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Schauspieler Ludwig Trepte : „Ich tauge nicht zum Prinzen“

Treffpunkt „Sauers Café“: Von Pankow, wo Ludwig Trepte mit seiner Familie wohnt, ist es nicht weit nach Mitte. Bild: Andreas Müller

Zweiter Weltkrieg, deutsche Teilung, Wiedervereinigung: Nicht nur in „Deutschland 86“ spielt Ludwig Trepte sich durch die jüngere deutsche Geschichte. Dabei überragt er oft alle anderen – auch in seinen Nebenrollen. Ein Treffen.

          Er war Viktor Goldstein, ein Jude, der dem Transport ins Vernichtungslager entkam und unter polnischen Partisanen den Krieg überlebte. Er war Axel Hoffmann, ein Oberfeldwebel, der in den letzten Stunden der DDR auf Posten am Grenzübergang Bornholmer Straße stand und sich mit immer mehr ausreisewilligen Bürgern herumschlagen musste. Und er war Alex Edel, ein Oberleutnant und Sohn eines Generalmajors, der sich mit einem DDR-Spion anfreundete und dann seine pazifistischen und homosexuellen Neigungen entdeckte.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Schauspieler Ludwig Trepte war schon einiges, und das nicht nur in „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013), „Bornholmer Straße“ (2014) und „Deutschland 83“ (2015). Er war zum Beispiel auch Philipp Melanchthon im Fernsehfilm „Katharina Luther“ (2017), er war ein preußischer Soldat in dem Mehrteiler „1864 – Liebe und Verrat in Zeiten des Krieges“ (2014), und er war Josko Indig in „Die Kinder der Villa Emma“. Auch dieser Film, 2016 in Österreich produziert, beruht auf einer wahren Begebenheit: der abenteuerlichen Flucht jüdischer Kinder im Jahr 1943 aus einer alten Villa in Italien in die neutrale Schweiz und schließlich weiter nach Palästina.

          Ludwig Trepte ist an diesem sonnigen Tag mit der U2 gekommen. Von Pankow ist es für ihn nicht weit nach Berlin-Mitte. Treffpunkt ist das „Sauers Café“ gegenüber der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In diesem Jahr hat er Frank Castorfs „Faust“ beim Theatertreffen gesehen. „Vor der Leistung der Schauspieler habe ich einen Heidenrespekt.“ Theater, sagt Trepte, sei nie wirklich ein Thema für ihn gewesen. „Dafür muss man spielen können.“ Ludwig Trepte mangelt es gewiss nicht an Selbstvertrauen. Und er kann auch spielen. Doch er fühlt sich nun mal viel wohler vor einer Filmkamera als auf der Theaterbühne. Zudem liebt er es, in die jüngere deutsche Geschichte einzutauchen: Zweiter Weltkrieg, deutsche Teilung, DDR und BRD, Mauerbau, Wiedervereinigung.

          Figuren, die aus dem Lot geraten sind

          Meist spielt der knapp 1,70 Meter große Schauspieler nicht die Hauptrolle. Oder, wie er es ausdrückt: „Ich tauge nicht zum Prinzen.“ Seine Nebenfiguren haben allerdings fast immer eine tragende Bedeutung, die oft auch die anderen überragt.

          In der achtteiligen Fernsehserie „1864 – Liebe und Verrat in Zeiten des Krieges“, der bislang teuersten dänischen Fernsehproduktion, spielt Trepte den preußischen Soldaten Heinz. Er ist eigentlich nur eine wiederkehrende Randfigur, einer von vielen im Fußvolk. Und doch steht er für den Deutschen an sich. Heinz ist unter den vielen Soldaten der einzige, der einen Namen trägt. Schon allein deswegen sticht er aus der Masse der Preußen heraus. Das muss er, weil er eine der Hauptfiguren, den Dänen Laust Jensen, am Ende in der entscheidenden Schlacht erschießt, kurz bevor sich dieser mit seinem Bruder Peter versöhnen kann. Auf den Düppeler Schanzen wurden damals, am 18. April 1864, Hunderte Dänen von den Preußen getötet. Es war ein sinnloses Sterben in einem sinnlosen Krieg, der Kaiser Wilhelm I. allerdings die Provinzen Schleswig und Holstein einbrachte und der als der erste von insgesamt drei Deutschen Einigungskriegen in die Geschichtsbücher einging.

          „Unsere Mütter, unsere Väter“: Trepte (links) als Viktor Goldstein.

          In „Unsere Mütter, unsere Väter“, dem mit vielen Preisen bis hin zu einem Emmy überhäuften Dreiteiler, gehört Trepte zu den fünf Hauptdarstellern. Die fünf Freunde müssen im Sommer 1941 Abschied voneinander nehmen. Wilhelm und Friedhelm gehen als Soldaten an die Ostfront, Charlotte wird ihnen später freiwillig als Krankenschwester folgen. Alle drei werden im Laufe des Krieges zu Tätern, und auch die vierte im Bunde, Greta, lässt sich auf unheilvolle Weise mit den Nationalsozialisten ein, auch wenn sie anfangs nur ihren Freund Viktor retten will. Dem eher unscheinbaren Viktor Goldstein hingegen gehört die Sympathie des Zuschauers, spätestens wenn er nach dem Krieg auf genau jenen Gestapo-Mann im neuen Amt und mit neuen Würden trifft, der ihn ins Vernichtungslager bringen wollte und der Greta noch kurz vor Kriegsende hinrichten ließ.

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