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Polyamore Liebe : Balanceakt zu dritt

„Mal Schokolade, mal Sex mit einem anderen Mann“

Auf einem breiten Sofa liegen, zwischen Bilderbüchern auf einer bunten Patchworkdecke, die beiden älteren Kinder. Sie haben Fieber, Florian fühlt ihnen die Stirn, kocht Tee und schmiert Brötchen. „Ob er mit einem Kumpel Skat spielt oder mit einer anderen Frau ins Bett geht, ist mir egal. Man sollte das tun, was man will“, sagt Marie. „Mach ich doch auch so: Mal will ich Schokolade essen, mal will ich Sex mit einem anderen Mann.“

Sie meint das nicht so wurstig, wie es klingt. Sie kann das, was sie seit acht Jahren lebt, in vielen überzeugenden Worten darlegen und ist doch nicht der Meinung, dass jeder so leben sollte und könnte wie sie selbst. Im Kern geht es den Hardenbergs darum, ehrlich miteinander zu sein, den anderen in seiner Entwicklung zu unterstützen und ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten.

Eifersüchtig sind sie trotzdem manchmal. Zwei Tage nach der Hochzeit zum Beispiel verbrachte Florian eine Nacht mit einer gemeinsamen Freundin. „Ich dachte, er liebt mich gar nicht“, erzählt Marie, „und hatte eine ganz schlimme Nacht.“ Inzwischen aber spürt sie, wie sehr er sie liebt, und er sagt es ihr auch immer, wenn er von einer anderen Frau kommt.

Updates vom Sex mit anderer Frau

Gut auszuhalten ist es immer dann für sie, wenn sie sich nicht als Opfer sehen muss. Vor kurzem zum Beispiel war es ganz leicht zu ertragen: Da wollte die Freundin, die sie vor acht Jahren einander vorgestellt hatte, mit Florian schlafen. „Also habe ich das eingefädelt und zu Florian gesagt: ,Na dann, jetzt hopp!’“, erzählt Marie. Florian reicht derweil der einjährigen Tochter, die aufgewacht ist und die er nun auf dem Arm hält, ihr Fläschchen und fügt hinzu: „Als ich dann dort war, bekam Marie zwischendurch telefonische Updates, wie weit wir miteinander waren.“

Marie lächelt. Sie konnte ihm das gönnen. Als er am nächsten Tag nach Hause kam, roch sie an ihm und fand es schön, ihn und ihre Freundin zu riechen. Weil sie beide so gern mag. Sie fände es auch schön, wenn die beiden in Zukunft immer mal wieder Sex miteinander hätten. „Die Freundschaft zwischen ihnen ist dadurch erst rund geworden“, sagt sie. Und präzisiert: „Ich finde das ein bisschen albern mit dieser Sexualität, sie ist ein Teil einer menschlichen Beziehung, aber ein kleiner Teil.“

Bild: Jan-Hendrik Holst

Es ist auch nicht so, dass jeder von ihnen ständig andere Beziehungen hat. Vor ein paar Jahren, da war der älteste Sohn drei, war Marie aber mal vier Monate lang mit jemandem zusammen, den sie dann auch im Beisein des Kindes geküsst hat. Der Sohn hat das so hingenommen. Erklärt haben sie den Kindern bislang nichts. „Die finden es normal“, sagt Florian. Die beiden älteren Kinder sind jetzt auch aufgewacht und sitzen zwischen den Eltern auf der Bank am Tisch. Beide werden immer wieder liebevoll gestreichelt, ganz still sitzen sie da und hören zu, während ihr Vater erzählt, dass er auf diese andere Beziehung ihrer Mutter eifersüchtig war. Dass es ihm schlecht ging, wenn sie bei dem anderen schlief, während er die Kinder hütete.

„Weil ich eben nicht perfekt bin“

Also wollte er den anderen Mann kennenlernen, diese andere Liebe seiner Frau. Danach ging es ihm besser. „Der Mann ist groß, hat lange blonde Haare, ein breites Kreuz und was Beschützendes. Ich habe gemerkt, dass Marie von ihm was bekommt, was ich gar nicht geben kann oder will, weil ich eben nicht perfekt bin. Und ich habe gelernt, dass Marie mich so liebt, wie ich bin. Das war eine ganz große Erkenntnis für mich.“

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