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Prominente in Afrika : Die Ausbeutung des Hungerkontinents

  • -Aktualisiert am

Stars als Freizeitweltenretter: George Clooney hat sein Herz für den Sudan entdeckt Bild: AP

Zuhauf streicheln Prominente wie George Clooney oder Bono in Afrika die Köpfe von schwarzen Kindern. Und denken dabei vor allem ans eigene Marketing. Sie wissen nicht, was sie anrichten.

          Salma Hayek war unlängst in Sierra Leone. Salma Hayek, das muss man wissen, ist nicht nur Schauspielerin mexikanischer Abstammung, sondern auch ehrenamtliche Unicef-Botschafterin. Sierra Leone wiederum ist ein kleines Land in Westafrika, das einen der schlimmsten Bürgerkriege des Kontinents hinter sich hat, heute als Drehscheibe für den Transport von südamerikanischem Kokain nach Europa dient und damit vom Regen in die Traufe geraten ist. Das weiß natürlich kein Mensch. Das zu ändern, nämlich kraft ihrer Prominenz Aufmerksamkeit auf die Situation der Menschen in Sierra Leone zu lenken, war der Zweck von Hayeks Reise.

          Nun tat Salma Hayek in Sierra Leone etwas, das man zumindest als ungewöhnlich bezeichnen kann: Sie nährte einen fremden Jungen an ihrer Brust. Das sei eine spontane Entscheidung gewesen, sagte sie anschließend, was man ihr schon deshalb nicht abkauft, weil die Dame zu lange im Showbusiness ist, um nicht zu wissen, wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht. Das Filmchen über ihre Barmherzigkeit verkaufte sich prächtig, und die Schauspielerin, um die es beruflich in letzter Zeit stiller geworden war, genießt wieder weltweite Aufmerksamkeit.

          Seither wissen wir, dass Hayek einen Milchüberschuss hat, dass sie Gewissensbisse gegenüber ihrer eigenen Tochter hat, weil die vielleicht neidisch auf den kleinen schwarzen Jungen sein könnte, und wir wissen außerdem, dass die Hayek gerade einen französischen Milliardär geheiratet hat, dem sie vorübergehend den Laufpass gegeben hatte, weil der nebenher mit der Justizministerin seines Landes geknutscht haben soll. Von dem Jungen in Sierra Leone aber wissen wir nicht einmal den Namen.

          Kraft der Prominenz: Unicef-Botschafterin und Schauspielerin Salma Hayek

          Kitschig inszenierter Elendstourismus

          Die kleine Geschichte um die Mexikanerin in Sierra Leone ist symptomatisch für die Zweckehe, die Prominente und Hilfsorganisation zum Wohle der gegenseitigen Profilierung eingegangen sind. Prominente, zumal Schauspieler, scheinen die Rettung Afrikas zur Ehrensache erklärt zu haben, doch was dabei herauskommt, ist nicht weniger als die eigene Profilierung auf Kosten derer, die sich nicht wehren können. Es gibt kaum ein Flüchtlingslager, das etwa vor Brad Pitt und seiner tätowierten Lebensabschnittsgefährtin Angelina Jolie sicher wäre, wo sie Kinder herzen, das Böse in der Welt anprangern und solche Sätze hauchen wie: „Wir müssen das Morden stoppen“, während der mitreisende Leibfotograf seine Kamera malträtiert, weil die People-Magazine die Bilder gar nicht schnell genug drucken können. Spätestens in solchen Augenblicken möchte man dem amerikanischen Schriftsteller Paul Theroux um den Hals fallen - wie Brangelina den schwarzen Kindern -, wenn er sagt, die beiden erinnern ihn bei ihren Auftritten in der Wüste immer an „Tarzan und Jane“. Die weniger amüsante Seite dieses grotesk kitschig inszenierten Elendstourismus ist aber, dass nicht nur Pitt und Jolie es auf dem Umweg über ihre vermeintliche Anteilnahme meisterlich verstehen, sich jede Woche auf mindestens zwei Dutzend Titelseiten zu plazieren.

          Freizeitweltenretter und langjährige Überzeugungstäter

          Natürlich wird das alles vehement bestritten, und die Hilfsorganisationen rechtfertigen ihren All-inclusive-Service für Promis mit der Notwendigkeit von „öffentlicher Bewusstseinsschaffung“ für ansonsten im Strom der Nachrichten untergehende Krisenmeldungen. Das ist an sich nichts Ehrenrühriges, doch ist der Spieß längst umgedreht worden. Die Frage ist doch, wer hier wen benutzt. George Clooney etwa hat sein Herz für Darfur entdeckt und hat bei gleicher Gelegenheit sein Playboy-Image gegen das eines politischen Kopfes eingetauscht, weil er so langsam in ein Alter kommt, in dem Charakterrollen locken. Doch die Clooneys sind nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt kaum ein Sternchen, das sich nicht für arme kleine Kinder in Afrika engagiert, und selbst die C-Prominenz bis hinunter in die deutsche Provinz bedient sich längst des vermeintlichen Hungerkontinents zur Beförderung des eigenen Marktwertes.

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