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„Popbitch.com“ : Kate Moss sucht die Klotür

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Fragte sich laut popbich.com, wie sie das Klo betreten sollte: Kate Moss Bild: AP

Das britische Internet-Magazin „Popbitch“ veröffentlicht exklusive Indiskretionen über Stars - und bewahrt sich dabei Humor, Charme und Snobismus.

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          Ein Mitglied der königlichen Familie verführt einen Diener mit Hilfe von Kokain zu Sex, hält die Boulevardpresse der gesamten Welt auf Trab - und soll kein Thema für „Popbitch.com“ sein, eines des erfolgreichsten Klatschmagazine im Internet?

          „Das erwartet man doch geradezu“, sagt Camilla Wright lächelnd in ihrem Londoner Büro und schlägt wohlerzogen die Beine übereinander. Sie weiß, dass sie mit ihren weichen, braunen Augen aussieht wie jemand, der gern Adventskränze flicht, aber nicht für seinen bösen, erbarmungslosen Humor bekannt ist.

          Von dieser Auflage kann der „Independent“ nur träumen

          „Wo ist die Überraschung? Für ,Popbitch' ist das keine Story.“ „Popbitch.com“ ist ein Celebritymagazin, das als Newsletter jeden Donnerstag an mehr als 360.000 Leser verschickt wird, also eine Auflage hat, von der große Tageszeitungen wie der „Independent“ nur träumen können.

          Fragte sich laut popbich.com, wie sie das Klo betreten sollte: Kate Moss Bilderstrecke
          „Popbitch.com“ : Kate Moss sucht die Klotür

          In Zeiten, da selbst etablierte Printmedien wie die „New York Times“ unter dramatischem Auflagenrückgang leiden, sind auf www.popbitch.com im sechsten Jahr seit der Gründung immer noch die Waffen einer neuen publizistischen Gegenkultur zu erkennen: Schnell wird geschrieben, oft schlampig, dafür meist unterhaltsam. Eine Frechheit gegenüber der Autorität der Printmedien. Einerseits. Andererseits wird auf „Popbitch.com“ im Unterschied zu Internetmagazinen, die nur Gewinn machen wollen, ein sprachlicher und inhaltlicher Snobismus gepflegt, der das Konzept vom globalisierten, allen zugänglichen Netz insgeheim langweilig findet.

          Wer ist der königliche Drogenliebhaber?

          Wer steckt denn jetzt hinter dem königlichen Drogenliebhaber, der für 50.000 Pfund erpresst werden sollte? „Lord Linley“, flüstert Camilla Wright vergnügt den Namen des Sohnes von Prinzessin Margaret, den in England aus rechtlichen Gründen keine Zeitung erwähnen darf. „Popbitch“ ist eine Legende, hinter der die britische Pop-Journalistin Julie Burchill lange die Pet Shop Boys vermutete, weil die eigentlichen Macher unbedingt unerkannt bleiben wollten. Die sagenhafte Erfolgsgeschichte dieser Institution hat mehrere Gründe.

          Zum Beispiel die Exklusivität. „Popbitch“ hat schon am 30. August vergangenen Jahres von Jennifer Lopez' Schwangerschaft berichtet, als erstes Medium auch von David Beckhams Affären, 18 Monate bevor „News of the world“ damit herausplatzte. Bei „Popbitch“ erfuhr man bereits den Namen von Madonnas Sohn „Rocco“, bevor er geboren war, genauso wie die Namen zweier führender Liberaldemokraten aus Westminster, die in einen Sexskandal verwickelt waren. „Warum sollen wir die Geschichten für uns behalten?“, fragt Camilla Wright und zieht ihr schwarzes Minikleid zurecht. Es geht ihr um „Demokratisierung“, was ganz schön klingt, aber auch etwas unglaubwürdig aus dem Mund einer Frau, die so rebellisch wirkt wie das Teeservice im Claridge's.

          Das Stichwort für den Tourmanager, drei Prostituierte zu besorgen

          Ein zweiter Erfolgsfaktor ist der Hang zur Exzentrik, die zumindest in dieser Form offenbar überall auf der Welt gut ankommt. Freunde, Friseure, Barkeeper, PR-Leute und Stars selber liefern „Popbitch.com“, was sie für amüsanten Klatsch über Celebrities halten. In der oft kopierten Rubrik „welcher Star hat . . .“ konnte man zum Beispiel lesen, dass Hugh Grant als Liz Hurleys Liebhaber einen jamaikanischen Akzent nachmachte, dass Will Smith nicht schwimmen kann, dass Van Morrison auf Tour seine Abende mit den „United Nations“ verbringt - das Stichwort für den Tourmanager, drei Prostituierte zu besorgen, eine weiß, eine schwarz, eine asiatisch.

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