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Putins Scheidung : Jetzt ist er nur noch mit Russland verheiratet

Gehen nun getrennte Wege: Wladimir und Ljudmila Putin im April 2011 Bild: AP

Der Präsident wird menschlich: Wladimir und Ljudmila Putin bekommen für die Entscheidung, sich scheiden zu lassen, vor allem Lob. Eine neue Frau an Putins Seite gibt es nicht - zumindest offiziell.

          Hat es politische Folgen, dass sich der russische Präsident Wladimir Putin von seiner Frau Ljudmila scheiden lässt? In russischen Medien wird am Tag nach der überraschenden Nachricht viel spekuliert. Dabei zeichnet sich indes unter den befragten Soziologen, Politikwissenschaftlern und Prominenten eine klare Mehrheit ab: Wenn die Scheidung sich auf Putins Ansehen in der Bevölkerung auswirkt, dann vermutlich eher positiv - nicht, weil die Russen Scheidungen gut fänden, sondern weil der Präsident dadurch menschlicher geworden sei.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          So sagte die bekannte Soziologin Olga Kryschtanowskaja, die vergangenes Jahr aus Unmut über den Kurs Putins die Kreml-Partei Einiges Russland verlassen hat, der Präsident habe die Möglichkeit gehabt, die Umstände seines Familienlebens vor den Russen weiter zu verbergen, „aber er hat es vorgezogen zu zeigen, dass er auch ein Mensch ist, dem Misserfolge widerfahren“. In vielen Kommentaren wurde hervorgehoben, wie schwierig es für die beiden bisherigen Eheleute gewesen sein müsse, ihre Trennung vor laufender Kamera zu verkünden, manche wollten im Auftritt des Präsidenten gar eine ungewohnte Unsicherheit erkannt haben.

          Eine neue Frau an Putins Seite gibt es zumindest offiziell nicht. Putins Sprecher Dmitrij Peskow sagte, jeder könne sehen, wie dicht der Terminkalender mit Besprechungen, Reisen und Auftritten gespickt sei - da bleibe keine Zeit für das Privatleben. Offenbar versucht Peskow nun, das Scheitern der Ehe Putins so darzustellen, als habe der Präsident sein persönliches Glück der Arbeit für Russland geopfert.

          Der Politikwissenschaftler Wladimir Slatinow formulierte es so: Es solle das Bild eines Präsidenten entstehen, der mit dem Land verheiratet ist. In dieser Hinsicht bekamen die Putins sogar Unterstützung von der Russischen Orthodoxen Kirche, die Scheidungen eigentlich ablehnt: Einer ihrer Funktionäre rief die Russen dazu auf, für das Seelenheil der Eheleute zu beten und „antirussischen Kräften nicht die Möglichkeit zu geben, Schadenfreude zu zeigen und den Richter zu spielen“.

          Wladimir und Ljudmila Putin hatten ihre Trennung am Donnerstagabend während der Pause einer gemeinsam besuchten Ballettaufführung in einem Kurzinterview mit dem staatlichen Fernsehsender „Rossija 24“ bekannt gegeben. Beide lobten darin erst ausführlich die Leistung der Tänzer, bevor sie auf die vorgetragene Frage nach Trennungsgerüchten antworteten, dass sie nun tatsächlich getrennte Wegen gingen. Dabei betonten beide, es sei eine gemeinsame Entscheidung gewesen.

          Putin sagte zu den Gründen: „Meine ganze Tätigkeit ist mit vollkommener Öffentlichkeit verbunden. Aber es gibt Menschen, mit deren Charakter das nicht vereinbar ist.“ Seine Frau pflichtete ihm bei, sie liebe die Öffentlichkeit tatsächlich nicht, außerdem fliege sie ungern - was eigenartig klingt, da sie vor der Heirat mit dem KGB-Agenten Wladimir Putin als Stewardess bei der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot arbeitete.

          Putin, der Outdoor-Allrounder: 2009 schwamm der damalige Ministerpräsident wie der Blitz durch einen See in Sibirien. Bilderstrecke

          Es habe sich so ergeben, „dass jeder sein Leben hat“, sagte sie. Auch die Kinder seien erwachsen und lebten ihr eigenes Leben. Die Putins, die am 28. Juli ihren dreißigsten Hochzeitstag gefeiert hätten, haben zwei Töchter, die 1985 und 1986 geboren wurden. Putin ergänzte, beiden hätten ihre Ausbildung in Russland bekommen und lebten auch dort - eine Aussage, die angesichts der Debatte über die Auslandsbesitztümer der russischen Elite, die ihre Kinder gerne in britische und amerikanische Internate und Universitäten schickt, eine politische Botschaft enthält.

          Überraschend war indes nur die Bekanntgabe der Trennung - Gerüchte, dass die Ehe nur noch auf dem Papier bestehe, gab es schon seit vielen Jahren. Gemeinsame Auftritte waren so selten geworden, dass es aufmerksam vermerkt wurde, dass Ljudmila Putina bei der Amtseinführung ihres Mannes in das Präsidentenamt vor einem Jahr anwesend war. Als 2008 eine Boulevardzeitung berichtete, Putin habe eine Affäre mit der Turn-Olympiasiegerin Alina Kabajewa, reagierte Putin verärgert über Menschen die ihre „Rotznasen“ in das Privatleben anderer Menschen steckten. Die Zeitung stellte daraufhin umgehend das Erscheinen ein.

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