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Première Dame Valérie Trierweiler : Noch schöner

Valérie Trierweiler Bild: REUTERS

Die neue Première Dame muss den Vergleich mit ihren Vorgängerinnen nicht scheuen: Als bodenständiges Gegenbild zu Carla Bruni, dem Jetset-Girl aus italienischem Geldadel, eignet sich Valérie Trierweiler bestens.

          3 Min.

          Wer den künftigen französischen Präsidenten kennenlernen will, der sollte Valérie Trierweiler lesen. 2004 hat sie im Wochenmagazin „Paris Match“ ein treffliches Porträt des Manns geschrieben, der nächste Woche in das Amt des Staatspräsidenten eingeführt wird. „L’homme normal“ lautete die Überschrift. In den „normalen Mann“ hat sich Valérie Trierweiler nach ihrer Recherche für ihren Artikel verliebt. Und François Hollande hat in ihr „die Frau meines Lebens“ entdeckt. Das aber ist eine Geschichte, über die sie so wenig wie möglich berichtet.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Natürlich kennt sie, die gestandene Journalistin, die Passion ihrer Landsleute für Herz-Schmerz-Geschichten. Außerdem ist sie nett und kameradschaftlich. Arroganz und Überheblichkeit liegen ihr fern. Deshalb hat sie den Klatschreportern, die früher ihre Kollegen waren, kleine Einblicke in ihr Privatleben gewährt. François Hollande, erzählt sie, nerve manchmal, weil er immer alle Schrank- und Zimmertüren offen stehen lasse. Aber das mache er wohl, „weil er nichts zu verbergen hat“.

          Insgesamt sieben Kinder

          Außerdem hilft er zu Hause mit, kauft ein und kocht auch gern, wenn auch „mit viel Butter“, wie die schlanke Valérie Trierweiler mit leicht kritischem Unterton anmerkt. Sie schweigt darüber, ob sie ihren damals noch pummeligen Liebhaber auf Diät setzte. Tatsache ist, dass er sichtbar abgespeckt hat, seit er mit Valérie Trierweiler zusammenlebt. Das deutet auf den nicht unerheblichen Einfluss hin, den die zierliche Journalistin mit den feinen Gesichtszügen seit dem Jahr 2006 auf ihn ausübt.

          Auf eine große Show, wie sie Nicolas Sarkozy mit seiner Patchwork-Familie zum Einzug in den Élysée-Palast zelebrierte, legt Valérie Trierweiler keinen Wert. Noch hat sie über die Anwesenheit ihrer Söhne nicht entschieden. Auf insgesamt sieben Kinder kommt das neue französische Präsidentenpaar, eine stattliche Zahl, die dem geburtenstarken Frankreich zur Ehre gereicht.

          Die Journalistin verliebte sich in François Hollande, als sie für ein Porträt über ihn recherchierte. Der Titel: „l’homme normal“, der „normale Mann“ Bilderstrecke
          Die Journalistin verliebte sich in François Hollande, als sie für ein Porträt über ihn recherchierte. Der Titel: „l’homme normal“, der „normale Mann“ :

          Aus seiner Verbindung mit Ségolène Royal hat François Hollande zwei Söhne und zwei Töchter. Der Älteste, Thomas Hollande, tat sich als Wahlkampfhelfer hervor, am Wahlabend ließ er sich beim ersten Anruf von „Papa“ filmen. Ihre drei Söhne im Alter von 15, 17 und 19 Jahren hat Valérie Trierweiler hingegen stets vor dem Rampenlicht bewahrt. Das entspricht auch dem Wunsch des Vaters, ihres zweiten Ehemanns, der weiter eine Führungsposition in der Redaktion von „Paris Match“ bekleidet. Denis Trierweiler ist zudem ein angesehener Germanist, durch den Valérie Trierweiler mit deutscher Literatur und Philosophie vertraut wurde.

          „Was für ein Schock!“, twitterte die Journalistin im März, als ihr Foto zum ersten Mal die Titelseite von „Paris Match“ zierte. Sie äußerte ihre Wut, dass ihr Arbeitgeber Fotos von ihr veröffentlichte, ohne sie vorher zu informieren oder sie um Genehmigung zu bitten. Viele der Aufnahmen waren bei Reisen entstanden, welche die Journalistin für „Paris Match“ unternommen hatte. Sie waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt, sondern Erinnerungsstücke der mitreisenden „Match“-Fotografen. Doch Valérie Trierweiler wird sich daran gewöhnen müssen, künftig auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden. Dabei hat sie wiederholt bekundet, sich nicht in den Vordergrund spielen zu wollen.

          Gegenbild zu Carla Bruni

          Als bodenständiges Gegenbild zu Carla Bruni, dem Jetset-Girl aus italienischem Geldadel, eignet sich Valérie Trierweiler bestens. Sie wuchs als Valérie Massonneau in einer kinderreichen Familie in Angers an der Loire auf. Der Vater war Kriegsinvalide, die Mutter Kassiererin in der städtischen Eislaufhalle. Valérie, Jahrgang 1965, war das fünfte von sechs Kindern. „Wir hatten nicht viel Geld, aber alles, was wir brauchten“, sagt sie rückblickend. Ihr früheres Wohnviertel würde heute als sozialer Brennpunkt gelten. Valérie Trierweiler aber beschreibt eine glückliche Kindheit, „mit vielen Kindern aus der Nachbarschaft, mit denen wir auf der Straße spielten“.

          Nach dem Abitur zog sie nach Paris, um an der Sorbonne Politikwissenschaften zu studieren. 1989 begann sie, für „Paris Match“ zu arbeiten. Von Anfang an war sie für die Berichterstattung über die Sozialistische Partei zuständig. Den Sozialisten Hollande kennt sie seit mehr als 20 Jahren. Im Oktober 2010 machten die beiden ihre Beziehung öffentlich. Es wird ihr schwer fallen, hat sie einmal eingestanden, ihrem Beruf künftig zu entsagen.

          Hochzeit mit Hollande?

          Vorbilder als Première Dame hat sie nicht. Auch modisch wird sie sich nicht in das von Bernadette Chirac und Carla Bruni vorgegebene Bild der Chanel-Dior-Modefrau fügen. Vielmehr gestand sie nun in einem Zeitungsgespräch, dass sie Marken wie Georges Rech bevorzuge. Entwürfe der großen französischen Modeschöpfer habe sie noch nie getragen. Im Vergleich steht sie trotz der Abwesenheit der ganz großen Namen damit hervorragend da - selbst wenn sie, wie sie nun ebenfalls sagte, im Wahlkampf fünf Kilogramm zugenommen hat.

          Dass sie ihre Rolle gut bewältigen wird, davon ist selbst Stéphane Bern überzeugt, Frankreichs bekanntester Hofberichterstatter: Es sei kein Problem, dass sie nicht verheiratet sei, „am Protokoll wird sie nicht scheitern“. Ob sie dennoch von einer Hochzeit mit François Hollande träumt? „Falls wir heiraten“, beschied sie neugierigen Journalisten, „erfahrt ihr das erst anschließend.“

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