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Hochstapler-Phänomen : „Viele denken, sie seien nicht gut genug“

Betroffene fühlen sich als intellektuelle Hochstapler, die fürchten, jeden Moment aufzufliegen. (Symbolbild) Bild: dpa

Wer unter dem Hochstapler-Phänomen leidet, führt Erfolge in Beruf oder Studium nur auf Glück oder Zufall zurück. Der Psychologe Kay Brauer spricht im Interview über Ursachen und Folgen.

          5 Min.

          Herr Brauer, es ist normal, dass Menschen sich selbst und ihre Fähigkeiten hinter­fragen. Wann überschreiten sie das gesunde Maß an Selbstzweifeln?

          Franziska Pröll
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Diese Frage geht damit einher, wie wir das Hochstapler-Phänomen verstehen. In Artikeln liest man oft, eine Person sei betroffen oder eben nicht. Das ist nicht ganz richtig. Das Hochstapler-Phänomen ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das auf einem Kontinuum stattfindet. Bei einer Person ist es gering ausgeprägt, bei einer anderen stark. Doch wir alle werden die Ängste und Zweifel irgendwann im Leben erfahren. Schwierig wird es, wenn sich jemand andauernd und in jeder Situation so fühlt. Ab wann das der Fall ist, lässt sich jedoch nicht genau bestimmen. Wir können nicht sagen, bei Punktzahl X im Fragebogen fühlt sich jemand konstant beeinträchtigt. Denn das Hochstapler-Phänomen ist keine psychische Störung, deren Diagnose klaren Kriterien unterliegt.

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