ist meine Welt“ und unzählige Fernsehauftritte, bis hin zur eigenen „Jubiläumssendung“. Er trat auf in Musicals und weiteren Filmen und bediente sein großes Publikum sogar mit Rapper-Duetten und Hip-Hop.

          Roberto Blanco bei einem Fernseh-Autritt im Jahr 1976

          Seine große Liebe war aber immer die südamerikanische Musik und natürlich Kuba, wo er sogar in der weltberühmten „Tropicana-Revue“ in Havanna einen eigenen Showblock bekam.

          Roberto, der Entertainer, und Roberto, der Amigo, also der Freund und Helfer – das sind zwar zwei ganz verschiedene Rollen, er füllt sie aber beide wunderbar aus. Er engagiert sich für Obdachlose und Kinder, unterstützt Projekte wie „World Vision Deutschland“ oder „Ärzte ohne Grenzen“.

          Familienmensch Blanco

          Sein Familienleben war mehr als ausgefüllt. Die mehr als vierzigjährige Ehe mit Mireille, die drei Kinder hervorbrachte, sagt viel darüber aus. Er kümmerte sich rührend um seine Frau und die Kleinen und liebt sie bis zum heutigen Tag. Seine Tochter Patricia sang sogar bei meinem Schallplattenlabel, und er tat für sie alles, was nur möglich ist.

          Aber manchmal mischt das Schicksal die Karten, und wenn sich Probleme ergeben, dann ist die Welt nicht immer gerecht. So mussten auch Roberto und seine Familie einiges verkraften. Aber sie fanden doch am Ende immer eine Lösung, die für alle Beteiligten in Ordnung gehen sollte.

          Roberto Blanco mit seiner Frau Luzandra Strassburg bei der Verleihung der Goldenen Kamera im März 2017

          Roberto war all die Jahre, die wir uns kennen, wohl einer der fleißigsten und engagiertesten Menschen, die ich in diesem Beruf erlebt habe. Immer ein Lächeln auf den Lippen, immer am Ball, auch beim Tennis oder beim Fußball, und auch immer bereit, sich für Freunde einzusetzen. Kein Weg war ihm zu weit und selten eine Nacht zu lang.

          Amigo aus vollem Herzen

          Er sang und singt noch heute grandios. Wenn es sein muss, zerreißt er noch immer sein Hemd auf der Bühne. Er war immer elegant und charmant, und man konnte auf ihn zählen, wenn es mal brannte. Eben Amigo, und das aus vollem Herzen. Seine bezaubernde Frau Luzandra gibt ihm seit Jahren immer wieder die Liebe und die Kraft, weiterzumachen. Roberto wird singen, tanzen und den Menschen Freude bereiten, so lange er lebt. Hoffentlich noch lange! Heute wird er ja auch erst 80 Jahre alt.

          ¡Feliz cumpleaños, amigo! Alles Gute zum Geburtstag, mein Freund!

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