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„Pride Month“ in Israel : Drohungen gegen LGBTQI-Paraden

  • -Aktualisiert am

Zehntausende haben bei der Gay-Pride-Parade 2021 in Tel Aviv gefeiert und gleiche Rechte für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle (LGBTQIA+) gefordert. Bild: dpa

Vor den anlässlich des „Pride Month“ geplanten Paraden haben mehrere Organisatoren und liberale Abgeordnete Todesdrohungen erhalten. Der Marsch in Jerusalem wird wieder einmal zur Hochsicherheitsveranstaltung.

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          Der Auftakt des „Pride Month“ in Israel war eine Erinnerung daran, dass die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgeschlecht­lichen, queeren und intersexuellen Menschen (LGBTQI) noch immer keine Selbstverständlichkeit sind: Vor mehreren Paraden erhielten Organisatoren und liberale Parlamentsabgeordnete Todesdrohungen. Die „Pride Parade“ in der re­ligiös geprägten Stadt Netiwot wurde ab­gesagt, nachdem der Familie eines der Organisatoren Munition zuge­schickt wor­den war.

          Auch die Parade am Donnerstag in der King David Street in Westjerusalem wurde bedroht. In sozialen Netzwerken wa­ren Beiträge von einem Account namens „Die Brüder von Yishai Schlissel“ zu le­sen, die sich an Emuna Klein Barnoy, die Direktorin des Organisators Jerusalem Open House, und an mehrere Knesset-Abgeordnete richteten: „Euch erwartet das Schicksal von Shira Banki“. Die 16 Jahre alte Banki war bei der Jerusalemer „Pride Parade“ 2015 ums Leben ge­kommen, als sie und fünf weitere Personen mit einem Messer angegriffen wurden. Der Täter Yishai Schlissel, ein ultraorthodoxer Jude, war erst kurz zuvor aus der Haft entlassen worden – er hatte schon zehn Jahre zuvor bei der Parade auf drei Menschen eingestochen.

          2400 Einsatzkräfte, 180 potentielle Angreifer unter Beobachtung

          Vor allem der Marsch in Jerusalem, an dem jährlich Tausende Menschen teilnehmen, wird abermals zu einer Hoch­sicherheitsveranstaltung. Die Polizei hat die Marschroute gesperrt und 2400 Einsatzkräfte mobilisiert. 180 potentielle Angreifer standen unter Beobachtung. Am Mittwoch wurde ein Einundzwanzigjähriger festgenommen, der Todesdrohungen verschickt haben soll.

          Besonders rechte und orthodoxe Kräfte wie die radikale jüdisch-suprema­tistische Gruppe Lehava, die wieder Ge­gendemonstrationen organisiert hat, stellen sich gegen die LGBTQI-Gemeinschaft. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Israel bislang nicht legalisiert. Rechte Parteien wie die religiös-zionistische Otzma Jehudit („Jüdische Stärke“), aber auch die islamistische Partei Ra’am und Mitglieder von Premierminister Naftali Bennetts Partei Jamina („Nach Rechts“) stemmen sich immer wieder gegen Ge­setzentwürfe zur Gleichstellung.

          Bei der Parade in Jerusalem wird in diesem Jahr der Vater der ermordeten Shira Banki die Abschlussrede halten. Dem Radiosender Kan sagte Ori Banki: „Erst wenn zwei Männer Hand in Hand durch Jerusalem laufen können, ohne an­gespuckt zu werden, verspottet zu werden oder Schlimmeres, erst dann werden wir aufhören zu paradieren.“ Die größte „Pride Parade“ in Israel, die in der Vergangenheit Hunderttausende Teilnehmer anzog, findet nächste Woche in Tel Aviv statt.

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