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Stuart Pigotts Brexit : Deutscher werden

  • -Aktualisiert am

Unter Deutschen: Bezirksstadträtin Sandra Obermeyer gratuliert Stuart Pigott zu seiner Einbürgerung. Bild: Matthias Lüdecke

Stuart Pigott lebt schon lange in Deutschland. Doch nun hat er sich aus politischen Gründen zu seinem ganz persönlichen Brexit entschlossen. Hier berichtet er, was mit der Bürokratie seines neuen Landes erlebt hat.

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          Was ich, geborener Brite, der Kulturwissenschaft in London studiert hat und danach Weinjournalist in Deutschland wurde, bei meinem Bemühen um die deutsche Staatsbürgerschaft erlebt habe, ist oftmals amüsant, beginnt aber mit einem fiesen Stück britischen Humors. Anders kann ich die Entscheidung für den Brexit nicht bezeichnen.

          Ich lebe seit dem 1. Januar 1994 in Berlin und beobachte seither die zahlreichen Gemeinsamkeiten der Menschen im Vereinigten Königreich und der Bundesrepublik Deutschland. In ihrer Haltung gegenüber der Vergangenheit sind diese beiden Länder völlig konträr. Obwohl die deutsche Vergangenheit noch immer weit verbreitet Angst auslöst, hat sich das Land mit den Verbrechen der NS-Zeit ernsthaft auseinandergesetzt. In Großbritannien hingegen liebt man die Vergangenheit, was eine ganze Bandbreite von Ausdrucksformen annimmt, die von der Begeisterung über die bevorstehende königliche Hochzeit über nationale Volksfeste bis zum aggressiv und gern besoffenen im Pub ausgestoßenen Ruf reicht: We won the war – wir haben den Krieg gewonnen. Das britische Establishment trachtet aber danach, eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen der imperialistischen Zeit von Britannia rules the waves zu verhindern, und das Volk billigt dieses Unter-den-Teppich-Kehren, weil es an seiner Traumversion der britischen Geschichte klebt. Das sind die wahren Hintergründe des Brexit – und damit auch die Hintergründe zu meiner großen Entscheidung.

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