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Prostitution : Die Freiheit der Freier, die Freiheit der Frauen

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In Frankreich demonstrieren Prostituierte für ihren Job, Freier bekennen sich öffentlich. In Deutschland wird ebenfalls debattiert – mit anderen Fronten. Bild: Denis ALLARD/REA/laif

In der Debatte um Prostitution gibt es wenige Fakten und viel Ideologie. In diesen Tagen prallen die Fronten aufeinander. Hat eine Seite mehr recht? Die schwierige Suche nach der Wahrheit.

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          Die Kapuze vom Parka tief im Gesicht, der Blick starr auf den Boden, Schultern hochgezogen. Wer den Mann sieht, erkennt gerade noch, dass er groß ist. Und schlank. Es könnte jeder sein. So sehr, wie sich der Mann vermummt, versucht das Haus aufzufallen. Rote Fenster, rote Leuchtstoffröhren, über der Tür steht „Eros-Club“, daneben blinken rote Pfeile die Kundschaft herein.

          Das Haus steht in Frankfurt, aber es könnte auch jede andere Stadt sein. Wer hier herauskommt, läuft im Stechschritt weg. Dass einer von ihnen auf einer Liste unterschreibt, deren Unterstützer bekennen, für Sex bezahlt zu haben, oder dass sie zumindest kein Problem damit hätten - schwer vorstellbar.

          In Frankreich haben Männer genau das gerade getan. „Touche pas à ma pute!“, Hände weg von meiner Hure, so heißt das Manifest für das Freiertum. Unterzeichnet von 343 Männern, veröffentlicht in der Zeitschrift „Causeur“. Die Namen sind prominent: Schriftsteller, Schauspieler, Journalisten.

          Feministinnenfront gegen Hurenverbände

          Auf einem deutschen Magazintitel prangt gleichzeitig „Wir fordern: Prostitution abschaffen“. Dazu ebenfalls prominente Gesichter: Maria Furtwängler, Senta Berger, Heiner Geißler, alles im Stil der berühmten Abtreibungsdebatte. Gestartet hat die Kampagne Alice Schwarzer in ihrem Feministinnenblatt „Emma“. Passend dazu gibt sie ein Buch über die Abgründe der Prostitution heraus.

          Zu beiden Kampagnen haben sich schon Gegenkampagnen formiert. Die Intellektuellen stürmen voran, beziehen Position, ob sie nun etwas zu sagen haben oder nicht. In Frankreich löste der Vorschlag einer Gesetzesänderung die Debatte aus, und auch in Deutschland liegt es nahe, dass die Politik beeinflusst werden soll. Die Zeit ist günstig, in den Koalitionsgesprächen wird gerade die Linie der nächsten vier Jahre verhandelt. Auch das Thema Prostitution steht auf der Agenda.

          Die Konfliktlinie verläuft zwischen der Feministinnenfront und der Liga der Hurenverbände. Beide streiten sich vor allem über die Frage, ob es Frauen nun erlaubt sein sollte, ihren Körper zu verkaufen. Das Thema ist moralisch aufgeladen; da es kaum Fakten gibt, lässt sich auch mit wenig anderem argumentieren als mit Moral. Zu wenig ist bekannt vor allem über den Kernbereich der Debatte: Wie viel geschieht im Rotlichtmilieu unter Zwang? Die einen sagen: gar nichts. Die anderen sagen: alles.

          Frauen von der Straße machen mehr fürs gleiche Geld

          Mittendrin steht Oliver. Mit grauer Mütze, grauer Jacke und gepflegtem Dreitagebart lehnt er an der Wand, nur Meter entfernt von den roten Neonröhren. Mancher würde sagen: Stünde er nicht dort, gäbe es auch keine Diskussion.

          Oliver hat mit 15 das erste Mal für Sex bezahlt. Jetzt, mit Anfang 40, tut er es jede Woche. „Ich bin halt getrieben. Wenn ich es brauche, komme ich her.“ Am liebsten nimmt er die Frauen von der Straße statt vom Bordell, die machten mehr fürs gleiche Geld. Nur zu kaputt dürften sie nicht aussehen. Oliver arbeitet im Büro, unter seinem echten Namen würde er nie von seinen Frankfurter Nächten erzählen.

          Die 343 Namen unter dem französischen Manifest sind alle echt. „343 salauds“, Dreckskerle, nennen sie sich, vielleicht ist Satire dabei, auf jeden Fall Provokation. 1500 Euro müssten Freier in Frankreich zahlen, sollte das geplante Gesetz durchkommen und sie erwischt werden. „Wir wehren uns dagegen, dass die Parlamentarier uns vorschreiben wollen, wie wir uns vergnügen“, steht im Manifest. Die Männer sehen ihre Freiheit bedroht, und in Deutschland jubeln die Hurenverbände.

          Trauen sich die Franzosen mehr?

          Der Schritt sei längst überfällig, meint Juanita Henning. Sie ist Vorsitzende des Prostituierten-Vereins „Doña Carmen“, auf dessen Internetseite sich ein wütendes Pamphlet gegen die „Emma“ findet. Der „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen“ hat gleich einen eigenen Appell gestartet. Unterschrieben haben ihn Gunter Gabriel, Christian Ulmen, Bernd Begemann. Sie befürworten Prostitution; ob sie selbst auch Freier sind, steht da nicht. Trauen sich die Franzosen einfach mehr?

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