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Port Elizabeth wird Gqeberha : Südafrika streitet über neue Ortsnamen

Menschen in der ehemaligen Hafenstadt Port Elizabeth, die künftig Gqeberha heißen wird. Bild: dpa

Die südafrikanische Hafenstadt Port Elizabeth trägt nicht länger den Namen einer britischen Gouverneursfrau: Die Regierung des Landes ändert alte Kolonialnamen. Im Land sorgt das zum Teil für Unmut.

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          Der neue Name von Port Elizabeth ist selbst für Südafrikaner eine Herausforderung. Die Küstenstadt in der Provinz Ostkap heißt künftig Gqeberha. Das ist die Bezeichnung eines Flusses in Xhosa, einer der elf Nationalsprachen des Landes, in der Klicklaute eine wichtige Rolle spielen.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          „Ich bin ein Xhosa, und selbst ich kann nicht Gqeberha aussprechen“, beschwerte sich ein Nutzer auf Twitter. Gqeberha enthält sogar einen doppelten Klick. Ein anderer gab zu bedenken, dass sich Touristen bei dem Namen verzweifelt am Kopf kratzen müssten. Befürworter hielten dagegen, auch viele nichtafrikanische Orte seien nicht leicht auszusprechen. Das halte niemanden davon ab, nach Gloucestershire in England oder Maroochydore in Australien zu reisen.

          Symbolischer Strich unter der Kolonialzeit

          Port Elizabeth – oder kurz PE – ist nicht der einzige Ort, der einen neuen Namen hat. Anfang dieser Woche gab Südafrikas Sport- und Kulturminister Nathi Mthethwa weitere Änderungen bekannt: Uitenhage, wo Volkswagen Autos produziert, heißt künftig Kariega, King William’s Town wird zu Qonce, Maclear zu Nqanqarhu, und die Einwohner von Berlin müssen ihre Adresse nun mit Ntabozuko angeben. Das Städtchen wurde von einem Missionar gegründet und 1857 von deutschen Siedlern nach der deutschen Hauptstadt benannt. Außerdem werden die Flughäfen von Port Elizabeth und East London in Chief Dawid Stuurman International Airport und King Phalo Airport umbenannt.

          Änderungen von Ortsbezeichnungen sind nichts Neues in Südafrika. Viele Städte, Gemeinden, Straßen und Flughäfen bekamen seit dem Ende der Rassentrennung einen neuen Namen, um symbolisch einen Strich unter die Kolonial- und Apartheidszeit zu ziehen.

          Einige Änderungen – wie die des Kapstädter Flughafens von D.F. Malan zu Cape Town International Airport – verursachten wenig Aufruhr. Als Pretoria jedoch 2005 in Tshwane umbenannt wurde, gab es leidenschaftliche Debatten. Nicht nur afrikaanssprachige weiße Südafrikaner protestierten. Pretoria ist nach Andries Pretorius benannt, der die weißen Afrikaaner einst auf ihrem Zug vom britischen Kapstadt ins Landesinnere geführt hatte. Doch auch Vertreter der Ndebele-Volksgruppe, die seit Jahrhunderten in der Gegend lebt, kritisierten, sie hätten nie zuvor von einem Stammesführer namens Tshwane gehört. Man könne eine Straße nach ihm benennen, aber keine Stadt. Am Ende einigte man sich darauf, den Kreis um Pretoria als Tshwane zu bezeichnen, die Kernstadt behielt ihren Namen.

          „Diese Stadt ist auch Teil meiner Geschichte“

          Auch gegen die jüngsten Namensänderungen gibt es Widerstand. Die Oppositionspartei Democratic Alliance kündigte am Donnerstag an, schriftliche Fragen dazu im Parlament zu stellen. Man wolle die Kosten erfahren und sicherstellen, dass die Öffentlichkeit angemessen an dem Prozess beteiligt werde. Kritiker starteten die Petition „Keep the name Port Elizabeth“ und sammelten bisher mehr als 36.000 Unterschriften. Dabei geht es nicht nur um Kosten und Aussprache, sondern um komplexere Fragen wie Identität und Zugehörigkeit.

          „Diese Stadt ist auch Teil meiner Geschichte“, sagt Jackie Serfontein, die zu den Initiatoren gehört. Die frühere Siedlung im Ostkap bekam ihren Namen 1820 von Sir Rufane Donkin, dem Gouverneur der Kapkolonie, um an seine verstorbene Frau Elizabeth zu erinnern. Die Befürworter indes wollen mit den neuen Namen auch unterdrückte Volksgruppen wie die Khoisan ehren.

          Der neue Namensgeber des Flughafens von Gqeberha beispielsweise, Dawid Stuurman, war ein Stammesführer, der sich vor 200 Jahren gegen die holländischen und britischen Kolonialisten auflehnte. Er wurde mehrmals auf der Gefängnisinsel Robben Island inhaftiert, bevor er nach Australien verbannt wurde, wo er starb. Kariega wiederum solle an die ursprünglichen Bewohner erinnern, die diese Gegend so genannt hätten, sagt der Khoisan-Vertreter Mervyn Allies. „Wenn wir hier entlangfahren, wollen wir das Gefühl haben, dass wir zu Hause in Afrika sind.“

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