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Playboy wird 90 : Im alten Garten Eden

  • -Aktualisiert am

Provozierte mit seinem Lebensstil: Rolf Eden. Das undatierte Foto ist in im Film „Big Eden“ zu sehen. Bild: dpa

Er will mit mehr als 1000 Frauen im Bett gewesen sein: Rolf Eden ist der „letzte deutsche Playboy“. Am Donnerstag wird er 90 Jahre alt.

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          Sein Leben könnte Rolf Eden erzählen als Geschichte eines aufregenden Vagabunden: 1930 in Berlin geboren, mit der jüdischen Familie 1933 nach Palästina geflohen. In Israel kämpfte er als Soldat im Unabhängigkeitskrieg – und zeugte dort mit einer etwas älteren Soldatin sein erstes Kind. Dann zog er nach Paris, kellnerte und musizierte, um Geld zu verdienen. Nach drei Jahren las er 1957 in der Zeitung von 6000 Mark Belohnung, die jedem Berliner gezahlt würden, der in die zerstörte Stadt zurückkommt.

          Wegen dieses Geldes könnte man Rolf Edens Leben auch als Geschichte eines Aufsteigers lesen: vom Kellner zum Immobilienbesitzer, der amerikanische Traum auf Deutsch. Als Vierzehnjähriger jobbte er noch in Haifa, um die Familie zu unterstützen. In Paris verdiente er sein Geld als Kellner, Pianist und Sänger, in Berlin arbeitete er in einer amerikanischen Bar, bis er die 6000 Mark erhielt, mit dem er seinen ersten Nachtclub finanzierte: den „Eden Saloon“.

          Er könnte sogar als Sexualaufklärer durchgehen. Das Konzept seiner Clubs: viel nackte Haut. Weibliche DJs traten oben ohne auf. Regelmäßig holte Eden bei Wahlen zur „Miss Festspiele“ oder „Miss Busen“ nackte Frauen auf die Bühne. Damit schaffte es der Club als „originellste Bar der Welt“ in einen amerikanischen Reiseführer. Stars wie die Rolling Stones, Paul McCartney, Shirley MacLaine oder Ella Fitzgerald feierten bei ihm. Aus dem „Eden Saloon“ wurden sechs Clubs; die verklemmte Nachkriegsgesellschaft in Deutschland und den Vereinigten Staaten machte sich locker.

          Rolf Eden bei Cinema for Peace 2012 in Berlin
          Rolf Eden bei Cinema for Peace 2012 in Berlin : Bild: dpa

          Jetzt ist die Gesellschaft weiter

          Rolf Eden provozierte auch mit seinem Lebensstil: Er rühmt sich, mit mehr als 1000 Frauen im Bett gewesen zu sein, und präsentiert sich selbst bis heute als „Playboy“. So wie seine Jacketts immer weiß sind, sehen auch seine Frauen immer gleich aus: schlanke Taille, große Brüste, liebliches Lächeln. Und jung müssen sie sein: Frauen, die älter sind als 25, wolle er nicht, sagte er mal. Erst mit 80 Jahren machte er eine Ausnahme, die seit 15 Jahren hält: Seitdem hat er eine Freundin, die inzwischen 40 Jahre alt ist und noch immer bei ihm lebt. Er nennt sie Brigitte, wie Brigitte Bardot.

          Jetzt ist die Gesellschaft aber weiter: Wer will, findet kostenlose Pornos im Netz, nackte Brüste sind in vielen Werbeprospekten abgebildet und schon Grundschüler sind heute aufgeklärt. Selbst über weibliche Sexualität wird gesprochen, Sexismus nicht mehr hingenommen. Männer wie Rolf Eden, die meinen, sie müssten ihre zweifelhaften Komplimente weiterhin loswerden und ihren Arm noch immer auf den Schultern fremder Frauen ablegen, sind da überholt.

          Manchmal merkt das nur niemand, und solche Macho-Männer bleiben auf der Bühne präsent wie ein längst vergessenes Buch, das immer noch im Schrank steht – obwohl es niemand mehr lesen wird. An diesem Donnerstag wird Rolf Eden 90 Jahre alt. Na dann: Herzlichen Glückwunsch!

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