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Erinnerung an ein Treffen : „Ich bin der Philip!“

  • -Aktualisiert am

Der Herzog von Edinburgh trifft um 1960 mit seinem Sohn Charles zum Verwandtenbesuch in Deutschland ein. Bild: Rainer Holbe

Unser Autor war noch Praktikant, als er einen Tipp bekam: Prinz Philip würde zum Verwandtenbesuch nach Deutschland reisen. Also fuhr er zum Flughafen – und plauderte mit dem Royal und seinem Sohn Charles im Shuttlebus.

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          Ihre Königliche Hoheit kamen mit einer Fokker Friendship aus London. Es sollte ein Freundschaftsbesuch bei der hessischen Verwandtschaft werden. Keine Presse, keine Fotografen. Ich bekam den Tipp von Freunden aus der VIP-Lounge des Rhein-Main-Flughafens. Als Praktikant hatte ich bisher gerade mal einen Autohändler zum Achtzigsten interviewt. Und jetzt, es war 1962, Prinz Philip, den Ehemann der Queen, das wäre der Höhepunkt meiner bisherigen Journalistenkarriere.

          Eigentlich hätte ich einen Fotografen mitnehmen müssen. Doch der Aufwand wäre zu groß gewesen. Das Flugzeug rollte vor dem Besucherterminal aus. Wie spricht man den Gast aus dem Palast an? Royal Highness? Die Tür neben der Pilotenkanzel öffnete sich, eine Gangway wurde herangeschoben. Ein etwa 13 Jahre alter Junge trat ins Freie, lächelte scheu. Nach ihm der Vater, hochgewachsen, von imposanter Statur. Ich hob die Kamera. Die Herren lächelten ins Objektiv. „Good morning, Royal Highness“, sagte ich. Prinz Philip streckte mir die Hand entgegen. Hatte ich ihn richtig verstanden? Hatte er tatsächlich „Ich bin der Philip!“ gesagt?

          Auf dem Weg zum Terminal war ich mit den beiden Besuchern allein im VIP-Bus. Wir redeten über das Wetter. Er fragte nach meinem Job. „Ich wünsche Ihnen viel Glück“, sagte er auf Deutsch, ohne Akzent. Charles lächelte das schüchterne Lächeln eines Schuljungen. Dann tauchte die Verwandtschaft auf. Die Damen küssten ihren Verwandten sanft auf die Wangen. Eine von ihnen deutete einen Knicks an. Dann verschwanden die Herrschaften durch eine Hintertür. Hätte ich die Fotos nicht, ich hätte an eine Erscheinung glauben müssen.

          „Grüßen Sie bitte meine Freunde in Deutschland“

          Jahre später war ich mit einem Kamerateam von RTL im Buckingham-Palast mit Seiner Königlichen Hoheit Prinz Philip verabredet. Es ging um den „World Wildlife Fund“, um den Schutz wilder Tiere in Afrika. Dieses Mal kam der Ehemann der Königin ohne seinen Sohn Charles. Auch dieses Mal sprach Prinz Philip Deutsch, ohne Schnörkel. Eine strenge Dame an seiner Seite bat uns, keine privaten Fragen zu stellen. Philip sprach über den Schutz von Löwen und Elefanten. „Grüßen Sie bitte meine Freunde in Deutschland“, sagte er zum Abschied. Dann verschwand er hinter einer Tapetentür.

          Elefanten-Fan: Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete Prinz Philip 2017 ein neues Elefantenhaus im Whipsnade Zoo im englischen Bedfordshire.
          Elefanten-Fan: Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete Prinz Philip 2017 ein neues Elefantenhaus im Whipsnade Zoo im englischen Bedfordshire. : Bild: AP

          Im Hotel kontrollierte ich mit den Kollegen die elektronische Ausbeute. Ein Albtraum! Das Material war grünstichig, nicht sendefähig. Wenigstens retteten wir noch das Interview auf der Tonspur. Da wir in Luxemburg mit RTL Plus nicht nur den ersten deutschsprachigen Privatsender bedienten, sondern mit Radio Luxemburg auch ein Hörfunkprogramm, blieb ein dürftiger Trost. Wenigstens diese sonore Stimme war erhalten geblieben. Zu gerne hätten wir unseren Zuschauern den liebenswürdigen Herrn auf dem Bildschirm gezeigt, der sich ein Leben lang für Afrikas Tierwelt einsetzte – und kein einziges Mal ein Gewehr auf sie gerichtet hat.

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