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Praxis zu verschenken : Doktor Beitzens letzte Tage

  • -Aktualisiert am

Alte Wegbegleiter: Dr. Richard Beitzen steht am Empfang seiner Praxis in Siegburg und spricht mit seiner langjährigen Sprechstundenhilfe Silke Schmiedel. Bild: Frank Röth

Ein Hausarzt sucht jahrelang nach einem Nachfolger für seine Praxis. Dann sagt auch der letzte Kandidat ab, und es wird klar, dass nur noch ein Wunder hilft – oder ein ungewöhnlicher Schritt: die Praxis zu verschenken.

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          An einem Abend im April dieses Jahres, als die Hoffnung auf Rettung bereits gering ist, aber noch nicht vollkommen verschwunden, steigt der achtundsechzig Jahre alte Hausarzt Doktor Richard Beitzen gegen 19.30 Uhr am Abend in seinen Mercedes-Geländewagen, um einem jahrelangen Patienten einen Hausbesuch abzustatten. Es ist nicht weit, keine fünfzig Meter die Hauptstraße herunter, dann nach rechts einen Berg hoch, an dessen Kuppe schließlich noch mal einige wenige Meter nach links. Beitzen braucht für die Fahrt zwei Minuten; zwei Minuten, in denen er drei vorbeifahrenden Fahrradfahrern, Patienten von ihm, breit lächelnd zuwinkt. Vor dem Haus des Patienten angekommen, fährt er mit seinem Wagen rechts ran, steigt mit drei Rezepten in der Hand aus und klingelt an der Tür. Es dauert, immer wieder schaut Beitzen durch das milchige Glas, das in die Mitte der Tür eingelassen ist. Endlich: Es kommt jemand.

          „Hier ist der akademische Rezepte-Lieferdienst“, sagt Beitzen, schüttelt dem glatzköpfigen Mann, der die Tür geöffnet hat, die Hand und stürmt an ihm vorbei ins Haus. Der glatzköpfige Mann ist der Sohn des Patienten, Beitzen kennt ihn schon lange – der Patient ist ein alter Freund von ihm, ein ehemaliger Geschäftsführer einer mittelständischen Firma, mit dem Beitzen früher, vor dreißig oder vierzig Jahren, in einer Band gespielt hat. Immer, sagt Beitzen, habe er seinem Freund damals gesagt, dass er nicht alles in sich hereinstopfen solle, dass er auf seinen Blutdruck und seinen Zucker achten soll. Nie habe der auf ihn gehört. Dann, vor dreiundzwanzig Jahren, hatte der Mann einen Schlaganfall. Seitdem ist er rechtsseitig gelähmt.

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