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Prozess um Spanische Königstochter : Ich heiße Cristina und weiß von nichts

  • -Aktualisiert am

Kein Kommentar, nur ein Lächeln: die Infantin bei der Ankunft. Bild: AP

Die spanische Königstochter Cristina ist zur Vernehmung vor dem Gericht in Palma erschienen. Von den zwielichtigen Geschäften ihres Mannes will sie nicht viel gewusst haben, sie „vertraute ihm“.

          Der Tag X für die spanische Monarchie zog sich in die Länge. Kurz vor zehn Uhr war die Herzogin von Palma zu dem Gericht in Palma gekommen. Drei Stunden später nach intensiver Vernehmung durch den Ermittlungsrichter Jose Castro sickerte in einer Pause durch, dass Cristina von Bourbon ihm, dem Staatsanwalt und den Verteidigern von Nebenklägern „ausweichend“ geantwortet habe. Auf hundert Fragen, die am Nachmittag noch weitergingen, habe sie am häufigsten „Ich weiß nicht“ oder „Ich erinnere mich nicht“ erwidert. Der wichtigste Zusatz habe gelautet: „Ich vertraute meinem Mann.“

          Die jüngste Tochter des spanischen Königs Juan Carlos, dezent in blauer Samtjacke und weißer Bluse, war bei der Ankunft mit einem Lächeln und einem freundlichen „Buenos dias“ für die in sicherem Abstand postierten Journalisten direkt vor der Tür des Gerichtsgebäudes aus dem Auto gestiegen. Kein Kommentar, kein Gewinke. Auch die Infantin musste, begleitet von einem ihrer Anwälte, durch die Sicherheitskontrolle. Demonstranten, deren nicht eben schmeichelhafte Rufe bis in die Gasse gelangten, waren von Polizei und Absperrungen noch auf weitere Distanz gehalten.

          „Sie ist ganz ruhig“, hatte der Anwalt noch vor der Aussage der 48 Jahre alten Cristina versichert. Die Strategie der Verteidigung war klar vorgezeichnet: eine „verliebte“ Ehefrau würde dem Untersuchungsrichter in einfachen Worten schildern, dass sie ihrem Mann Inaki Urdangarin in allen geschäftlichen Dingen voll vertraut und von all den merkwürdigen Einzelheiten auch jener Firma, an der sie zur Hälfte beteiligt war, nicht viel gewusst habe. Nun wird es von der Beweislage und der Glaubwürdigkeit der bislang erst „Verdächtigen“ abhängen, ob Richter Castro den nächsten Schritt wagen und eine formelle Anklage wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche erheben wird.

          Das wäre ein neues Alarmsignal für die Monarchie und den Monarchen. Daneben laufen die Ermittlungen gegen Urdangarin, der seine Frau im Sinne deren Verteidiger schützen will, weiter. Er dürfte einer Anklage wegen Korruption und Missbrauchs öffentlicher Gelder kaum noch entgehen. Deshalb hat ihn das Königshaus schon vor einer guten Weile zusammen mit der Infantin von allen offiziellen Funktionen ausgeschlossen. Es darf sich nicht einmal mehr Herzog von Palma nennen. Und in der malloquinischen Hauptstadt wurden auch die nach dem Paar benannten Straßenschilder bereits indigniert abgehängt.

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