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Pop-up-Radwege in Berlin : Im Windschatten von Corona

  • -Aktualisiert am

Aktivisten lotsen Radfahrer auf einen Pop-up-Radweg im Wedding. Bild: Karsten Thielker

In Berlin erfreuen sich die Radfahrer an Fahrspuren, die während des Corona-Lockdowns zu Radwegen umgewandelt wurden – und bremsen die Autofahrer aus. Die Opposition zeigt sich alles andere als begeistert.

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          Für Lenz Weubel ist es eine verzwickte Lage, als er um halb neun Uhr morgens mit seinem Lieferwagen in der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg zum Stehen kommt. Für einen großen deutschen Supermarkt bringt er den Kunden die im Internet bestellten Lebensmittel nach Hause. Vor einigen Wochen wurde das noch auf den Balkonen beklatscht, heute wird er beschimpft. Weubel lädt gerade Tüten und Kisten auf seine Sackkarre, als ein Radfahrer vor ihm abbremst und ihn unwirsch auffordert, den Lieferwagen wegzufahren, weil er auf dem Radweg stehe. Während des Corona-Lockdowns ist die Kantstraße nämlich von einer vierspurigen zu einer zweispurigen Straße geworden. Die jeweils rechten Fahrspuren wurden zu „Pop-up-Radwegen“ umgewandelt. Statt auf dem Bürgersteig fahren Radfahrer nun auf einer eigenen Spur auf der Straße.

          Nicht nur in Charlottenburg hat die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz den Corona-Stillstand genutzt, um dem Radverkehr eine eigene Spur zu geben. Insgesamt 22 Kilometer Autospuren wurden seit Ende März auf einem Dutzend Straßen in temporäre Fahrradwege umgewandelt; 30 bis 50 weitere Kilometer sollen bis Jahresende folgen. Für Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) wurden so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: „Wir schaffen eine sichere Infrastruktur, um die Berliner zum Radfahren zu motivieren – und damit sie jetzt in der Pandemie-Zeit genügend Abstand halten können.“ Tatsächlich wuchs der Radverkehr in Berlin allein im April um fast sechs Prozent gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr, während weniger Menschen das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel nutzten.

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