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Polyamore Liebe : Balanceakt zu dritt

Er selbst mag solche Gespräche: „Ich mache was, was andere nicht machen.“ Am Abend, als das Familientreffen zu Ende war, blieben die drei in der leeren Wohnung der Mutter zurück. Heiner übernachtete in der Küche, Andrea im Wohnzimmer und Beate im Schlafzimmer. Am Morgen pendelte Heiner mit Kaffee von Zimmer zu Zimmer. Beate, die bei dem Gespräch am Küchentisch zwar nicht dabei, aber trotzdem zu einem Gespräch bereit ist, sagt: „Es war die geschmackvolle Lösung.“

„Ich mag keine Verantwortung“

Beate bezeichnet sich als „abschnittsmonogam“, sie kann sich nicht teilen und braucht viel Raum für sich allein. Polyamorie ist ihr fremd, „aber ich finde sie nicht degoutant“, erklärt sie. Eifersüchtig sei sie nicht, denn sie sei ja die zweite Frau gewesen, die hinzugekommen sei. Wenn sie aber die erste Frau gewesen wäre und dann eine zweite dazugekommen wäre - damit hätte sie Schwierigkeiten.

Bild: Jan-Hendik Holst

Manchmal stellt sie sich deswegen vor, dass die Dreierkonstellation für Andrea schwerer ist als für sie selbst. „Aber sie steckt ihr Revier schon ab“, hat Beate beobachtet, „sie hat mir einmal gesagt, wenn sie in ein Kibbuz nach Israel gehen würde, dann würde Heiner da mitgehen.“

Wenn man Andrea auf Beate anspricht, will sie von Konkurrenzgedanken aber nichts wissen. „Ich mag sie und habe Vertrauen zu ihr. Und ich empfinde es als Bereicherung, dass sie da ist, weil ich jetzt zum Beispiel nicht mehr die einzige bin, die sagen muss: ,Heiner, geh doch mal zum Friseur.’“ Auch Beate sagt, dass sie es gut findet, dass es Andrea gibt: „Es ist so befreiend, nicht so viel Verantwortung übernehmen zu müssen in einer Zweierbeziehung. Bei meinen anderen Männern musste ich nach zwei Jahren immer gehen, weil es mir zu viel wurde. Meine Mutter war Alkoholikerin, ich mag keine Verantwortung.“

„Er wird nichts verpasst haben, wenn er fünfzig ist“

Heiner kann das so stehenlassen. Er wirkt wie ein äußerst verständnisvoller Mann, der die Erfahrung gemacht hat, dass sich alle Probleme lösen lassen, wenn man sie nur offen anspricht. Die einzige Gefahr, die er bei seiner Dreierkonstellation sieht, ist, dass er gedanklich bei der einen Frau ist, während er mit der anderen schläft. Deswegen verbringt er meist einen Tag allein zu Hause, bevor er - tief erfüllt von der Dankbarkeit über sein reiches Leben - von der einen Frau zur anderen wechselt.

Dankbar für die Freiheit, die ihnen der jeweils andere lässt, sind auch Marie und Florian Hardenberg. Marie ist davon überzeugt, dass sich die lange Leine, die sie Florian lässt, als stabilisierend bewähren wird. „Es gibt keinen Grund für ihn, nicht zu mir zurückzukommen.“ Auch nicht, wenn sie älter wird und eine junge Frau ihn lockt? „Er wird nichts verpasst haben, wenn er fünfzig ist, und muss deswegen auch nicht gehen.“ Und wenn ihr jemand viel Geld und ein Leben im Luxus in Aussicht stellen würde?

Auch das ist schon geschehen. Da war dieser berühmte Schauspieler, zehn Jahre älter als sie, mit dem sie ab und zu ins Bett geht und der sie einlud, eine Woche mit ihm in einem teuren Hotel im Ausland zu verbringen. Er warf mit großen Namen um sich, er sagte zu ihr: „Marie, du brauchst einen Mann, der dich beschützt und versorgt, der dir was bietet und nicht wie Florian noch ein viertes Kind von dir will.“ Sie wäre wahnsinnig gern mit ihm gekommen, aber Florian sagte, das würde ihn verletzen.

Sie hat dann in sich hineingehorcht und gemerkt, dass sie den anderen Mann nicht liebt und Florian nicht verletzen will. Also hat sie auf die Reise verzichtet. Aber vielleicht wird sie weiterhin ab und zu mit diesem Mann schlafen, denn sie mag ihn sehr gern. Florian sagt: „Ich krieg dann von ihrer Fröhlichkeit was ab, wenn sie nach Hause kommt.“ Es klingt souverän.

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