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Royaler Geburtstag : Prinz Andrew wird 60 – und hat wenig zu feiern

Prinz Andrew, Herzog von York, steht auf Grund von Missbrauchsvorwürfen sowohl in den Vereinigten Staaten, als auch in seiner Heimat Großbritannien massiv unter Kritik. Bild: dpa

Mit dem Alter kommt die Weisheit, sagt man. Anscheinend nicht so bei dem britischen Prinz Andrew. Er feiert seinen 60. Geburtstag, doch Skandale und Missbrauchsvorwürfe überschatten die Freude.

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          Als zweiter Sohn von Elisabeth II. genießt seine Königliche Hoheit, der Herzog von York, Privilegien. Prinz Andrew, wie er meistens genannt wird, diente aber auch – wie es sich für einen Windsor gehört – in der Royal Air Force. Er nahm sogar am Falklandkrieg teil und führt seit fünf Jahren den Ehrentitel „Vice Admiral“. Aber den größten Teil seines Lebens verbrachte Andrew mit den eher angenehmen Tätigkeiten, die er seiner Herkunft zu verdanken hat: mit Prominentenpartys, Golf, Skifahren und Wohltätigkeitsauftritten. Manche zählen auch den Job Handelssonderbeauftragter dazu, der ihn zehn Jahre lang für das Vereinigte Königreich um die Welt reisen ließ.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Dort traf er, den Umständen entsprechend, nicht nur auf Saubermänner, was ihn aber nicht davon abhielt, mit einigen von ihnen persönliche Bande zu knüpfen. Als sich Großbritannien an Militärschlägen gegen Libyen beteiligte, nannte ihn der Abgeordnete Chris Bryant im Unterhaus nicht nur „einen Freund des verurteilten libyschen Waffenhändlers Tarek Kaituni“, sondern auch einen Freund des Sohns von Muammar al Gaddafi. In den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen des State Departments berichtete die amerikanische Botschafterin in Kirgistan, dass Andrew recht unbefangen über Bestechungsgelder gesprochen und sich abfällig über Journalisten geäußert habe. Schlagzeilen machte der Herzog auch, als bekannt wurde, dass der Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Andrews Landsitz in Surrey über eine Offshore-Firma für 15 Millionen Pfund gekauft hatte – drei Millionen Pfund über dem verlangten Preis.

          Aber am Ende holten den Prinzen nicht die Geschäfte ein, die er in Kasachstan, Usbekistan, Libyen oder Tunesien einfädelte, sondern seine Freundschaft mit dem amerikanischen Millionär Jeffrey Epstein, der als Sexualstraftäter verurteilt wurde, bevor er tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Schon quälend lang stehen Vorwürfe im Raum, dass auch er, der Prinz, sich an Minderjährigen vergangen habe, die ihm Epstein vermittelt haben soll. Im vergangenen November trat Andrew die Flucht nach vorn an und gewährte einer prominenten BBC-Journalistin ein Interview im Buckingham-Palast. Es wurde ein medialer Super-GAU.

          Andrew konnte sich nicht erinnern, die Frau, die ihn beschuldigt (und die er schwitzend umarmte, wie auf einem Foto zu sehen war), jemals gesehen zu haben, und gab zu seiner Entlastung Erklärungen ab, mit denen er sich zum Gespött machte. Wegen einer „Überdosis Adrenalin“ aus Zeiten des Falkland-Kriegs könne er gar nicht schwitzen, sagte er, worauf mehrere Fotos im Netz hochgeladen wurden, auf denen er schwitzend auf Partys zu sehen ist. Danach sprangen mehrere Unternehmen als Geldgeber für Andrews Charity-Projekte ab.

          In den Vereinigten Staaten wird weiter ermittelt und mit wachsendem Befremden zur Kenntnis genommen, dass sich Andrew – entgegen seiner Versicherungen in dem BBC-Interview – noch nicht zu den Vorwürfen hat befragen lassen. Von seinen offiziellen royalen Pflichten ließ sich der Herzog von York inzwischen entbinden, aber ausgestanden ist die Affäre noch nicht. Auch nicht an diesem Mittwoch, wenn er seinem 60. Geburtstag feiert.

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