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Royale Nabelschau : Harry, es reicht!

Wenn Harry redet, geht es immer um ihn. Und das wird wohl leider auch so bleiben, denn die Welt will es so. Bild: Fotos Getty (3), AFP (2)

Er offenbart sein Innerstes in Interviews und Filmen und schreibt nun auch noch seine Memoiren: Warum der Herzog von Sussex mal durchatmen sollte.

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          Sehr geehrter – tja, hier fängt der Schlamassel schon an, denn wie soll man Sie jetzt eigentlich anreden? „Seine königliche Hoheit“ ist passé, Herzog von Sussex sind Sie noch, möchten aber, schließlich leben Sie jetzt in Amerika, angeblich einfach nur der Harry sein, unterzeichnen aber trotzdem noch als „Duke of Sussex“. Probieren wir es so:

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Verehrter Herzog von Sussex,

          lieber Harry,

          dass Sie diese Zeilen hier lesen, ist sehr unwahrscheinlich – okay, es ist sehr, sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, aber ich habe da was auf dem Herzen. Wie – grob geschätzt – die halbe Welt verfolge auch ich Ihr Schicksal seit geraumer Zeit, und zwar, das dürfen Sie mir glauben, mit Sympathie. Sie scheinen ein netter Kerl zu sein, mit dem man beim Sport und in der Kneipe Spaß haben kann. Lang vorbei sind die Zeiten, in denen Sie beim Feiern etwas zu viel Spaß hatten und bald ohne Klamotten dastanden oder – da wäre nackt echt noch besser gewesen – in einer Uniform von General Rommels Afrikakorps samt Hakenkreuzarmbinde; Ausrutscher, die sich auf Ihre nicht ganz leichte Kindheit zurückführen lassen oder schlicht darauf, dass Sie Brite sind.

          Als Sie nach Jahren unsteten Bachelor-Daseins als Partnerin Meghan Markle präsentierten, fand ich das ganz cool: Eine Amerikanerin, geschieden und mit schwarzer Mutter, das versprach Leben in den Palast zu bringen, und so ist es ja auch gekommen. Dass Sie beide sich via Megxit verabschiedeten, fand ich schade, doch verständlich. Ihre Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben, Ihre Verachtung der Boulevardmedien – wer wollte dies verurteilen? Dass Ihre Frau, wie Sie klagten, in Ihrer royalen Familie auf Rassismus stieß, konnte ich mir kaum vorstellen, andererseits wusste man zum Beispiel vom unbekümmerten Kolonialherrenhumor Ihres seligen Opas. Und um nichts in der Welt wollte ich einer Meinung sein mit dem reaktionären Hausgrafen der Bild-Zeitung, der Meghan eine „gefährliche Person“ nannte und über Sie schrieb, Sie seien „nicht der Hellste“.

          Abrechnung in Serie

          Im März dieses Jahres dann kam Ihr Pärchen-Interview mit Oprah Winfrey, eine bittere Abrechnung mit den starren Regeln der Monarchie und mit Ihrer Familie. Im Mai folgte ein Podcast-Interview, in dem Sie abrechneten mit den starren Regeln der Monarchie und mit Ihrer Familie. Tage später startete auf Apple TV+ die von Ihnen und Oprah produzierte Doku-Serie „The Me You Can’t See“, zu Deutsch „Das Ich, das du nicht siehst“, in der Sie die Bedeutung der mentalen Gesundheit betonten und nebenbei abrechneten mit den starren Regeln der Monarchie und mit Ihrer Familie.

          Und nun haben Sie angekündigt, dass Sie Ende 2022 Ihre Memoiren veröffentlichen werden. Ich habe so eine Ahnung, womit Sie darin abrechnen könnten.

          Pärchen-Gespräch: Harry und Meghan bei Oprah Winfrey
          Pärchen-Gespräch: Harry und Meghan bei Oprah Winfrey : Bild: Reuters

          „Intim und von Herzen kommend“ werde das Buch sein, hat die Verlagsgruppe Penguin Random House mitgeteilt, und Sie selbst wollen sich äußern „nicht als der Prinz, als der ich geboren wurde, sondern als der Mann, zu dem ich geworden bin“. Hohe Millionensummen sollen dafür fließen, die Erlöse – ob sämtliche, ist nicht eindeutig formuliert – sind Charity-Projekten zugedacht.

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