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Überraschende Predigt : Willkommen im 21. Jahrhundert!

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Was bleibt von der Royal Wedding? Viele meinen: Die Predigt von Michael Curry. Der Bischof von Chicago zitierte Martin Luther King und sprach die Hochzeitsgäste als „Brüder und Schwestern“ an. Wer ist dieser Mann?

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          „Wenn Pippa der unerwartete Star bei Kates Hochzeit war, dann ist es bei dieser Hochzeit Michael Curry“: So brachte es ein Twitter-Nutzer nach der Trauung von Prinz Harry und Meghan Markle auf den Punkt. Während Kates Schwester Pippa vor sieben Jahren mit der guten Figur auffiel, die sie in ihrem Kleid machte, ist Michael Currys Verdienst ein ganz anderer. Er hat die Predigt zur Trauung gehalten. Und die hatte es in sich.

          Curry sprach die Hochzeitsgemeinde als „Brüder und Schwestern“ an. Er brachte damit einen Hauch der afroamerikanischen Kirchenkultur und auch des Kampfes gegen Rassismus mit nach Windsor. Der 65 Jahre alte Geistliche zitierte Martin Luther King und sprach über die heilsame Wirkung der von Sklaven gesungenen Spirituals – Meghans Mutter stammt von Sklaven ab. Während so manches Mitglied des Königshaus während des Gottesdienstes leicht irritiert bis befremdet wirkte, erntete Curry im Internet begeisterte Reaktionen.

          „Wir müssen die Kraft der Liebe entdecken“, zitierte Curry die amerikanische Bürgerrechtsikone King. „Und wenn wir das tun, werden wir aus dieser alten Welt eine neue Welt erschaffen können. Liebe ist der einzige Weg.“

          Die Macht der Liebe sei nicht zu unterschätzen und dürfe auch nicht mit Sentimentalität überladen werden, sagte Curry, der während seiner lebhaften Rede immer wieder weit mit den Armen ausholte und seine Worte mit bewegtem Minenspiel und akzentuierenden Pausen unterstrich. Die Liebe sei eine „echte Macht – eine Kraft, um die Welt zu verändern“.

          Zuschauer, die den Gottesdienst außerhalb der Kapelle auf Videoleinwänden verfolgten, reagierten amüsiert angesichts einiger verkniffen dreinschauender Royals und Gäste, die von der anglikanischen Mutterkirche in Großbritannien eher eine gewisse liturgische Spröde gewöhnt sind. Prinz Harry und Meghan Markle fing die Kamera dagegen ein, wie sie ein Grinsen unterdrückten.

          „Willkommen im 21. Jahrhundert!“

          „Damit habe ich nicht gerechnet. Nett, etwas so anderes zu sehen“, sagte eine Zuschauerin, die die Feier vor Schloss Windsor vor der Großbildleinwand verfolgte. Currys Botschaft sei „schön“ und „kraftvoll“ gewesen – „aber vielleicht etwas zu lang für die britische Öffentlichkeit“.

          Im Internet gab es hingegen begeisterte Reaktionen: „Ich kann es kaum glauben, dass ein Pastor auf einer verdammten königlichen Hochzeit über Sklaven-Spirituals spricht. Willkommen im 21. Jahrhundert!“ schrieb eine Nutzerin.

          Eine andere kommentierte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich bei einer Royal Wedding Zitate von Martin Luther King hören würde.“ TV-Moderator Piers Morgan stellte ein Bild von Curry ins Internet mit dem Kommentar: „Mein neuer Held!“

          Der 1953 geborene Curry ist Bischof von Chicago und seit 2015 das Oberhaupt der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten. Er ist der erste Afroamerikaner, der dieses Amt innehat. Die Episkopakirche ist der Ableger der anglikanischen Church of England.

          Einsatz für Schwulenrechte

          Der von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung geprägte Bischof setzt sich für die Rechte von Homosexuellen und die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen ein. Projekte für Bildung, arme Familien und Problemviertel im Inland liegen ihm genauso am Herzen wie der Kampf gegen Malaria im Ausland. Den Schritt der Episkopakirche, homosexuelle Eheschließungen in der Kirche zu erlauben, hat er öffentlich verteidigt. Die amerikanische Episkopakirche ist eine von zwei anglikanischen Kirchen weltweit, die kirchliche gleichgeschlechtliche Eheschließungen erlauben.

          Die in Los Angeles geborene Meghan Markle wurde vor ihrer Hochzeit anglikanisch getauft. Das Brautpaar hatte die Feier selbst mitgestaltet – die Rede des amerikanischen Predigers kann man auch als persönliche Note der beiden verstehen.

          Insofern läuft die Kritik einiger ins Leere, der Bischof habe zu lange geredet und dem Brautpaar die Show gestohlen. Die meisten waren sich ohnehin einig: Currys flammende Predigt auf die Liebe hat im üblicherweise eher steifen Großbritannien einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

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