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Prozess um spanische Königstochter : Die liebende Frau unterschrieb alles

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Souveräner Auftritt nach Plan: Die spanische Infantin Cristina verlässt das Gericht in Palma und lächelt für die Fotografen Bild: Getty Images

Bei dem Prozess um die spanische Königstochter geht es für viele Spanier auch um die Zukunft der Monarchie. Am ersten Gerichtstag hält sich Cristina von Bourbon strikt an die Regie der Anwälte.

          Wenn die Königstochter nicht dem Untersuchungsrichter oder dem Staatsanwalt in die Augen blickte, schaute sie auf ihren Vater – fast sieben Stunden lang. So lange dauerte der erste Gerichtstag von Cristina von Bourbon. Und natürlich hing im Saal über dem Schreibtisch von Richter José Castro ein Porträt des Königs und Staatsoberhauptes Juan Carlos.

          Bei der denkwürdigen Premiere von Palma de Mallorca, als zum ersten Mal überhaupt ein Mitglied der Königsfamilie vor den Richter bestellt wurde, ging es nur im engeren Sinn um die schillernden Geschäfte des der Korruption beschuldigten Ehemanns der Infantin Iñaki Urdangarin und die Frage, inwieweit auch sie daran beteiligt war. Aus der Sicht vieler Spanier ging es darüber hinaus auch um die Zukunft einer Institution, deren Ruf aus vielen Gründen ramponiert ist, vor allem wegen des Verdachts des Missbrauchs öffentlicher Mittel, des Steuerbetrugs und der Geldwäsche durch die beiden Herzöge von Palma. Der ehemalige Handballprofi Urdangarin ist hier der große Fisch.

          Er soll mit einem Sozius für eine ganz und gar nicht „gemeinnützige“ Stiftung namens Noos mit wenig Leistung und aufgeblasenen Rechnungen für Sport-Werbeveranstaltungen von den Regierungen der Balearen und der Region Valencia rund sechs Millionen Euro ergaunert und in die eigene Tasche gesteckt haben. Von den sechs Millionen soll er mindestens eine in eine zweite Firma namens Aizoon umgeleitet haben, die jeweils zur Hälfte ihm und seiner Frau gehört. Cristina, so weisen es die Belege aus, soll mit einer Kreditkarte von Aizoon alles mögliche bezahlt haben: Blumen, Bücher, Restaurantrechnungen, Möbel für ihren „palacete“, ein Luxusapartment in Barcelona, und sogar einen Salsa-Tanzkurs. Wusste sie, was sie da tat?

          „Sehr gewissenhaft und korrekt“

          Das war eine von insgesamt 400 Fragen, die ihr am Samstag gestellt wurden. Und ihre Antwort lautete meist „Ich weiß es nicht“ oder „Ich erinnere mich nicht“. Gut vorbereitet, gelassen und in ruhigem Ton, so berichteten nach dem Marathon sogar die Anwälte zweier Kläger – eine rechtsradikale Organisation und eine kommunistisches Bürgerforum – sei sie keinen Schritt von der Strategie ihrer Verteidiger abgewichen. Diese bestand darin, sie als liebende Frau zu präsentieren, die ihrem Mann voll vertraut habe. Das reichte bis zur ihrer schlichten Feststellung, dass sie deshalb auch einfach „alles immer unterschrieben“ habe.

          Die Infantin versicherte, dass sie direkt weder mit den Aktivitäten der Noos-Stiftung noch mit der Verwaltung von Aizoon zu tun gehabt habe. Ja, sie habe nicht einmal gewusst, dass die Firma Aizoon ihren Sitz in ihrer eigenen Wohnung gehabt habe. Dass sie zum Kauf derselben einst nach der Hochzeit von ihrem Vater einen Kredit von 1,2 Millionen Euro erhalten habe, gab sie indes freimütig zu. Dieser werde von ihr auch schon langsam zurückbezahlt.

          Cristina, die ihren Mann als „sehr gewissenhaft und korrekt“ charakterisierte, gab auch zu, dass der König schon im Jahr 2006, als Noos zum ersten Mal ins Gerede gekommen war, aus „ästhetischen Gründen“ empfohlen habe, die Geschäfte einzustellen. Der Schwiegersohn tat das aber offenbar nicht gleich, sondern erst, als man es im Königshaus für angezeigt hielt, die Familie Urdangarin aus der Schusslinie zu nehmen, ihn mit einem lukrativen Posten der spanischen Telefongesellschaft zu versehen und alle für ein paar Jahre in das ferne Washington zu schicken.

          Erleichterung im Gesicht

          Doch die Mühlen der oft als parteiisch und politisch beeinflusst gescholtenen Mühlen der spanischen Justiz mahlten weiter. Vor allem der gleichermaßen unprätentiöse wie hartnäckige Ermittlungsrichter Castro – er kam auch am Samstag mit dem Moped zum Gericht – ließ nicht locker. Er sammelte und sichtete das Material, welches aus seiner Sicht Anlass auch für eine Überprüfung der Infantin war. Und als er sie vorlud, setzte er sich über den Widerstand der Staatsanwaltschaft und des Finanzministeriums hinweg, die in ihrem Fall kein Delikt zu erkennen vermochten. Nicht einmal die öffentliche Feststellung von Ministerpräsident Mariano Rajoy, wonach die Infantin seiner Meinung nach unschuldig ist, beeindruckte ihn. Dieser gefährliche Skeptiker muss nun entscheiden, wie es weiter geht. Noch ist die 48 Jahre alte Königstochter nur „verdächtig“. Der nächste Schritt wäre eine Anklage. Ob es dazu kommen wird, ist offen. Cristinas Anwälte zeigten sich nach der Vernehmung sehr angetan von ihrer Aussage. Sie habe, so sagten sie, alle Fragen offen, prägnant und erschöpfend beantwortet. Die Anwälte der etwas obskuren Kläger kritisierten sie hingegen als „ausweichend“ bis hin zum Gedächtnisverlust. Und der Richter, der ab und zu vergessen hatte, die Beschuldigte „Hoheit“ zu nennen, sagte erst einmal gar nichts.

          So standen auch die 300 akkreditierten Journalisten, die sich in der Gasse vor dem Gerichtsgebäude hinter festen Absperrungen drängten, ziemlich auf dem Trockenen, was echte Informationen anging. Die Infantin, die im Auto vorfahren durfte und nur wenige Schritte bis zur Tür hatte, lieferte lächelnd, aber kommentarlos ein paar Bilder. Und aus dem Hintergrund waren zwischendurch allerlei wenig schmeichelhafte Rufe von Demonstranten wider die Monarchie zu hören.

          Cristina, die bislang keine Anstalten macht, aus Imagegründen auf ihre Thronrechte zu verzichten – sie ist die Siebte auf der Liste der Nachfolger für den keineswegs abdankungswillig anmutenden König – verließ das Gericht mit einem Gesichtsausdruck der Erleichterung. Dann flog sie, die seit einigen Monaten im Dienst einer spanischen Sparkasse mit den Kindern in Genf lebt, von Palma nach Madrid, um die Nacht bei ihren Eltern im Zarzuela-Palast zu verbringen. Ob das Verhör dort weiterging?

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