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Interview mit Phil Collins : „Mein Leben hat mehr Balance“

Man denkt immer, Leute wie Sie, die Songs über die Liebe schreiben, wüssten mehr darüber als andere. Gibt es eine Lektion über die Liebe, die Sie mit uns teilen könnten?

(Zögert lange.) Ich habe da keine Regeln; ich kann niemandem helfen. (Lacht.)

Eine der ungewöhnlichsten Episoden in Ihrer Autobiographie betrifft Ihren Versuch, Ihre erste Frau Andy zurückzugewinnen - indem Sie ein Mix-Tape mit romantischer Musik erstellen. Ausgerechnet Sie, der Sie vermutlich auf mehr Mix-Tapes vertreten sind als jeder andere! Sie luden sie ein, Sie im Hotel zu treffen. Im Tape-Deck des Zimmers: ein Band mit Popsongs, „Fool (If You Think It’s Over)“ von Chris Rea und dergleichen . . .

Ich hatte Champagner und Blumen bestellt, sie kam, und - nichts. Sie war unbeeindruckt.

Verstehen Sie, warum Leute das Gefühl haben, dass etwas in Ihren Songs zu ihnen spricht?

Ich habe, was vielen Leuten nicht gefallen hat, immer sehr direkt und unverstellt geschrieben.

„How can you just walk away from me?“

Wenn Leute sagen, dass meine Musik sie anspricht, dann, weil da ein normaler Mensch ausdrückt, was normale Menschen fühlen. Weil man nicht danach suchen muss. Das ist manchmal aber auch schön, denken Sie an Dylan.

Vielleicht fühlen sich Leute auch angesprochen, weil sie den Schmerz erst einmal nicht loswerden, sondern auskosten wollen. Ein süßer Schmerz.

Ja, das trifft es ganz gut.

Viele der Songs sind Botschaften an Menschen in Ihrem Leben, zum Beispiel, im Fall Ihrer ersten Soloplatte, Ihre erste Frau.

Ja, ich dachte: Junge, wenn sie das hört, wird sie alles verstehen. Wenn man Glück hat, gewinnen die Botschaften an eine bestimmte Person aber etwas Universelles, was für jeden passt.

Dieser Moment ist so unpassend wie jeder andere, aber ich muss nach Ihrer Gesundheit fragen, weil Sie schlimme Probleme hatten in den letzten Jahren. Sind Sie wieder okay?

Ich bin okay. Das einzige Problem, das ich habe, ist mein rechter Fuß; durch die Rücken-OP ist er taub. Ich warte darauf, dass die Nerven sich regenerieren; das dauert: ein Millimeter pro Woche, so die Ärzte.

Können Sie Schlagzeug spielen? Einen einstündigen Gig?

Nein. Ich würde einige Zeit brauchen, um zu üben. Mein letzter Auftritt war 2010. Das ging gar nicht gut; ich dachte, ich würde nie wieder am Schlagzeug sitzen. Jetzt geht es mir besser. Das Problem ist der Griff; mir fehlen die Geschmeidigkeit und die Stärke in den Fingern.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Wenn Sie ein Selfie von sich in der typischsten Situation machen müssten, was wäre darauf zu sehen?

Wie ich vor dem Fernseher sitze und Donald Trump zusehe. CNN. Ich bin süchtig nach dieser Wahl.

Eine dunkle Seifenoper.

Ja, man will wissen, was als Nächstes passiert.

Letzte Frage: Welches Lied soll bei Ihrer Beerdigung gespielt werden?

Bei meinem Dad war es „Jesu, meiner Seelen Wonne“; er mochte Bach. Für die eine oder andere Träne bin ich zu haben. (Lacht.)

Zur Person

Geboren 1951 in London; Vater Versicherungskaufmann, Mutter Künstleragentin. Besuchte als Teenager eine Schauspielschule; spielte Theater. Seit Anfang der Siebziger Erfolge als Drummer, dann auch als Sänger der Band Genesis. Seit den Achtzigern auch Riesenerfolge als – von der Kritik ungeliebter – Solokünstler: „Against All Odds“, „One More Night“, „Separate Lives“; 250 Millionen verkaufte Tonträger. Drei Ehen, fünf Kinder. Am 24. erscheint „Da kommt noch was – Not Dead Yet. Die Autobiographie“; Heyne Verlag, 528 Seiten, 24,99 Euro.

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