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Prinz Georg Friedrich von Preußen : Beliebt und unbekannt

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Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen und seine Verlobte Sophie Prinzessin von Isenburg werden heiraten Bild: dpa

Prinz Georg Friedrich von Preußen, der Urenkel des letzten deutschen Kaisers, heiratet seine Jugendliebe, Prinzessin Sophie von Isenburg. Ein großes Event in Deutschland - das Paar hätte es jedoch lieber kleiner.

          4 Min.

          Der junge Mann ist mit Mutter und Schwester aufgewachsen, in Fischerhude bei Bremen; später siedelten sie nach Oldenburg um. Er ging zur Bundeswehr und wurde danach von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen ins sächsische Freiberg geschickt: Betriebswirtschaft. Er fuhr mit einem Gebrauchtwagen umher und absolvierte während des Studiums einige Praktika bei Softwareunternehmen.

          Interessante Einblicke verschafften ihm der sechsmonatige Aufenthalt als Werkstudent in Ecuador. Mit seinen nunmehr 34 Jahren lebt er in Berlin-Mitte, arbeitet aber unter der Woche in Rostock für ein Unternehmen, das junge Wissenschaftler bei der Anmeldung von Patenten unterstützt. An diesem Samstag heiratet der junge Mann in Potsdam seine Dauerfreundin Sophie - und das ist eines der gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres in Deutschland. Über 700 Gäste, die Kulisse ist das Schloss Sanssouci, der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird drei Stunden lang live übertragen.

          Urenkel des letzten deutschen Kaisers

          Der junge Mann gehört der ehemaligen „first family“ des Deutschen Reiches an und heißt Prinz Georg Friedrich von Preußen. Falls jemand auf die Idee käme, hierzulande wieder die Monarchie einzuführen, wäre er als Oberhaupt der Hohenzollern der deutsche Kaiser. Das Haus stellte ab 1701 die preußischen Könige und damit zwischen 1871 und 1918 die deutschen Kaiser. Dass dem nicht mehr so ist, darüber ist Georg Friedrich - der Ururenkel von Kaiser Wilhelm II. - besonders erleichtert. Sagen zumindest all jene, die ihn kennen. Höflich, zurückhaltend, manchmal ein bisschen scheu, so wird er beschrieben. Er sei stolz auf das, was er ist, lebe und denke aber bürgerlich.

          Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1917: Mit ihm musste 1918 der letzte Hohenzollern-Kaiser abdanken

          Schon als Achtzehnjähriger wurde Georg Friedrich 1994, als sein Großvater Prinz Louis Ferdinand senior starb, Chef des Hauses. Der junge Prinz habe bislang weder eine politische Rolle angestrebt, noch neige er zum repräsentativen gesellschaftlichen Auftritt, heißt es. Bunte bis liebestolle Episoden, wie sie blaublütige Standesgenossen schon mal hinlegen, seien bei ihm undenkbar. Preußische Disziplin statt ausschweifenden Jetsets.

          Von einem Termin zum nächsten

          Georg Friedrich selbst zu fragen, welche Bedeutung die standesgemäße Heirat mit Sophie Prinzessin von Isenburg für ihn und das Haus Hohenzollern hat, ist unmöglich. Zwar ist er ohne Bedienstete aufgewachsen, jegliche Interviewanfragen landen aber bei Michaela Blankart, der Leiterin der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses - und werden von ihr abgesagt. Das Paar „rase“ in den Tagen vor der Hochzeit von einer organisatorischen Frage zur nächsten und habe nicht mal zehn Minuten Zeit, lässt sie ausrichten.

          In den bunten Blättern wird die Hochzeit schon als deutsche Antwort auf die diesjährigen pompösen Vermählungen in den Häusern Windsor und Grimaldi gepriesen. Der Prinz und die 33 Jahre alte Prinzessin, über die nicht viel mehr bekannt ist, als dass sie in Berlin bei einem Beratungsunternehmen für gemeinnützige Stiftungen arbeitet, machen sich rar. Und dies soll nach dem Willen des Paares auch nach der feierlichen, aber nicht zu prunkvollen Hochzeit so bleiben.

          „Adelskult und Schleppenträger“

          Allein die Entscheidung, sich bei der Trauung von Fernsehkameras beobachten zu lassen, sei für die beiden ein „langer, schmerzhafter Entscheidungsprozess“ gewesen, so Blankart. Sie hätten sich zunächst strikt dagegen ausgesprochen, der RBB aber habe hartnäckig Überzeugungsarbeit geleistet. Die Kritik von Landespolitikern verschiedener Couleur folgte prompt: Von „Adelskult“ war da die Rede und davon, dass sich der RBB zum „Schleppenträger“ der Hohenzollern mache. Überhaupt sei das preußische Haus vom großen Medieninteresse überrascht worden, so Blankart.

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