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Pornodarsteller Conny Dachs : Der letzte seiner Art

  • -Aktualisiert am

Deutschlands wohl bekanntester männlicher Pornodarsteller: Conny Dachs Bild: Pawlowski, Roman

Die Pornoindustrie verhilft allenfalls einigen Frauen zu ein wenig Ruhm, die Männer bleiben unbekannt. Die Ausnahme nennt sich Conny Dachs. Doch auch ihm macht die Krise der Branche zu schaffen.

          An einem Sonntagmorgen ist die Reeperbahn ein Versprechen, das nicht eingehalten wurde. Die letzten Versprengten schleichen vorbei an den Bars, aus denen Musik wummert, Müll liegt auf dem Bürgersteig, die Leuchtreklamen wirken trostlos. Der Mann, der sich Conny Dachs nennt, gehört zu den wenigen hier, die nicht noch, sondern schon wieder wach sind.

          Der 49-Jährige trägt eine schwarze Brille, schwarze Stoffhose, schwarze Krawatte, schwarze Lederjacke, graues Hemd, schwarz-gelbe Turnschuhe. Seine dunkelbraunen Haare hat er hochgegelt. In der Hand hält er einen kleinen Rollkoffer, in den er auch ein Ei und eine Vollkornschnitte aus dem Hotel gepackt hat.

          Auch Szenen mit Handlung

          Der Mann, der Deutschlands letzter Pornostar ist, betritt einen Schuhladen, der eingerahmt ist von einer Trinkhalle und einem Dönerladen. Gegenüber liegt ein Bordell. Dachs geht vorbei an grellen, hochhackigen Schuhen, an Autogrammkarten von Heidi Klum, Olivia Jones und Verona Pooth, hinauf in die erste Etage. Es ist Zeit, der Conny Dachs zu sein, den sie gebucht haben.

          Das Erste, was die Filmcrew von ihm sieht, ist ein Grinsen. Es wird nur ein paar Minuten dauern, bis Regisseur und Kameramann Nils Molitor sagt: „Conny, wir brauchen dich jetzt.“ Es werden keine drei Stunden vergehen, bis er einen Orgasmus vortäuscht. Und keine vier Stunden, bis er auf den Knien herumrutscht.

          Sogar mit Handlung: Conny Dachs und eine Kollegin am Filmset

          Es gibt Menschen, die lassen sich lesen wie ein offenes Buch. Conny Dachs ist ein Sudoku-Heft. Wer ist dieser Kerl? Und wer ist dieser Michael Konrad, wie Conny mit bürgerlichem Namen heißt? An diesem Tag jedenfalls ist Conny Dachs Hauptdarsteller in einer Produktion für den Erotiksender Beate-Uhse-TV. Die Serie „Lust Pur“ dreht er seit 2001. In jeder Folge probiert er einen anderen Beruf aus, Stallbursche, Eisverkäufer, Gärtner, und schlittert in Sexgeschichten mit Frauen.

          Heute soll er in seiner Rolle seiner guten Freundin „Hanna“ aushelfen, die einen Schuhladen führt. Hanna ist blond, trägt einen kurzen schwarzen Rock, eine weiße Bluse, Netzstrumpfhose, hochhackige Schuhe. Weil es aber kein Pornofilm ist, sondern eine Erotikproduktion, muss es auch Szenen mit Handlung geben. Conny betritt den Laden. Hanna zeigt Conny das Geschäft. Hanna und Conny gehen in die erste Etage, und sie bittet ihn, die Schuhe zu zählen.

          „Klingt wie Karussellbremser“

          Zwischendurch müssen sie immer wieder warten, weil die Crew umbaut. In einer dieser Pausen sagt Dachs zu Hanna, die eigentlich Paula heißt: „Ich mag das Wort ,Pornodarsteller’ nicht. Wenn ich sehe, wer sich Schauspieler nennen darf, nehme ich auch für mich in Anspruch, Schauspieler zu sein. Darsteller klingt wie Karussellbremser.“ In einer dieser Pausen trifft eine russische Journalistin mit ihrem Kameramann ein, sie wollen die Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm begleiten.

          Das Team arbeitet sich professionell voran. Fast hat man den Eindruck, hier werde eine Scripted-Reality-Sendung fürs Nachmittagsprogramm von RTL gedreht. Dann aber sagt Hanna zu Conny: „Ich hab’ keine Lust auf Schuhe, ich hab’ Bock auf dich.“ Kurze Zeit später fallen sie theatralisch übereinander her, die Penetration wird nur angedeutet.

          Pornografie darf im deutschen Fernsehen nicht gezeigt werden. Zwei Kameras halten alles fest, der Tonmann fängt das Gestöhne ein. Der Regisseur sagt nüchtern: „Wechsel zur letzten Position“ und schließlich: „Langsam zum Orgasmus.“ Danach zieht sich Conny die Hose hoch, als sei nichts geschehen. Für ihn ist das nach 18 Jahren Routine. Schuld daran ist eine Sauna.

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