https://www.faz.net/-gum-9g7jr

Prinz Charles wird 70 : Der weite Blick auf die Dinge des Lebens

Einige Biographen führen seinen Sinn für ganzheitliche Betrachtungsweisen, von manchen profan „Esoterik“ genannt, auf den Einfluss des gelehrten, von seinen Anhängern als Guru verehrten Schriftstellers Laurens van der Post zurück, dem Charles als junger Mann, in einer Orientierungsphase, begegnet war. Van der Post wiederum bewunderte den schweizerischen Psychoanalytiker Carl Jung und dessen spiritualistische Lehre. Auch Charles’ Faszination für die Religionen des Ostens rührt daher. Andere machen darauf aufmerksam, dass Charles’ Vorlieben in Wahrheit gar nicht so weit von denen seines Vaters entfernt seien.

Das Verhältnis des Kronprinzen zu Prinz Philip sei belastet, heißt es oft. Als junger Mann hat Charles einmal beklagt, dass es seiner Erziehung an Liebe gefehlt habe, und auch wenn sich der Vorwurf gegen beide Elternteile richtete, blieb er mehr an Philip hängen. Im Vergleich zu der Rolle, die heute die Kinder in der Royal Family spielen, musste Charles vieles entbehren. Er wurde überwiegend von Dritten erzogen und oft von Reisen ausgespart. So manchen Geburtstag feierte er ohne Mutter und Vater. Besonders unglücklich war Charles über seine Internatserziehung in Schottland, in Gordonstoun, einer in den dreißiger Jahren von dem aus Deutschland geflohenen Reformpädagogen Kurt Hahn gegründeten Schule. Das britische Seriendrama „The Crown“ zeigte ihn unlängst als sensiblen verzweifelten Internatsschüler, dem es nicht gelingen wollte, die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Philip, der in den Dreißigern einer der ersten Schüler des Internats gewesen war, soll den Drill und den Männlichkeitskult von Gordonstoun genossen haben. Sein Sohn – der noch dazu gehänselt wurde – verabscheute beides.

Aber hinter Philips rauhem, männlichem Auftritt verbirgt sich mehr Empfindsamkeit, als vielen bekannt ist. Nur wenige wissen, dass er gerne (und gar nicht schlecht) malt. Auch ist er belesen und naturverbunden und – trotz seiner politisch unkorrekten Kommentare – mit einem Sinn für soziale Beziehungen ausgestattet. Das Engagement für wohltätige Zwecke kommt von ihm, Philip. Tatsächlich ist Philip der einzige in der Royal Family, der noch mehr Schirmherrschaften übernommen hat als sein Sohn.

Ein Unterschied zum Vater liegt darin, dass Charles seine privaten Interessen und Vorlieben offen und auch streitbar zur Schau stellt. Seine Architekturkritik trieb ihn sogar in Gefilde, in die sich ein Kronprinz nicht verirren sollte. Mehrmals griff er in Bebauungspläne für die britische Hauptstadt ein. Eines seiner „Opfer“, der Stararchitekt Richard Rogers, begann eine öffentliche Fehde, in der sich die Crème der internationalen Branche auf die Seite des Kollegen und gegen den Kronprinz stellte. Norman Foster, Zaha Hadid, Jacques Herzog, Renzo Piano und Frank Gehry beklagten sich in einem gemeinsamen Brief über die „Hinterzimmer-Einflussnahme“ des Kronprinzen, die einen offenen und demokratischen Planungsprozess untergrabe. Auf Kritik stieß Charles aber auch bei Ärzten, die seine Plädoyers für die homöopathische Medizin und die Ausrichtung der von ihm gegründeten „Prinzenstiftung für integrierte Gesundheit“ für „gefährlich“ erklärten. Der britische Medizinprofessor Edzard Ernst und der Wissenschaftsjournalist Simon Singh nannten Charles in einem Buch über Alternativmedizin „töricht und unmoralisch“.

Weitere Themen

Spielen mit den Klonen

FAZ Plus Artikel: Gentechnik im Polo : Spielen mit den Klonen

Adolfo Cambiaso gilt als weltbester Polo-Spieler. Nebenbei betreibt er ein lukratives Unternehmen: Pferde klonen. Auch für sein Team La Dolfin jagen bisweilen vier genetisch identische Exemplare der Wunderstute Cuartetera dem Ball nach.

Topmeldungen

Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

Bundesliga im Liveticker : Dortmund dreht auf – Bayer wieder vorne

Bis zur Pause hält Augsburg ein 1:1 in Dortmund – doch nach Wiederanpfiff ist die BVB-Offensive nicht mehr zu halten. Zwei Aufsteiger drohen hingegen mit einer Niederlage in die Saison zu starten. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

August 1989 : Als die Grenze fiel

Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.